Die Kieler Woche ist nach Flaute zum Auftakt in Fahrt gekommen. Im 470er-Mixed setzte sich Schwarz-Rot-Gold früh an die Spitze. Simon Diesch und Anna Markfort kamen mit den Plätzen zwei, eins und drei aus den ersten drei Rennen und führen damit das Zwischenklassement an. Dahinter liegen Malte Winkel und Bente Batzing auf Rang zwei, nachdem sie die Auftaktwettfahrt gewonnen hatten. Auf Rang drei folgen Hedvig und Hugo Liljegren aus Schweden.
Die Breite der deutschen Flotte fällt besonders auf: Fünf 470er-Crews des Deutschen Segler-Verbands liegen unter den besten sechs Teams. Für die nationale Konkurrenz ist das ein früher Hinweis darauf, wie eng der Kampf um das deutsche Olympia-Ticket für Los Angeles werden dürfte.
Auch im ILCA 7 gab es am Sonntag deutsche Akzente. Wegen aggressiven Startverhaltens begann die erste Wettfahrt mit rund anderthalb Stunden Verspätung, sodass in beiden Gruppen nur zwei Rennen möglich waren. An der Spitze liegt Alexandre Kowalski aus Brest, drei Punkte dahinter folgt der Kieler Ole Schweckendiek mit den Plätzen acht und eins.
Schweckendiek setzte sich mit seinem Tagessieg im zweiten Rennen direkt hinter den französischen Spitzenreiter. Philipp Buhl, dreimaliger Olympiateilnehmer und frischgebackener Vizeeuropameister, liegt nach den Plätzen acht und neun auf Rang elf und wird am Montag bei ähnlichen Bedingungen angreifen müssen.
Im ILCA 6 reagierte Julia Büsselberg stark auf einen schwierigen Auftakt. Eine Disqualifikation wegen Frühstarts warf die Berlinerin zunächst zurück, danach konterte sie mit einem Tagessieg und schob sich auf Gesamtplatz fünf. Vorn liegen Anna Munch aus Aarhus und Helena Wolff aus Hellerup.
Deutlich angespannter ist die Lage im 49er. Nach vier Rennen liegen von den deutschen Crews nur Simon Heindl und Conrad Jacobs als 16. innerhalb der Top 20. Der Cut für die Goldflotte erfolgt erst am Montag nach zwei weiteren Qualifikationsrennen, entsprechend groß bleibt der Druck.
Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger, als WM-Vierte zu den Mitfavoriten gezählt, sind trotz eines Siegs im letzten Sonntagsrennen vorerst nur 26. Meggendorfer sagte: „Na dann können wir ja doch noch ‚eine Runde weiterkommen‘, nachdem wir heute ein paar kleine Fehler gemacht haben.“ Entscheidend sei am Ende gewesen, dass Start und Anschluss endlich gepasst hätten.
Auch Per und Frederik Schwall erlebten einen wechselhaften Tag. Nach einer sechswöchigen Pause infolge einer Viruserkrankung fand Per Schwall mit seinem Bruder zurück in den Wettkampfrhythmus und segelte ebenfalls zu einem Tagessieg. Am Abend lagen die Kieler dennoch nur auf Rang 21. Richard Schultheis und Fabian Rieger folgen auf Platz 22, ebenfalls mit einem Tagessieg. Es führen Nevin Snow und Ian Macdiarmid aus den USA punktgleich vor Hernán Umpierre und Fernando Diz aus Uruguay sowie Joshua Richner und Nilo Schärer aus der Schweiz.
Bei den 49erFX-Frauen blieb aus deutscher Sicht ebenfalls Luft nach oben. Jule Ernst und Lea Adolph waren als Siebte beste deutsche Crew, knapp vor Maru Scheel und Freya Feilcke. Die Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille retteten sich als 17. mit zwei Punkten Vorsprung in die Goldflotte der besten 20 Teams. In Führung liegen Helen Pais und Helen Ausman aus Estland vor Freya Black und Saskia Tidey aus Großbritannien.
Auch im Seesegeln bei der Kieler Woche verschob sich das Bild am Sonntag. Bei der Internationalen Deutschen Inshore-Meisterschaft übernahm Jon Sverre Hoiden mit „Sons of Hurricanes“ nach der Rückführung der Aalregatta aus Eckernförde zunächst die Führung von Erik Stannow mit „Dixi 5“. Das Rennen wurde erstmals mit einem Känguru-Start gesegelt, bei dem die Yachten zeitlich versetzt nach ihrem Handicap starten.
Die Führung hielt jedoch nicht. Nach einem Protest des technischen Komitees musste die Crew der „Sons of Hurricanes“ auf die Waage, die Crew wurde wegen Übergewichts disqualifiziert. Mit einem Tagessieg rückte Jens Kuphal mit der „Exciter“ auf Rang zwei hinter Stannow vor. In der Aalregatta-Wertungsgruppe ORC A/B gewann „Xenia“ mit Ralf Lässig vor „Faju“ mit Ulrich Müller-Kauter und der „Löwe von Bremen“ mit Carolin Bosselmann.
Nach dem Auftakt der Kieler Woche richtet sich der Blick am Montag vor allem auf zwei Fragen: Können die deutschen 49er-Teams den Sprung in die Goldflotte noch schaffen, und bestätigen die 470er-Crews ihre starke frühe Form? Für die Kieler Woche 2026 ist der dritte Segeltag damit sportlich gesetzt: vorne Glanz im 470er, dahinter viel Druck vor Schilksee.
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