Für die Olympiasegler markierte die frühe Europameisterschaft der 470er-Mixed-Flotte die ersten großen Titelkämpfe des Jahres. Vor Vilamoura waren 53 Crews aus 21 Ländern in vorwiegend leichten bis mittleren Winden gefordert. Beim frühen Kräftemessen in der neuen Saison fehlten noch die deutschen WM-Zweiten Simon Diesch und Anna Markfort, weil der Steuermann und Jurist sein Staatsexamen geschrieben hat. Schon beim Spanienklassiker Trofeo Princesa Sofía wird das Duo vom ab Ende März wieder im Einsatz sein.
In Abwesenheit der deutschen WM-Zweiten rangen die Favoriten aus Spanien, Großbritannien, Italien und Portugal um die EM-Medaillen. Dabei testete die internationale 470er-Klassenvereinigung auch ein neues Format, das nicht nur Steuermann Malte Winkel als “zweischneidiges Schwert” beschrieb. Damit brachte er die ersten Reaktionen vieler Segler gut auf den Punkt: Zwar kamen zwei statt einem Medaillenrennen am Ende der Serie bei den Aktiven gut an und boten mehr Chancen im Finale.
Auch die Zusammenfassung der Qualifikationsrennen zu nur einem der Platzierung nach fünf Rennen entsprechenden Punktwert für den Einzug in die Hauptrunde ist keine ganz schlechte Idee vor dem Hintergrund, dass die Rennen in der Hauptrunde anspruchsvoller sind und dadurch mehr Gewicht erhalten. Als weniger sinnvoll und nicht ganz fair aber erschien vielen Teilnehmern die Maßnahme, die Punktstände der Top Ten nach der Hauptrunde und vor der Medaillenserie nach einem vorher festgelegten System “anzupassen”.
Die Formatregel: Egal, wie es unter den besten zehn Teams nach der Hauptrunde stand, durften zwischen den Top-Booten beim Einzug in die Medaillenrennen nicht mehr als jeweils neun Punkte Abstand liegen. Zwischen dem Boot auf Platz zehn und dem Boot auf Platz drei etwa durften nicht mehr als 18 Punkte liegen. So soll eine theoretische Medaillenchance gewahrt bleiben. Entsprechend wurden die auf dem Wasser ersegelten Punkte verändert, bevor am Samstagmittag die Startschüsse zu den beiden Medaillenrennen fielen.
Diese Maßnahmen mochte die Spannung marginal erhöht haben, wirkte jedoch auf die Segler und auch Beobachter zu komplex, ein wenig künstlich und nicht ganz fair. Erfolgreich waren allerdings trotzdem die Favoriten. Europameister wurden die Briten Martin Wrigley und Bettine Harris vor den Italienern Giacomo Ferrari/Alessandra Dubbini und den amtierenden spanischen Weltmeistern Jordi Xammar/Marta Cardona. Hier geht es zu den Endergebnissen der 470er-Mixed-EM.
Sechs deutsche Duos waren in Portugal im Einsatz. Die erfolgreichsten waren Theresa Löffler und Christopher Hoerr mit EM-Platz acht. Beide haben im Winter ihr Studium beendet, nun den Master für Maschinenbau (Löffler) und das abgeschlossene Zahnmedizinstudium (Hoerr) in der Tasche. Sie können sich jetzt schon voll auf die “Road to LA28” konzentrieren.
Theresa Löffler zog positiv Bilanz: „Wir sind mit dem EM-Ergebnis ganz zufrieden. Das war ordentlich vor dem Hintergrund, dass wir im Winter studienbedingt eine etwas längere Pause hatten, dafür aber jetzt beide fertig studiert haben.” Wichtig war es dem gemischten Doppel, beim Test des neuen Formats mit zwei Medaillenrennen im Finale dabei zu sein. Zufrieden waren sie mit ihrer Bootgeschwindigkeit, vor allem auf der Kreuz. Ein wenig fehlte noch der Überblick. Beides passte zu ihrem Wintertraining, in dem Speed ein großes Thema war, Regatten selbst aber eher nicht.
Auch Malte Winkel und Amelie Paula Schütze, aktuell nicht im Kader des German Sailing Teams, hatten eine längere Pause der Vorschoterin auszugleichen. Das gelang phasenweise schon wieder sehr gut. Zu gerne hätten sie sich nach dem Kraftakt am Ende der Hauptrunde mit einem Platz in den Top Ten und der Teilnahme an den beiden Medaillenrennen belohnt, doch verpassten sie als Zwölfte den Finalcut.
Malte Winkel beschrieb die EM-Bedingungen mit oft drehenden Winden um fünf bis elf Knoten als „sehr physisch“. Seiner Crew haben am Ende bei nur eingeschränkt möglichem Wintertraining “ein paar Körner gefeht”. Speedunterschiede in der Flotte ordnete der Steuermann teilweise auch den schon im Einsatz befindlichen neuen Booten der Konkurrenz zu. Dieser Speed-Schritt nach vorne soll auch seiner Crew bis zum WM-Jahreshöhepunkt gelingen.
Auf die Plätze 15 und 18 segelten vor Vilamoura die 470er-Mixed-Teams Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee, Yachtclub Berlin-Grünau) und Amelie Wehrle mit Riccardo Honold (Jollensegler Reichenau/Bodensee-Yacht-Club Überlingen). DSV-Coach Steve Lovegrove sagte nach der Siegerehrung in Vilamoura: “Wir sind zufrieden, aber noch nicht glücklich.”
Die 470er-Mixed-Flotte steht mit ihren gemischten Doppeln auf der Haben-Seite im German Sailing Team. Wo sie an den Start gehen, zählen die Besten zu den Medaillenkandidaten. Vor dreieinhalb Jahren waren Luise Wanser und Philipp Autenrieht in den 470er-Mixed-Aufbruchzeiten in Israel zu WM-Gold gesegelt. Weiteres Edemetall folgte in den Jahren darauf. Und so soll es auch beim Saisongipfel wieder sein, wenn das German Sailing Team vom 10. bis 17. August bei der Weltmeisterschaft im Ex-Olympiarevier von Enoshima antritt.

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