Die meisten der bekannten deutschen Offshore-Segler kommen aus dem Norden. Doch auch im Süden gibt es sie. Der Bayerische Yacht-Club hat in seinen Reihen einen Schüler, den die See und der Offshore-Segelsport stark motivieren. Konstantin Kurzeja hat das Mini-Transat 2029 im Visier. Dazu im Fernblick ein Class40-Projekt und die Vendée Globe. Sein Vorbild ist Boris Herrmann.
Schritt für Schritt, aber sehr beharrlich arbeitet sich Konstantin Kurzeja in der französischen Mini-Welt voran. Sein erstes 500-Seemeilen-Zweihand-Rennen hat er Anfang September in kleiner Flotte, aber mit schönem Erfolg an der Seite des Deutsch-Franzosen Victor David beendet. Im Mare Nostrum erkämpften sich der “Mini-Teenager” und der Mini-Transat-Solist, dem bei seinem Rennen über den Atlantik so brutal der Mast gebrochen war, jetzt gemeinsam Platz zwei.
Das Mare Nostrum forderte in diesem Jahr elf Zweihand-Crews auf Serienbooten und ein Proto-Duo auf seiner klassischen 500 Seemeilen lange Schleife. Der Kurs führte vom Club Nàutic Garraf bei Barcelona zu den Balearen, weiter zu den Columbretes-Inseln im Golf von Valencia und zurück in den Start- und Zielhafen. Für Konstantin Kurzeja war die taktisch und technisch geprägte Mittelmeer-Prüfung mit flauen, aber auch sportlich-druckvollen Abschnitten das erste große Mini-Rennen seiner noch so jungen Karriere.
Der Realschüler mit den guten Noten und dem Motto “Ich will. Und ich kann.” hatte sich erstmals bei der boot Düsseldorf im Januar bei der Branche und der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort hatte er beim gemeinsamen Auftritt der deutschen Mini-Segler auch Victor David kennengelernt, mit dem er jetzt die Zweihandprüfung bestritt.
“Wir haben uns super verstanden, es lief sehr gut. Victor ist sehr gut im Thema Wetter. Das war schon stark, vor allem in der letzten Nacht des Rennens, als alle unter Land blieben und wir raus auf See gesegelt sind. Da sind wir noch von Platz fünf auf Platz zwei vorgefahren”, erzählt Konstantin Kurzeja glücklich.
Der Neuntklässler aus Bayern hat bei seiner Mare-Nostrum-Premiere auf dem Bertrand-Vector 650 “Muriel” seines Teams mit Baujahr 2024 an der Seite von Victor David viel gelernt. “Vor allem in den leichten Winden haben wir viele Segelwechsel gemacht. Das konnte ich alleine noch nicht so gut”, räumt der gelernte Skiffsegler freimütig ein. Den 29er will er noch nicht missen, doch er weiß, wo sein Herz hängt.
Das Mini-Segeln macht noch mehr Spaß, weil es langlebiger ist. Man kommt nicht nach den Rennen an Land, sondern ist zwei, vier oder auch acht Tage unterwegs.” Konstantin Kurzeja
Gewonnen haben das Mare Nostrum in diesem Jahr Alejandro Martinez und der zweimalige katalanische Vendée-Globe-Absolvent Didac Costa in 4 Tagen, 14 Stunden, 56 Minuten und 37 Sekunden. Als Zweite schon kamen Konstantin Kurzeja und Victor David knapp vier Stunden nach den Top-Favoriten ins Ziel.
Der 28 Jahre Jahre alte Victor David hat seinen jungen Co-Skipper als offen und lernbegierig erlebt. “Ich wusste vorher nicht genau, was ich erwarten kann. Was wird, wenn ein Sturm kommt? Ich wäre mit 14 vermutlich in Todespanik gewesen. Doch dann war ich positiv überrascht. Konsti ist das Rennen mit Demut und Respekt angegangen. Er war wissbegierig und hat superschnell gelernt.”
Auch über die Zukunftspläne von Konstantin Kurzeja haben der Mini-Transat-Bezwinger und der 14-Jährige viel gesprochen. Victor David sagt: “Das ist schon krass und gleichzeitig faszinierend.” Er selbst hat an der Seite von Kurzeja erstmals ein Mini-Rennen mit einem Scow-Bug-Serienboot bestritten und schwärmt: “Es war eine coole Erfahrung.”
Das Silber von Victor David und Konstantin Kurzeja war am Ende nervenstark erkämpft, denn die drittplatzierten Massimo Vatteroni und Enrico Giacomi passierten die Linie keine Minute nach ihnen. Und auch die viertplatzierten Franzosen Benoït Tuduri und Valentin Desbois kamen nur fünf Minuten nach dem dritten Podiumsteam in Ziel.
“Es war eine gute Community mit vielen erfahrenen Seglern”, beschreibt Kurzeja, wie er das Mare Nostrum erlebt hat. Den kleinen Anfängerfehler, Salz und Pfeffer zu vergessen, wird er mit Blick auf die faden gefriergetrockneten Malzeiten nicht wieder machen. Zu den Sonnenseiten des Rennens zählten für den Newcomer die guten taktischen Entscheidungen seiner Crew, “das Erlebnis von 15, 16 Knoten Speed unter Spi” und die Delfine, die seine Crew über die letzten 50 Seemeilen begleiteten.
Für dieses Jahr hat der junge Bayern-Dynamo noch einige Trainingseinsätze in der Base Mini in Barcelona geplant. Im kommenden Jahr dann will er die Rennteilnahmen erhöhen. Wie sehr, das hängt auch davon ab, wie viel Unterstützung er für seinen Weg mit dem von ihm mitgegründeten Ocean Racing Team Germany finden kann. Förderer wie Frisch, Harken, Musto, Melwin Finks und Lennart Burkes Team Next Generation Boating, NV Charts und Trans Ocean hat er schon an Bord, doch für den Aufstieg braucht er weitere Unterstützer und Sponsoren, die sein Team aktiv sucht.
Zum 15. Geburtstag an diesem Samstag stehen auf der Wunschliste von Konstantin Kurzeja ausschließlich segelrelevante Ausrüstung und Hilfsleistungen. Es gibt keinen Wunsch, der nichts mit dem Segeln zu tun hat. Dabei ist klar: Nicht alle Wünsche sind sofort erfüllbar. Auch an seinem Geburtstag wird Konstantin Kurzeja segeln. Beim Deutschen Touring Yacht-Club steht für ihn der Oktoberfestpreis für 29er und 505er auf dem Programm.

Freie Reporterin Sport
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