Frische westliche Winde mit Böen bis über 22 Knoten sorgten bei der 43. Auflage der traditionellen Schiffahrtsregatta für eine schnelle Reise von Schleimünde nach Ærøskøbing. „First Ship Home“ wurde der 86-Fußer „UCA“ mit Skipper Gunnar Knierim. Von 103 gestarteten Yachten gingen 101 über die Ziellinie.
Die ORC-Wertung gewann Tobias Brinkmann mit der Pogo RC „MarieJo“. Sieger der Yardstick-Wertung wurde Michael „Schmiddl“ Schmidt mit seiner klassischen Ketsch „Bounty“. „Trotz der herausfordernden Witterungsbedingungen sind alle Crews gut über die Bahn gekommen. Als sich kurz vor der Ziellinie eine heftige Sturmböe aufbaute, gelang es allen, Spi und Gennaker rechtzeitig zu bergen und sicher ins Ziel zu kommen“, resümiert Dieter Gast, Geschäftsführer von Peter Gast Shipping.
Christian Gast, Geschäftsführer von Peter Gast Shipping, ergänzt: „Wer am Samstag nach der Regatta in Ærøskøbing an Land kam, hatte entweder ein begeistertes Grinsen im Gesicht oder war einfach nur froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.“
Bei ihrer Einfahrt in den Hafen wurden die Yachten von zahlreichen Zuschauern lauthals begrüßt. „Selten haben die Teilnehmenden das Einlaufbier so genossen wie in diesem Jahr“, berichtet Alexander Gast, Cheforganisator von Peter Gast Shipping. „Für unsere Gäste, die zum ersten Mal bei einer Regatta dabei waren, war es ein aufregender, sportlicher Einstieg in die Welt des Segelsports.“
Die Schlepper-Reederei Fairplay stellte wieder das Startschiff, in diesem Jahr die „Fairplay 55“. Das Schiff erwies sich mit seiner Höhe und der entsprechend guten Übersicht erneut als hervorragender Arbeitsplatz für die Wettfahrtleitung um Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein vom Norddeutschen Regatta Verein.
Nach einer kurzen Startkreuz und einem Kurs über verschiedene Himmelsrichtungen um feste Seezeichen bogen die Yachten bei Skjoldnæs auf einen Vorwindkurs ab. Farbenfrohe Spinnaker und Gennaker wurden gesetzt, jedoch keineswegs von allen Seglern. Etliche Skipper zogen es vor, angesichts düsterer Wolken Mensch und Material zu schonen. Die aufkommende Welle forderte volle Konzentration von den Crews und eine sorgfältige Vorbereitung der Halsen.
„Wir sind bei 15 Knoten Wind gestartet, danach nahm der Wind stetig zu, dazu kamen immer wieder Regenschauer. Auf dem Vorwindkurs briste der Wind auf 22 Knoten auf, in Böen auch mehr. Bei kräftiger Welle entwickelte sich typisches ‚Sonnenschusswetter‘, so dass die Regatta den Gästen ‚Abenteuer pur‘ bot“, berichtet Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein. „Schnellstes Schiff war die ‚UCA‘ mit einer gesegelten Zeit von nur drei Stunden und drei Minuten.“ Kaum hatten alle Schiffe kurz nach 15 Uhr im Hafen festgemacht, klarte das Wetter auf und die Sonne kam heraus. Perfekt, um sich im Cockpit der Yachten von dem „schnellen Ritt“ über die Ostsee zu erholen.
Ein Blick auf die Teilnehmerliste im Begleitheft macht deutlich: Das Rennen wird zunehmend internationaler. „Die Schiffahrtsregatta hat sich in ihrem über 40-jährigen Bestehen von einer regionalen Veranstaltung zu einem international bekannten Branchentreff entwickelt“, sagt Christian Gast. „Die weiteste Anreise hatte Henry Zhang von C-LNG aus Shanghai, der mehr als 10.000 Kilometer zurückgelegt hat, um dabei zu sein“, ergänzt Alexander Gast. „Wir hatten zudem Gäste aus Singapur, der Türkei, Belgien, den Niederlanden und Polen“, sagt Alexander Gast.
Die zunehmende internationale Bekanntheit und Attraktivität der Regatta erfüllt Dieter Gast mit Stolz. Gleichzeitig ist die Veranstaltung über die Jahre zu einem wichtigen Netzwerk-Treffpunkt geworden. Ein Konzept, das inzwischen auch von anderen Branchen aufgegriffen wurde. „Als mein Vater die Regatta mit einigen Freunden aus der Schifffahrt spontan ins Leben rief, waren die Globalisierung und die schnelle Taktung infolge der Digitalisierung noch nicht so weit fortgeschritten“, sagt Dieter Gast. „Heute ist es umso wichtiger, dass Menschen sich treffen und austauschen. Der persönliche Kontakt ist nach wie vor eine wichtige Geschäftsgrundlage.“
Nach dem fröhlichen Get-together im Hafen tauschten die Teilnehmenden nasses Ölzeug und Seestiefel gegen maritime Party-Outfits. Die herbstlichen Temperaturen machten den Hinweis im Programmheft „no shorts please“ überflüssig. Angeführt von einem Spielmannszug ging es anschließend auf einen Rundgang durch die Gassen des Städtchens bis ins große Festzelt am Hafen. Dort fanden die Siegerehrung und die Party statt.
„Es ist toll zu sehen, wie sehr sich die Kommune Ærø auf die jährliche Regatta mit fast 1.000 teilnehmenden Personen freut“, berichtet Alexander Gast. „Viele Häuser waren mit Wimpeln und Dannebrog-Flaggen geschmückt. Ein herzlicher Empfang, der die jahrzehntelange Verbindung zwischen der aus einer Wette entstandenen Regatta und der Kommune Ærø unterstreicht.“
Die Preisverleihung wurde von Olympionikin Sanni Beucke und Alexander Gast moderiert. Die erfolgreiche Seglerin nahm zum ersten Mal an der Schiffahrtsregatta teil und segelte auf dem Klassiker „Peter von Seestermühe“ mit Skipper Christoph von Reibnitz. Rasmus Stute vom DNV, einer der Hauptsponsoren der Peter Gast Schiffahrtsregatta, übergab den Yardstick-Overall-Preis an Michael „Schmiddl“ Schmidt. Mit seiner klassischen Ketsch „Bounty“ ließ er damit nicht nur die Konkurrenten der Klassiker-Wertung hinter sich.
Auch der zweite Platz der Yardstick-Wertung ging mit der „Peter von Seestermühe“ an eine klassische Yacht, die zugleich den zweiten Platz in der Klassiker-Wertung belegte. Auf Rang drei der Yardstick-Wertung kam Thorsten Studemund mit der Jeanneau 53 „Norsche“. Die Preise der ORC-Gesamtwertung übergab Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang. Den ersten Platz sicherte sich Tobias Brinkmann mit der Pogo RC „MarieJo“. Darauf segelte er mit seinem Vater Berthold, Martin Bock und Segelsportautor Svante Domizlaff. Auf dem zweiten Rang folgte die Carkeek 47 „Störtebeker“ mit Skipper Torben Mühlbach vor der Crest 901 „Frau Antje“ mit Holger Jacobs.
Nach einer langen Partynacht mit Musik von Max & Friends bot sich den Teilnehmern am nächsten Morgen ein besonderer Anblick: Das Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ von Hapag-Lloyd ankerte vor dem Hafen.
Die sportliche Durchführung der Schiffahrtsregatta wird von drei Vereinen möglich gemacht: Kieler Yacht-Club, Norddeutscher Regatta Verein und Segel-Verein Altona-Oevelgönne (SVAOe). Während ein gemeinsames Team des NRV und des Kieler Yacht-Clubs die Starts organisierte, überwachte die SVAOe die Zieldurchgänge und errechnete die Ergebnisse nach den Handicap Formeln Yardstick bzw. ORC.

Redakteurin News & Panorama
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.