Dass der Start ins Pantaenius Rund Skagen Rennen langsam werden würde, haben die 15 an der Internationalen Deutschen Meisterschaft Offshore der Seesegler teilnehmenden Crews und auch die 15 aktiven Nordseewoche-Teams vorher gewusst. Trotzdem gaben die Prognosen für den weiteren Verlauf der Langstrecke Hoffnungen auf eine neue Bestzeit her. Die aber sind inzwischen geschrumpft, weil die schnellsten Boote in den ersten 20 Stunden mit zu viel Leichtwind zu kämpfen hatten.
Die Rekordchancen? Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich.” Robin Zinkmann
Robin Zinkmann, Navigator auf der führenden “Rafale”, sagte auf der Höhe des westlichen Eingangs vom Limfjord auf nördlichem Kurs entlang der dänischen Westküste am Dienstagmittag: “Es war leider wie zuletzt doch erwartet ziemlich flau. Zum Teil hatten wir nur drei bis vier Knoten Wind seit heute früh. Mittlerweile sind wir durch und fahren wieder. Mit dem Rekord wird es aber eng dieses Jahr.”
Die Hoffnungsfünkchen auf eine neue Bestzeit glimmten am Dienstagmittag nur noch minimal, auch wenn die zweite Halbzeit ein ganz anderes Tempo der Pacemaker erlauben wird. Robin Zinkmann sagte am Dienstagmittag: “Der zweite Teil des Rennens ist sehr schnell in den Routings. Es wird schwierig sein, da noch viel rauszuholen. Das aktuelle ETA liegt bei 11 Uhr, aber ich rechne damit, dass sich das noch ein paar Stunden nach hinten verschieben könnte, wenn wir das Boot bei 30 Knoten Wind irgendwann vielleicht nicht mehr dauerhaft bei 100% fahren werden.”
Den Hintergrund zur Zinkmann-Prognose bilden herannahende stürmische Bedingungen. Die Winde frischten zuletzt schnell auf. Das Wechselspiel bis hierhin erlebte auch die “Rarotonga”-Crew um Chirstoph Mählmann intensiv. Am frühen Dienstagmorgen vermeldete der Skipper von See: “Hier geht es mit 7,5 Knoten unter schwerem Spi voran. Dann wieder mit 2,6 Knoten unter leichtem Spi. Zwischendurch auch mal die leichte Genua 1. Wir sind am Horns Rev vorbei und kämpfen uns weiter in die Richtung, aus der heute noch Sturm kommen soll.”
Im flauen Auftakt empfanden viele Segler im Pantaenius Rund Skagen Rennen die Sturmprognosen als schwer vorstellbar. “Aber der Wetterbericht ist seriös und von mehreren unabhängigen Stellen und Quellen bestätigt”, wusste nicht nur Christoph Mählmann. Einen Clip zum Start der Langstrecke hatte vor dem Startschuss Partner Pantaenius veröffentlicht.
Der Rekord im 510 Seemeilen langen Pantaenius Rund Skagen Rennen ist inzwischen 26 Jahre alt. Aufgestellt wurde er kurz nach der Jahrtausendwende von Dr. Klaus Murmanns 67-Fuß-Baltic “Uca”. Die Crew um ihren Steuermann Walter Meier-Kothe war in sensationellen 43 Stunden und 46 Minuten über den anspruchsvollen Kurs gerauscht. Die Bedingungen waren damals ideal, die Crew segelte stark. Seitdem steht die Bestleistung wie eine XXXL-Hürde, die niemand nehmen kann.
Das Königsrennen der Nordseewoche zählt inhaltlich mit Blick auf seine Streckenführung als eine der anspruchsvollsten und gleichzeitig schönsten Langstrecken der Segelwelt. Seine Vielseitigkeit erhält es durch die Revierwechsel: Das Rennen beginnt in der Nordsee, führt durchs Skagerrak und endet in der Ostsee. Alle zwei Jahre ausgetragen, prüft das große Finale der Nordseewoche, in das in diesem Jahr sowohl die IDM-Meistersegler als noch “normale” Nordseewoche-Teams gestartet sind, seine Herausforderer im Pantaenius Rund Skagen Rennen in allen Fächern des Seesegelsports.
Vor zwei Jahren schon hatte Henri de Bokays Elliot 52 “Rafale” im Pantaenius Rund Skagen Rennen die Line Honours geholt. Aber auch damals blieb die Fabelzeit der “Uca”, die Nord- und Ostsee, Skagerrak und Kattegat in 2626 Minuten über 510 Seemeilen abgaloppiert hatte, unangetastet. Nicht ohne sein typisches verschmitztes Lächeln hatte Walter Meier-Kothe gesagt: “Wir sind ziemlich stolz darauf, diesen Rekord immer noch zu verteidigen. Es ist schade, dass Klaus Murmann das nicht mehr erleben kann.”
Vor zwei Jahren war es eine lange Kreuz bei an Hanstholm vorbei, die alle Rekordhoffnungen der “Rafale”-Crew hatte platzen lassen. In der Passsage war die “Uca” vor 26 Jahren am schnellsten. Wie es dieses Mal ausgeht, bleibt vorerst noch offen. Für die IDM-Meistersegler geht es beim doppelt gewerteten Pantaenius Rund Skagen Rennen auch um die Titel und Medaillen.
Nach dem Sundowner zum Auftakt und dem Capitell Cup Rund Helgoland am Pfingstwochenende (hier geht es zu den IDM-Zwischenständen), entscheidet das Langstreckenergebnis über die IDM-Platzierungen. Während in den ersten beiden Leichtwindwettfahrten mit den Wertungsfaktoren 1,25 und 1,5 die kleineren Boote bevorzugt waren, sollten im laufenden Pantaenius Rund Skagen Rennen die Crews auf den größeren Booten die Vorteile ihrer Yachten ausspielen können.
Damit bleibt es spannend bis zu den Zieldurchgängen ab Mittwoch. Und das gilt für alle Teilnehmer – IDM-Herausforderer und Nordseewoche-Crews. Denn alle blicken im laufenden Pantaenius Rund Skagen Rennen druckvollen Zeiten entgegen, bis sie das Ziel in kiel erreicht haben.

Freie Reporterin Sport