AbenteuerDen Atlantik im kleinen Selbstbau-Racer überquert

Kristina Müller

 · 16.12.2021

Abenteuer: Den Atlantik im kleinen Selbstbau-Racer überquertFoto: Marco Ausderau ( hull 29 ) / G580T

Über 3000 Seemeilen und 26 Tage auf weniger als 20 Fuß: Die ersten Einhandsegler des Transat im Class Globe 5.80 haben ihr Ziel Antigua erreicht

Im Yachthafen von Antigua sind dieser Tage die Boote einiger ungewöhnlicher Atlantiküberquerer zu bestaunen: Die ersten vier Solo-Skipper des Transat Class Globe 5.80 haben ihr Ziel auf der Karibikinsel erreicht, nur einer ist noch unterwegs. Über 3000 Seemeilen liegen im Kielwasser der kleinen Flotte der 5,80 Meter kurzen Selbstbau-Boote, an deren Spitze lange nicht klar war, wer nun als Erster die Ziellinie queren würde.

Schließlich war es der Schweizer Etienne Messikommer, der auf seiner knallbunten „Numbatou“ am Montagabend vor allen anderen English Harbour im Süden der Insel erreichte. Für 3184 Seemeilen von Lanzarote nach Antigua benötigte der 33-Jährige 26 Tage und knapp 8 Stunden.

  Unübersehbar, nicht nur aufgrund des Langfahrt-Equipments am Heck: die "Numbatou" von Etienne MessikommerFoto: Ocean Frontiers OGR/ GGR/CG580/Pic suppliers
Unübersehbar, nicht nur aufgrund des Langfahrt-Equipments am Heck: die "Numbatou" von Etienne Messikommer
  Vor dem Start in LagosFoto: Ocean Frontiers OGR/ GGR/CG580/Pic suppliers
Vor dem Start in Lagos

Ihm folgte kurz darauf, in der Nacht zum 14. Dezember, der Tscheche Michal Krysta („Menawan“). Messikommer und Krysta hatten in der Vorbereitung auf das Transat gemeinsam trainiert und waren schließlich ein enges Rennen gesegelt.

  Zweiter in Antigua: Michal Krysta – hier beim Start in PortugalFoto: Ocean Frontiers OGR/ GGR/CG580/Pic suppliers
Zweiter in Antigua: Michal Krysta – hier beim Start in Portugal

Der Schweizer galt dabei als Favorit dieser besonderen Regatta. Schon die erste Etappe von Portugal nach Lanzarote konnte er für sich entscheiden. Am 1. November war die kleine Flotte in der Hafenstadt Lagos gestartet, wo sie ihre Boote auf die Atlantiküberquerung vorbereitet hatten. Zu sechst segelten sie eine Art Qualifikationstörn nach Lanzarote. Hier entschied nur der Schweizer Severin Hummer (Interview YACHT 25/2021), dass er die eigentliche Atlantiküberquerung nicht angehen wollte und brachte sein Boot zurück aufs Festland. Die übrigen fünf Segler setzten am 17. November die Segel Richtung Karibik.

Auch der Veranstalter dieses ersten Transats im Globe 5.80 war darunter: Don McIntyre überquerte den Atlantik auf „Trekka“, der Baunummer 1 der neuen Bootsklasse. Als Dritter erreichte er am Mittwoch, 15. Dezember, das Ziel, gefolgt vom Briten Peter Kenyon („Origami“). Allein der Ire Jon Schofield hat noch über 700 Seemeilen vor dem Bug.

  Erst in letzter Minute wurde sein Boot fertig, doch McIntyre wollte selbst Teil der Atlantik-Premiere sein. Mit zwei Tagen Verzögerung startete er in die erste EtappeFoto: Ocean Frontiers OGR/ GGR/CG580/Pic suppliers
Erst in letzter Minute wurde sein Boot fertig, doch McIntyre wollte selbst Teil der Atlantik-Premiere sein. Mit zwei Tagen Verzögerung startete er in die erste Etappe

Don McIntyre, australischer Weltumsegler und Initiator diverser Hochsee-Abenteuer, war es auch, der den Bootstypen gemeinsam mit dem polnischen Konstrukteur Janusz Maderski entwickelte. Seit eineinhalb Jahren bieten sie die Selbstbaupläne für die Sperrholzkonstruktion an, die für 300 Euro einen günstigen Einstieg in den Bau eines kleinen, hochseetauglichen Bootes ermöglichen sollen. In Deutschland ist der Rumpf von Georg Lützelberger aus Paderborn am weitesten vorangeschritten (YACHT 4/2021). Er plant, das Boot im Sommer 2022 zu Wasser zu lassen.

  Lützelbergers Gartenwerft: Seit Sommer 2020 arbeitet der junge Maschinenbauingenieur an seinem Boot. Mittlerweile ist es gedreht und lackiert.Foto: G. Lützelberger
Lützelbergers Gartenwerft: Seit Sommer 2020 arbeitet der junge Maschinenbauingenieur an seinem Boot. Mittlerweile ist es gedreht und lackiert.

Weltweit haben laut McInytre weit über hundert ambitionierte Selbstbauer das Projekt in Angriff genommen. Wie viele mit ihrem Winzling später tatsächlich Seeregatten bestreiten wollen, ist noch offen. Sogar eine Weltumsegelung ist für 2024 geplant. Dass einige es immerhin über den Atlantik schaffen, haben Etienne Messikommer und seine Mitstreiter nun gezeigt.

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