Tatjana Pokorny
· 29.11.2023
Saudi-Arabiens wichtigste Hafenstadt Dschidda steht in dieser Woche im Zeichen des internationalen Segelsports. Der America’s-Cup macht hier Station und trägt seine zweite Vorregatta ab 30. November aus. Die Cup-Verteidiger vom Emirates Team New Zealand treten auf AC40-Trainings- und Testyachten gegen ihre fünf Herausforderer aus Großbritannien, Italien, Amerika , der Schweiz und Frankreich an.
Die letzte Cup-Schau des Jahres steigt knapp einen Monat vor dem Weihnachtsfest und fordert die Teams in einem traumhaft schönen Segelrevier. Auch das US-Team American Magic ist nach anfänglichen Sicherheitsbedenken bei der historisch ersten orientalischen Version einer Cup-Regatta am Start. Die Kulisse bilden eine Stadt wie aus 1001 Nacht, deren Bild gleichzeitig von modernster Architektur geprägt ist. Der America’s Cup war in seiner 172-jährigen Geschichte nie zuvor auf dem Roten Meer zu Gast.
Bei den letzten offiziellen Testrennen am Mittwoch erprobten die Teams noch einmal ihre Fähigkeiten – mit unterschiedlichen Erfolgen. In drei vorgeschalteten Matchrace-Begegnungen zum Aufwärmen hinterließen vor allem die Amerikaner mit Weltsegler Tom Slingsby einen sehr kontrollierten und schnellen Eindruck, während Italiens Cup-Nachwuchs mit Nacra-17-Olympiasieger Ruggero Tita und dem erst 19 Jahre alten dreimaligen Optimisten-Weltmeister Marco Gradoni an den Steuern “den Ferrari vor den Augen vom Boss” in einem missglückten Manöver tief ins Rote Meer tauchen ließen.
In den drei Fleetraces des Tages setzten am Mittwoch unterschiedliche Cup-Teams die Akzente. Zwar fingen sich Sir Ben Ainslie und sein Team Ineos Britannia schon im ersten Rennen zwei Penalties ein, doch wirkten sie sehr entschlossen und schnell auf dem Kurs. Die sonst so souveränen Kiwis überraschten beim Fleetrace-Auftakt mit allen sechs Cup-Teams mit einem verpatzten Start. Die französischen “Davids” eröffneten die Generalprobe im Konzert mit den Cup-Supermächten stark, bevor eine verunglückte Halse die Aufsteiger nach hinten warf.
Im zweiten Fleetrace wurden die bekannten Cup-Verhältnisse bei Geschwindigkeiten von über 30 Knoten teilweise wiederhergestellt: Das Emirates Team New Zealand dominierte das Rennen massiv, erreichte die Ziellinie mit einem Dreiviertelkilometer Vorsprung vor Alinghi Red Bull Racing und Patrizio Bertellis Team Luna Rossa Prada Pirelli. Die Franzosen erreichten das Ziel hinter den Amerikanern und den Briten auf den Plätzen vier und fünf als Sechste nach Hydraulikproblemen nicht.
Im dritten und letzten Durchgang der Fleetraces fielen die Amerikaner von den Foils und blieben zunächst wie ein Hindernis auf der Startlinie kleben, kassierten dabei noch eine Frühstartstrafe. Briten und Franzosen zogen zuerst davon, doch dieses Rennen verlief enger und abwechslungsreicher als die vorherigen und gab einen guten Vorgeschmack auf die Spannung, die für die 2. Cup-Vorregatta in Dschidda ab Donnerstag erwartet wird.
Kurios: Alinghi Red Bull Racing kassierte im letzten Rennen der Generalprobe drei Penalties in Folge und wurde disqualifiziert. Sichtlich irritiert hatte Steuermann Arnaud Psarofaghis sich nach dem ersten Penalty nach dem Grund für die Bestrafung erkundigt. Weil die Schweizer nicht reagiert hatten, türmten sich die Strafen bis zu ihrem Aus dann in schneller Folge.
Auf dem Kurs ging es indessen spannend zu. Briten, Kiwis und Italiener rangen um die Führung und lieferten sich bei mehreren Führungswechseln packende Positionskämpfe. Sir Ben Ainslie sagte nach dem süßen Sieg seiner Crew: “Es war ein fordernder Tag hier draußen. Wir hatten ein gutes erstes und ein gutes letztes Rennen heute. Es fühlt sich an, als hätten wir einiges von der ersten Vorregatta in Vilanova gelernt. Jetzt ist es Zeit für eine Tasse Tee.” In Vilanova i la Geltrú war Ineos Britannia nicht über den sechsten und letzten Platz hinausgekommen. Diese Schmach wollen Sir Ainslie, Giles Scott, Bleddyn Mon und Iain Jensen in Dschidda vergessen machen.
In der Endabrechnung gehörte der Tag der Generalprobe vor dem Regattastart den Cup-Verteidigern aus Neuseeland. Sie gewannen die “Practise Day” mit 19 Punkten deutlich vor NYYC American Magic (16 Punkte) und Ineos Britannia (15 Punkte). Punktgleich geschlagen, wurden die jungen Italiener dahinter Vierte vor Alinghi Red Bull Racing (14 Punkte) und dem französischen Orient Express Racing Team (4 Punkte). Die Franzosen wussten einige sportliche Glanzpunkte zu setzen, konnten ihre Leistung aber nach Manöver-Patzern und mit technischen Problemen nicht in veritable Ergebnisse verwandeln.
Die zweite Vorregatta zum 37. America’s Cup beginnt am Donnerstag (30. November). Das Kräftemessen auf den AC40-Yachten dauert bis zum 2. Dezember. Über den Erfolg der neuen kleinen, von den Cup-Verteidigern kreierten Cup-Trainings- und Testboote vom Typ AC40, die gerade vom Weltseglerverband World Sailing zum Boote des Jahren gewählt wurden und im kommenden Jahr beim Youth und Puig Women’s America’s Cup eingesetzt werden, äußerte sich Kiwi-Chefantreiber Grant Dalton in Dschidda.
Grant Dalton sagte: “Über die Auszeichnung haben wir uns natürlich gefreut. Es ist eine neue Klasse, die sich hoffentlich gut entwickelt. Zwölf Boote sind verkauft. Die Klasse wird auf Kurs zum nächsten America’s Cup weiter wachsen. Private Eigner werden dazukommen. Die Boote sind günstiger und leichter im Handling als Klassen wie die TP52.” Im Gespräch ist hinter den Cup-Kulissen längst der Aufbau einer neuen Weltserie auf den AC40-Foilern.
Die Rennen der 2. Vorregatta in Dschidda werden am 30. November sowie am 1. und 2. Dezember täglich ab 11.30 Uhr deutscher Zeit (10.30 Uhr GMT) live übertragen – einfach online bei www.americascup.com oder auf dem YouTube-Kanal der Veranstalter einschalten. Der Zeitplan:

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