Maxi Yacht Rolex Cup 2026Leichte Winde und große Überraschungen an Tag 1

Sören Gehlhaus

 · 08.09.2026

Große Kites zum schwachwindigen Auftakt: „V“ führt vor Vorjahressiegerin „Galateia“ (beide Wallycento).
Foto: Rolex / Studio Borlenghi
Beim Maxi Yacht Rolex Cup haben sich am ersten Wettfahrttag vor Porto Cervo mehrere Favoriten behauptet. Für die auffälligsten Ergebnisse sorgten ein Neubau, taktische Fehler, Rammings und eine schnelle Trimaran-Crew. Die Bedingungen in Sardiniens Norden blieben mit sechs bis zwölf Knoten leicht, aber taktisch anspruchsvoll.

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Zum Auftakt am Montag kam der Wind aus östlichen Richtungen. Es ging eine leichte Brise mit etwa sieben Knoten, im Verlauf der Wettfahrten wehte es allerdings mit bis zu zwölf Knoten. Vor Porto Cervo segelte die Maxi-Grand-Prix-Flotte zwei kurze Up-and-down-Kurse. Die übrigen Klassen gingen auf Küstenrennen zwischen den Inseln des Maddalena-Archipels.

Unter den 38 Yachten, die sich auf fünf Gruppen aufteilen, sind keine deutschen Starter dabei. Mit „Allegra“ wohl aber ein 78-Fuß-Kat aus der Schweiz und mit „Lunz am Meer“ eine Swan 651 aus Österreich. Um Weltmeister-Ehren wird in ​IMA Maxi 1 und IMA Maxi Grand Prix gesegelt.

​„Northstar“ III überzeugt bei Regattapremiere

​Die größte Überraschung gelang „Northstar III“. Die neue Judel/Vrolijk 76 feierte vor Porto Cervo ihr Regattadebüt und gewann sogleich beide Wettfahrten der Maxi-Grand-Prix-Klasse. Im ersten Rennen lag das Team um Peter Dubens unter verrechneter Zeit 1:44 Minuten vor „Balthasar“. Im zweiten Lauf betrug der Vorsprung auf „Bella Mente“ 1:25 Minuten.

Die leichte Brise kam dem neuen Schiff offenbar entgegen. „Northstar III“ stellte Persico Marine dieses Jahr in Italien fertig. Ihr Eigner, der Brite Peter Dubens, hält über Oakley Capital die Mehrheit an der North Technology Group, zu der unter anderen Marken North Sails sowie Southern und Hall Spars gehören. Das neueste Mitglied hat auch gleichzeitig das höchste Rating der Klasse und muss auf die anderen sechs Grand-Prix-Boliden am meisten vergüten.

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Außerdem besitzt die neue „Northstar III“ einen Canting-Kiel und kann dadurch auf Wasserballast verzichten. ​„Es war gut, dass wir es geschafft haben, das brandneue Boot rennfertig zu machen, aber vor uns liegt noch eine lange Woche“, meinte Nick Rogers, Taktiker auf „Northstar III“. „Der Kurs war heute nicht einfach – bei wechselhafter Brise war der Wind ziemlich unbeständig.“

Für die titelverteidigende „Django 7x“-Crew verlief der Auftakt dagegen enttäuschend. Nach Protesten, darunter ein Vorfall mit hartem Kontakt, wurde das Team im ersten Rennen disqualifiziert. Die zweite Wettfahrt brachte nur einen siebten Rang für die Wallyrocket 71 hervor.

​„Capricorno​“ schlägt größere Maxi-Yachten

In der Maxi-1-Klasse setzte sich ​„Capricorno​“ durch. Die 82 Fuß lange J/V 82 kam unter verrechneter Zeit 2:27 Minuten vor der WallyCento „V“ ins Ziel. „Leopard 3“ belegte Rang drei. Auf dem Wasser lag „V“ zunächst vorn, doch „Capricorno​“ wählte mit der rechten die richtige Seite und segelte anschließend schnell auf den Vorwindkursen.

Das Ergebnis zeigt, welchen Einfluss leichte Bedingungen auf die Rangfolge haben können. Die deutlich größere „V“ konnte ihre Vorteile bei Geschwindigkeit und Wasserlinienlänge nicht vollständig ausspielen. „Capricorno​“ war bei schwachem Wind schnell genug, um den Rückstand zu begrenzen, und erwischte auf der ersten Kreuz den besseren Dreher.

Beide Teams hatten ihre Boote für die Saison weiterentwickelt. „Capricorno​“ reduzierte unter anderem den Wasserballast und senkte damit das IRC-Rating. „V“ erhielt mehr Segelfläche und wurde konsequent auf Gewichtsersparnis getrimmt. Der erste Tag lieferte deshalb auch einen Vergleich zweier unterschiedlicher Entwicklungsansätze.

„Artemis Bleu“ profitiert von einer Strafe

In Maxi 3 gewann „Artemis Bleu“. Zunächst sah es nach einem Erfolg für „Twin Soul B“ aus. Die Mylius 80FD hatte auf dem Wasser eine starke Leistung gezeigt und lag in der vorläufigen Verrechnung deutlich vorn. Nach einer Strafe wegen einer Berührung an der ersten Luvtonne fiel das Team jedoch auf Rang drei zurück.

„Artemis Bleu“ rückte dadurch an die Spitze vor, „Astra I“ wurde Zweite. Der Abstand zwischen den Booten war gering: Vor der Strafe lag „Twin Soul B“ nach der vorläufigen Berechnung 6:15 Minuten vor Artemis Bleu und nur zwei Sekunden vor „Astra I“. Das Ergebnis zeigt, wie schnell ein taktischer oder regeltechnischer Fehler die Wertung eines langen Küstenrennens verändern kann.

Die Maxi-3-Boote segelten einen 25,5 Seemeilen langen Kurs durch den Archipel. Enge Passagen, wechselnde Windfelder und die Wahl der Segel spielten dabei eine wichtige Rolle. „Twin Soul B“ konnte auf einem engen Winkel unter Spi zunächst Boden gutmachen, wechselte später jedoch auf die Genua.

„Sophia“ überrascht bei den Multihulls

Auch bei den Mehrrumpfbooten gab es eine Überraschung. Der 63 Fuß lange Trimaran „Sophia“ gewann vor den favorisierten Kats „Allegra“ und „Highland Fling XVIII“. Unter ORCmh lag „Sophia“ 20:23 Minuten vor „Allegra“.

„Sophia“ profitierte von einer guten Position auf der ersten Kreuz und führte zunächst „Highland Fling XVIII“ und „Gaea“ an der Luvmarke. Später verlor der Trimaran zwar Boden, blieb aber bis zum Ziel konkurrenzfähig. Auf dem letzten Vorwindkurs entwickelte sich zudem ein enger Zweikampf mit „Allegra“, der von mehreren Halsen geprägt war.

in Maxi 4 gewann „Fra Diavolo“ vor „Yoru“ und „Wallyno“. Die Vallicelli 78 „H2O“ setzte sich in Maxi 5 vor den Swans „Lunz am Meer“ und „Shirlaf“ durch. „H2O“ nutzte die frühe Position mit freien Winden und konnte den Kurs anschließend weitgehend selbst bestimmen.

Lange Küstenrennen durch den Archipel

Die längste Strecke segelte die Maxi-1-Flotte. Ihr Kurs führte über rund 30,5 Seemeilen um Caprera und La Maddalena. Die Maxi-3-Yachten und Multihulls absolvierten etwa 25 Seemeilen. Für Maxi 4 und Maxi 5 standen rund 17 Seemeilen auf dem Programm.

Die Flotten mussten dabei nicht nur mit dem schwachen Wind umgehen. Die Passagen zwischen den Inseln veränderten die Windrichtung und die taktischen Möglichkeiten. Besonders im Bereich zwischen dem Maddalena-Archipel und dem Festland kann der Kurs nahe an die Küste führen. „Manticore“ lief auf Schiet auf, konnte das Rennen aber fortsetzen.

Potenzial kann noch an fünf weiteren Tagen um die Wette gesegelt werden, bei optimalen Bedingungen gibt es einen Ruhetag. Für Dienstag waren erneut Küstenrennen für alle Klassen angesetzt. Der erste Start sollte um 12 Uhr MESZ erfolgen. Die Prognose sah weiterhin leichte Winde für die Region um Porto Cervo vor, während nördlich des Regattagebiets etwas mehr Wind erwartet wurde.

Zwischenstände Maxi Yacht Rolex Cup nach Tag 1

KlassePlatz 1Platz 2Platz 3
Maxi 1CapricornoVLeopard 3
Maxi Grand PrixNorthstar IIIBella MenteBalthasar
Maxi 3Artemis BleuAstra ITwin Soul B
Maxi 4Fra DiavoloYoruWallyno
Maxi 5H2OLunz am MeerShirlaf
MultihullsSophiaAllegraHighland Fling XVIII

Buchtipps

Regattasegeln – Strategie und Taktik von Malte Philipp behandelt die Vorbereitung, Strategie und Taktik einer Wettfahrt. Das Buch erklärt, wie Winddreher, Kurswahl, Startphase und Nachanalyse zusammenwirken. Damit passt es direkt zu den Entscheidungen, die am ersten Tag der Maxi Yacht Rolex Cup über Plätze und Zeitabstände entschieden haben. Die aktuelle zehnte Auflage ist 2026 erschienen.

Die Wettfahrtregeln Segeln 2025 bis 2028 erklärt die aktuell geltenden Regeln für internationale Regatten. Der Titel ist besonders relevant, weil bei der Maxi Yacht Rolex Cup bereits am ersten Tag eine Strafe nach einem Vorfall an der Luvtonne und eine Disqualifikation nach Protesten das Ergebnis beeinflussten. Die kommentierte Ausgabe hilft, solche Situationen besser einzuordnen.


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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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