Pogo RCBretonen-Express für schnelle Offshore-Meilen im Test

Michael Good

 · 02.05.2026

Offshore-Boot: Großes Cockpit, kompakter Aufbau mit Fenstern, die den Blick in die Segel  erlauben. Das Ruder in Luv lässt sich hochklappen.
Foto: Pogo Structures/Jakez Photo
​Gleitfähig, konsequent, anspruchsvoll: Die neue Pogo ist für Crews konzipiert, die maximalen Segelspaß suchen und auch an langen Hochsee-Regatten teilnehmen wollen.

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D​er Vergleich drängt sich auf: JPK 10.50 gegen Pogo RC. Beide Boote sind neu, stammen aus traditionell konkurrierenden Werften in der Bretagne, spielen im selben Format und zielen mit ihrer glasklaren Ausrichtung auf dieselbe Klientel und dasselbe Handicap nach IRC (daher der Name). Auch die Konstruktionen liegen auffällig eng beieinander: auf der einen Seite die JPK 10.50, gezeichnet von Jacques Valer, auf der anderen die Pogo RC, eine Kooperation der Designer Sam Manuard und Bernard Nivelt.


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Tatsächlich sind sich die Konzepte der beiden Rennyachten so ähnlich, dass eine Frage unausweichlich scheint: Wer hat hier wohl bei wem abgekupfert? Die Antwort lautet: keiner. Vielmehr zeigen die beiden vergleichbaren Entwürfe vor allem eines: den aktuellen Stand der Erkenntnisse im modernen Offshore-Yachtdesign. Die Nähe der Boote ist deshalb weder Zufall noch Plagiat, sondern das Ergebnis konsequenter und zeitgemäßer Entwicklungsarbeit innerhalb einer neuen Generation IRC-optimierter Hochsee- Rennyachten.


Messergebnisse des Tests

Bild 1

​Das erste große Kräftemessen der beiden Rivalinnen wurde entsprechend mit viel Spannung erwartet: beim Rolex Fastnet Race. Dort mussten die beiden Protagonistinnen auf der großen Bühne zeigen, was in ihnen steckt – und beide haben eindrücklich geliefert. Sieg in der Gesamtwertung (IRC Overall) für die JPK 10.50, Rang drei für die Pogo RC. Und das in einer Konkurrenz von immerhin 380 Booten. Dies ist mehr als ein Achtungserfolg, vielmehr ein klarer Beleg für das enorme Leistungspotenzial beider Entwürfe.

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Mit der Pogo RC verlassen die Konstrukteure Sam Manuard und Bernard Nivelt die bekannten Pfade nicht, treiben die Entwicklung aber konsequent weiter. Auffälligstes Merkmal des Designs ist der voluminöse, fast schon wulstartige Bug. Die markante Formensprache ist unter anderem von den spektakulären Hochsee-Racern der Klasse IMOCA oder von den jüngsten Entwicklungen bei den Rennyachten der attraktiven Class 40 bekannt. Die fette Front soll in erster Linie den Auftrieb des breiten Hecks kompensieren, für eine ausgeglichenere Schwimmlage sorgen und beim An­gleiten helfen.

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Auch unter Wasser zeigt die Pogo RC konstruktiv eine klare Kante. Der Kiel ist jetzt wieder in klassischer T-Form mit Bleibombe ausgeführt. Dazu kommen zwei am Heck angehängte Ruderblätter.


​Mehr Kontrolle und Sicherheit durch angehängte Ruderblätter

Die Steuerung mit den zwei Ruderblättern ist aufwendig und hochwertig ausgeführt.Foto: Michael GoodDie Steuerung mit den zwei Ruderblättern ist aufwendig und hochwertig ausgeführt.

Am Heck angehängte, aufholbare Ruderblätter sind in der Welt der Hochsee- Regattayachten keine Neuheit. In den Klassen IMOCA und Class 40 haben sie sich längst bewährt. Bei Serienyachten allerdings taucht das Konzept erst seit Kurzem auf, namentlich bei der JPK 10.50 und der Pogo RC aus der Bretagne. Die Lösung ist technisch und konstruktiv aufwendig, verlangt der Crew zusätzliche Handgriffe ab und treibt auch die Kosten nach oben. Dennoch sprechen die Vorteile für sich. Das wichtigste Argument dafür ist die Sicherheit. Die außen am Heck montierten Ruderblätter können bei einer Kollision nach oben wegklappen. Dafür ist im System eine Sollbruchstelle vorgesehen. Damit ist das Risiko schwerer Strukturschäden nach einem Zusammenstoß nahezu eliminiert. Auch der ungeliebte Beifang aus Plastikbeuteln, Seegras oder Leinen lässt sich leichter entfernen.

Hinzu kommt das Plus bei den Segeleigenschaften und der Performance. Mit nur einem Ruderblatt im Wasser reagiert das Boot deutlich direkter, lebhafter und präziser. Und: Das hochgeklappte Ruderblatt verursacht keinen zusätzlichen Widerstand. Bei der Pogo RC werden die Ruderblätter mit Schotzügen und Taljen aufgeholt, abgesenkt und unten arretiert. Im Test funktionierte das Handling prima. In der Praxis wird das luvseitige Blatt bei leichten bis mittleren Windstärken hochgeholt. Bei viel Wind bleiben für maximale Kontrolle beide Flossen unten.


Freie Wahl bei Rigg und Segelgarderobe

Auf der Pogo RC steht das Rigg zudem auffällig weit achtern und wird mit viel Mastfall gestellt. Der Grund dafür: Durch die ungewöhnliche Volumen­verteilung des Rumpfs muss der Segeldruckpunkt weit nach hinten gebracht werden. Entsprechend sieht der Segelplan ein hohes und schlankes Groß­-segel vor, dafür ist das J-Maß länger, was größere Vorsegel erlaubt. Der französische Hersteller AG+ liefert den Mast aus Kohlefaser mit einem Paar Salinge und Wanten aus Dyform sowie den ebenfalls aus Carbon gebauten Großbaum. Wer möchte, kann sich aber auch für einen Mast einer anderen Marke entscheiden, ebenso wäre ein Rigg mit zwei Salingen machbar. Der Kunde hat hier freie Wahl, genauso wie bei der Zusammenstellung der Segelgarderobe.

Die Pogo RC auf dem Wasser

Für den YACHT-Test in der Breta­gne hätten die Bedingungen nicht besser sein können. Sonne, dazu zwischen 12 und 15 Knoten Wind sowie eine Welle, die man mit einem schnellen Schiff wie der Pogo RC wunderbar abreiten kann. Mit ihrem fülligen Bug und dem flachen Unterwasserschiff kommt die sportliche Französin leicht und schnell ins Gleiten. In den knackigen Böen und mit dem A2-Gennaker stehen dann bald mal 12 Knoten Speed und mehr auf der Logge.

Das Schiff bei diesen Bedingungen raumschots mit Gennaker zu steuern, ist schlichtweg großartig. Es lässt sich mit der Pinne sehr kontrolliert und leicht an der Kante lenken, reagiert unmittelbar und äußerst lebhaft, manchmal sogar fast brachial. Nimmt man das Ruderblatt auf der Luv-Seite hoch, verstärkt sich der gute Eindruck nochmals erheblich. Dann lässt sich das Boot ähnlich wie eine Jolle mit viel Gefühl und nach Druck nach Lee dirigieren. Auch in den heftigsten Böen und bei
relativ viel Krängung bleibt die Pogo dabei immer beherrschbar, auch ohne viel Kraftaufwand an der Pinne.

Auf der Kreuz gegen den Wind reduziert sich der Spaßfaktor dann aber doch empfindlich. Der wulstige Bug kommt mit den anlaufenden Wellen nicht so richtig gut klar, und das Boot setzt oft unangenehm hart ein, im Cockpit wird es zwischenzeitlich auch mal richtig nass. Trotz der gefühlten Bremswirkung in der Welle überrascht die Pogo RC mit einem guten Leistungspotenzial. 6,9 Knoten erreicht
das Schiff mit vollem Großsegel und Genua J2 auf einem gesegelten Winkel von etwa 40 Grad zum wahren Wind.

​Erreichbarkeit, Handling und Sicherheit

Das Layout im Cockpit ist darauf ausgelegt, den Racer mit einer Mannschaft von vier oder fünf Leuten zu segeln. Mit der offenen Anordnung im Cockpit und dank Steuerung mit Pinne ist das Handling aber auch für Ein- oder Zweihandsegler problemlos. Die Planer bei Pogo Structures haben diesbezüglich sehr gute und funktionierende Kompromisse gefunden und dabei auf ihren großen Erfahrungsschatz im Bau von leistungsstarken Hochsee-Rennyachten zurückgreifen können.

Bezüglich der Ausstattung weiß die Werft, worum es geht: gute Erreichbarkeit, kraftsparendes Handling und Sicherheit für ein anspruchsvolles Rennen abseits der Küste. Auf der Pogo RC sind sämtliche Funktionen kompromisslos auf diese Anforderungen hin ausgerichtet. Dafür stehen überdies auch die hochwertige Hardware sowie ein Top-Tauwerk mit Dyneema-Kernen.

Mit ihren vielen, perfekt umgesetzten Trimmeinrichtungen lässt sich das volle Leistungspotenzial der Pogo RC gezielt abrufen. Die Holepunkte der kurz überlappenden Genua sind über drei Dimensionen (Downhaul, Outhaul, Inhaul) und dank zusätzlicher Feinverstellungen leichtgängig und auch unter Druck jederzeit bestens einstellbar. Allerdings muss man wissen, woran zu ziehen ist.

​Von Gemütlichkeit keine Spur unter Deck

Unter Deck der Pogo RC dominiert die schiere Funktionalität. Immerhin könnten zwei Personen im Vorschiff einigermaßen bequem schlafen. Zusätzliche Rohrkojen mit Leesegeln stehen achtern zur Verfügung. Minimale Touren­tauglichkeit bieten zwei Pantrymodule am Niedergang mit Kocher und Spülbecken sowie ein WC, welches offen und ohne Abtrennung ins Vorschiff eingebaut ist. Diese Annehmlichkeiten entsprechen allerdings weniger einem Anspruch zum Cruisen als vielmehr einer Vorgabe vonseiten der Vermessungssysteme.

Die Pogo RC kostet als Standardboot ab Werft rund 264.300 Euro brutto. Das ist für eine Segelyacht von zehn Metern Rumpflänge ziemlich viel Geld, erklärt sich aber unter anderem mit der exquisiten und kostenintensiven Ausstattung. Die JPK 10.50 bleibt als direkte Konkurrenz mit vergleichbarem Inventar auf Augenhöhe, sie kostet 267.600 Euro.


  • Grundpreis ab Werft: 264.275 €
  • Preis segelfertig: 292.130 €
  • Garantie/gegen Osmose: 5/5 Jahre

Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!


Wie bei Performance-Booten üblich, ist die Segelgarderobe dabei noch nicht mitgerechnet. Für einen regattatauglichen Komplett-Satz (Groß, zwei Genuas, zwei Gennaker, Code Zero) müssen Käufer gegen 50.000 Euro Aufpreis dazurechnen, vielleicht auch mehr. Die Elektronik mit dem Autopiloten ist im Grundpaket ebenfalls nicht enthalten. Dafür kann der Kunde ungeahnt viel Geld ausgeben, das exklusivste Paket kostet mehr als 40.000 Euro.

Pogo hat ein Boot gebaut, das wegen der Vielzahl seiner spannenden Innovationen Beachtung finden wird. Und die ersten bemerkenswerten Erfolge auf der Regattabahn versprechen jetzt noch zusätzliche Aufmerksamkeit – von potenziellen Käufern ebenso wie von einer möglicherweise neidvollen Konkurrenz.


YACHT-Bewertung der Pogo RC

​Der neue Racer von Pogo Structures kann und wird die IRC-Szene gehörigen aufmischen. Das Potenzial dafür hat die Konstruktion bereits unter Beweis gestellt.

Konstruktion und Konzept

Kompromisslose Ausrichtung

Innovative Konstruktion

Hohe Anschaffungskosten

Segelleistung und Trimm

Großes Leistungspotenzial

Aufholbare Ruderblätter

Hartes Einsetzen in der Welle

Wohnen und Ausbauqualität

Schnörkellose Funktionalität

Konsequenter Leichtbau

Innen karg und ungemütlich

Ausrüstung und Technik

Wasserballast optional

Hochwertige Ausstattung

Kein Elektromotor als Option


Die Pogo RC im Detail

Einfach und hocheffizient: Um den Durchhang des Vorstags zu kontrollieren wird der steife Carbonmast mit Back­stagen getrimmt. Eine regattaklare Segelgarderobe verfügt über zahlreiche Vorsegel.Foto: YACHTEinfach und hocheffizient: Um den Durchhang des Vorstags zu kontrollieren wird der steife Carbonmast mit Back­stagen getrimmt. Eine regattaklare Segelgarderobe verfügt über zahlreiche Vorsegel.

Technische Daten der Pogo RC

  • Konstrukteur: Manuard/Nivelt
  • CE-Entwurfskategorie: A
  • Rumpflänge: 10,26 m
  • Gesamtlänge: 11,72 m
  • Wasserlinienlänge: 8,59 m
  • Breite: 3,49 m
  • Tiefgang: 2,25 m
  • Masthöhe über WL: 16,17 m
  • Theor. Rumpfgeschwindigk.: 7,1 kn
  • Gewicht: 3,44 t
  • Ballast/-anteil: 688 kg/20 %
  • Großsegel: 40,0 m²
  • Rollgenua (106 %): 32,0 m²
  • Gennaker: 126,0 m²
  • Maschine (Yanmar): 14 kW/20 PS
  • Kraftstofftank: 40 l
  • Frischwassertanks: 2 x 20 l

​Rumpf- und Decks­bauweise

GFK-Sandwichkonstruktionen mit Schaumkern und Vinylesterharz. Alle Teile entstehen bei Pogo Structures im Vakuum-Infusionsverfahren. Kielfinne aus Guss­eisen, Kielbombe aus Blei.

Rigg und Segel

Die Standard-Spezifikationen sehen einen Mast aus Kohlefaser von Hersteller AG+ vor. Allerdings hat der Kunde freie Wahl. Wie bei Racern üblich sind die Segel im Grundpreis nicht enthalten. Ein Satz Laminatsegel von Hersteller Incidence (Groß und Genua) kostet rund 18.000 Euro.

Wasserballast

Optional kann die Pogo mit Wasserballasttanks seitlich und achtern ausgestattet werden. Der Aufpreis für alle drei Tanks (je 200 Liter Inhalt) mit den Systemen zur Befüllung und Entleerung beträgt rund 9.400 Euro.

Werft und Vertrieb

SAS Pogo Structures; 29120 Combrit (Frankreich); www.pogostructures.com

Konkurrenz hat maximales Leistungspotenzial im Fokus

​Beneteau Figaro 3

Beneteau Figaro 3.
Foto: Billy Black

Radikaler Einheitsrenner von Beneteau mit seitlich ausfahr­baren Foils. Die Figaro 3 hat sich auch international als starke Einheitsklasse für die Ein- und Zweihandszene durchgesetzt.


​Italia Yachts IY 9.98

Italia Yachts IY 9.98.
Foto: YACHT/M. Amme

​Erfolgreiches, Regattaboot, gezeichnet von ORC-Künstler Matteo Polli. Die IY 9.98 Fuoriserie hat schon zwei Weltmeistertitel geholt. Der Ausbau unter Deck ist modern und tourentauglich. Lesen Sie hier den Test.


​Jeanneau Sun Fast 3300

Jeanneau Sun Fast 3300.
Foto: YACHT/Jean-Marie Liot

Innovativer und attraktiver Serien- Racer von Jeanneau, optimiert für den Langstrecken-Einsatz mit kleiner Crew. Das spezielle Rumpfdesign entstammt der Kooperation Andrieu/Verdier. Den Test lesen Sie hier.


​Jeanneau Sun Fast 30 OD

​Jeanneau Sun Fast 30 OD.
Foto: Jean-Marie LIOT Images/Jeanneau

Innovativ geplantes One Design- Konzept von Jeanneau und Multiplast. Kompromissloser Fokus auf den Hochsee-Regattasport in der Einheitsklasse. Innen funktional und ungemütlich. Hier geht es zum Test.


​JPK 10.50

JPK 10.50.
Foto: EYOTY/Andreas Lindlahr

Sie ist die IRC-Overall-Gewinnerin des Hochseeklassikers Rolex Fastnet Race 2025 und aktuell die direkteste Konkurrentin zur Pogo RC (3. Platz). Die Konstruktion stammt von Jacques Valer. Den Test lesen Sie hier.


​J/99

J/99.
Foto: EYOTY/Rick Tomlinson

Durchdachtes und deshalb erfolgreiches Sportpaket für aktive Regattasegler von J/Boats. Stark wandelbares Boot je nach Einsatz und Vermessungssystem. Tourentauglicher Ausbau unter Deck. Den Test lesen Sie hier.


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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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