Jung, zielstrebig, offshoreCarla Hénon-Steck ist auf dem Weg zum Mini Transat 2027

Fabian Boerger

 · 02.03.2026

Carla will's wissen - und 2027 am Mini-Transat teilnehmen.
Foto: Carla Hénon-Steck
Das Mini Transat 2027 im Blick: Carla Hénon-Steck will mit einem Mini 6.50 über den Atlantik. Die 18-Jährige über Ziele, Inspiration und ihre nächsten Schritte.

​Sie hat gerade ihr Abitur abgeschlossen – doch für Carla Hénon-Steck, 18, steht bereits das nächste Abenteuer an. Während Gleichaltrige erst einmal reisen oder ein FSJ absolvieren, verfolgt sie einen anderen Plan: 2027 will sie solo mit einem Mini 6.50 das Mini Transat bestreiten. Im YACHT-Interview spricht sie über ihr Projekt und die Hürden, die noch vor ihr liegen:

​Carla, du willst zum Mini Transat 2027. Warum?

​Offshore-Segeln hat mich schon immer fasziniert. Als Kind dachte ich: Es wäre cool, bei so etwas dabei zu sein. Dann bin ich auf die Mini Transat gestoßen und dachte mir, das ist eine gute Möglichkeit, ins Offshore-Segeln einzusteigen – für ein im Vergleich kleines Budget.

​Siehst du das Mini Transat als Ziel oder ist es der Einstieg in die Offshore-Szene?

​Eher der Einstieg. Aktuell will ich nach dem Transat weiter offshore segeln, dann auch auf größeren Booten.

Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Mein Vater ist Franzose, unsere Familie hat ein Haus in der Bretagne. Jeden Sommer sind wir dort. Es ist der Ort, an dem ich mit fünf Jahren das Segeln gelernt habe. Die Gemeinde liegt nur wenige Kilometer von Lorient entfernt, entsprechend häufig bekommt man dort Imocas oder Ultim-Trimarane zu sehen. Das hat mich schon als Kind fasziniert. Meine Familie verfolgt seit jeher die Vendée Globe, und immer wenn wir dort waren, hat mich diese Welt angesprochen. Aufgewachsen bin ich wiederum in der Nähe von Stuttgart.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Jetzt möchtest du mit der Mini Transat in diese Welt eintauchen. Es wäre nicht das erstes Mal, dass du den Atlantik überquerst.

Genau. 2022/23 bin ich zweimal mit der Thor Heyerdahl und dem “Klassenzimmer unter Segeln” über den Atlantik gesegelt. Das hat mich nochmal darin bestätigt, allein über den Atlantik zu wollen. Auf dem Traditionssegler waren wir viele Leute, es war recht entspannt, nicht so schnell. Jetzt soll es nochmal alleine rüber gehen.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

​Die Mini 6.50-Szene gilt als kompetitive Regatta-Szene. Warum so und nicht anders?

​Es reizt mich einfach, mich mit anderen zu messen. Ich mag es, noch den halben Knoten Fahrt aus dem Boot zu holen. Wenn man komplett allein segelt, hat man diese Herausforderung nicht, diesen Ansporn, schneller zu sein.


Mehr zum Thema:


​Hast du Vorbilder aus der Szene der Offshore-Segler?

Ich habe viel Clarisse Crémer und Samantha Davies verfolgt, und seit der letzten Vendée natürlich Violette Dorange.

​Was imponiert dir an Personen wie Dorange?

​Auf jeden Fall der Kampfgeist. Der Wille, etwas in so jungen Jahren zu schaffen. Es ist ja nicht ohne, ein solches Vendée-Globe-Projekt auf die Beine zu stellen. Dass sie sich da durchgesetzt hat, inspiriert mich.

​Was hebt dich abseits deines Alters von anderen Seglern ab?

​Ich bin sehr zielstrebig. Habe ich mir etwas in den Kopf gesetzt, will ich das auch erreichen.

2027 willst du teilnehmen. An welchem Punkt der Reise stehst du?

​Ich bin noch auf Sponsorensuche. Da ich gerade erst aus der Schule bin, kann ich mir so etwas wie ein Boot noch nicht leisten. Das gesamte Jahr 2025 habe ich damit verbracht.

Wie mühsam ist das?

​Sehr. Bei mir hat es gut über Kontakte funktioniert, aber nur sehr wenige Firmen antworten. Es gibt viele Absagen und Standard-Mails. Es ist sehr mühsam. Ich habe einen festen Sponsor, mit weiteren bin ich im Gespräch. Aber ja, die Finanzierung ist eine gute Frage.

​Hast du schon ein Boot?

Noch nicht - aber es sieht gut aus, dass sich das bald ändern könnte.

Völlig neu ist dir die Mini-6.50-Klasse nicht.

​Genau, ich bin bereits beim Calvados Cup gestartet.

Was glaubst du, wie schwer es für dich sein wird, sich zu etablieren?

​Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass alle in der Szene recht offen und hilfsbereit sind. Seglerisch hängt es natürlich auch vom Boot ab, ob man vorne mitsegeln kann. Das ist schon entscheidend: Mit einem Boot sollte auch die Sponsorensuche einfacher werden. Allerdings muss das bald losgehen, schließlich benötige ich ausreichend Seemeilen, um mich auch qualifizieren zu können.

​Wenn du daran denkst, im nächsten Jahr über den Atlantik zu segeln. Was steht dir an Arbeit noch bevor?

​Ich bin noch nicht einhand gesegelt (lacht). Das werde ich ausbauen müssen. Ich hoffe allerdings, da schnell reinzukommen, bin aber zuversichtlich, dass das klappt. Sicherlich kommt noch die ein oder andere Herausforderung hinzu. Das werde ich dann sehen, wenn es soweit ist.

Fabian Boerger

Fabian Boerger

Redakteur News & Panorama

Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta