OlympiaNeue Nachwuchs-Förderinitiative stärkt Kieler Bewerbung

Tatjana Pokorny

 · 25.05.2026

Die Initiatoren der neuen Trainingsbasis für den Nachwuchs im deutschen Segelleistungssport.
Foto: Christian Beeck
​Auf Kurs Olympia: Fünf Landessegelverbände und fünf Vereine haben den Grundstein für eine gemeinsame Trainingsbasis in Kiel gelegt. Rund um das Olympiazentrum Schilksee soll eine zielorientierte Infrastruktur für Nachwuchsförderung auf Kurs zu möglichen künftigen Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland geschaffen werden.

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​Der Weg ist neu, das Ziel ist klar: Mit vereinten Kräften wollen fünf Landesverbände und fünf leistungsoriente Vereine des deutschen Segelsports auf Kurs zu möglichen Olympischen und Paralympischen Spielen 2036, 2040 oder 2044 in Deutschland eine gemeinsame Infrastruktur für Nachwuchsförderung schaffen.

Gemeinsam auf Kurs Olympia: Vertragsunterzeichnung am 22. Mai

In Deutschland läuft gerade die Kandidatenkür im nationalen Ringen um die Austragungsrechte für für Olympia und Paralympics der Zukunft. Mit Hamburg, München, Berlin und Köln-Rhein-Ruhr bewerben sich vier große Kandidaten darum, als der deutsche Herausforderer ins internationale Kandidatenrennen geschickt zu werden. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will am 26. September darüber entscheiden, welcher der vier Bewerber ins internationale Rennen geschickt wird.

In Abhängigkeit von dieser Entscheidung wird dann auch klarer, welches Segelrevier für mögliche dritte Olympische Spiele in Deutschland dabei sein kann. Hamburg und München haben sich bereits zu Kiel bekannt, Köln-Rhein-Ruhr hält sich die Entscheidung offen. Berlin geht mit Rostock-Warnemünde. Für die Kieler, die 1936 und 1972 bereits zweimal Gastgeber einer olympischen Segelregatta waren und deren Bürgervotum am 19. April pro Spiele in der eigenen Stadt ausgefallen war, gibt es jetzt zusätzlichen Rückenwind durch die neue Verbands- und Vereinsinitiative.

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Man wolle gemeinsam „Kräfte bündeln, Arbeit fokussieren, den Weg für eine Kieler Olympia-Bewerbung ebenen“, hieß es in einem Statement der Initiatoren. Gelegt ist der Grundstein für eine gemeinsame Trainingsbasis in Kiel. Es geht um den Aufbau einer Infrastruktur „für eine gezielte Nachwuchsförderung mit Blick auf die Olympischen Spiele in 20236, 2040 oder 2044“. Am 22. Mai haben die Landessegelverbände aus Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein den Grundlagenvertrag unterzeichnet.

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Fünf starke Vereine unterstützen die Initiative

Ziel sind die Ausbildung und Förderung von Nachwuchskadern (NK 1 und NK 2). Damit soll der Übergang in den Bundeskader am DSV-Bundesstützpunkt optimiert werden. In einem Boot mit den Landesverbänden sitzen bei dieser ehrgeizigen Initiative fünf leistungsstarke Vereine: der Bayerische Yacht-Club, der Blankeneser Segel-Club, der Kieler Yacht-Club, der Mühlenberger Segel-Club und der Norddeutsche Regatta Verein. Gemeinsam haben sie das als „Nachwuchsleistungssportstützpunkt Segeln“ bezeichnete Großprojekt auf den Weg gebracht.

„Dass sich die fünf Landesseglerverbände aus Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gemeinsam hinter den Segelstandort Kiel-Schilksee stellen, bekräftigt das Potenzial, das hier vorhanden ist. Mit Blick auf mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland zeigt dieser Schritt deutlich, dass an Kiel.Sailing.City kein Weg vorbeiführt“, begrüßte Kiels Bürgermeister Gerwin Stöcken die Kooperation.

Beflügelt habe die Initiative laut den Beteiligten die Erkenntnis, „dass Seglerinnen und Segler vor Kiel ideale Revierverhältnisse und Kooperationsmöglichkeiten in Vorbereitung auf höchstklassige Regatten und Meisterschaften vorfinden“. Zudem bestünde “mit dem Olympiazentrum von 1972 die infrastrukturelle Basis für Trainingslager und Regattavorbereitungen”. Diese Basis habe auch bislang schon die Kader- und Trainingsgruppen aus Landessegelverbänden nach Kiel gebracht. Doch seien die Kapazitäten des Olympiazentrums begrenzt. Hier setzt die Initiative an.

Jochen Schümanns Erinnerungen ans olympische Jugendlager

Mit der Unterzeichnung des Grundlagenvertrags wurde von allen Beteiligten das Bekenntnis für einen zu erbauenden, neuen Leistungsstützpunkt in Kiel abgegeben. Es soll auch die Unterbringung und Verpflegung junger Seglerinnen und Segler berücksichtigen. Athletik- und weitere Trainingsmöglichkeiten sind ebenso vorgesehen wie Lagermöglichkeiten für Boote und Begleitboote sowie möglicherweise eine Werkstatt und Büroräume (als Sharing-Modell).

Von ihrem gemeinsamen “Kurs Kiel” versprechen sich die Landesverbände und Vereine auch Ressourceneinsparungen. Insbesondere Schlauchboote, Trainerressourcen und Material können vor Ort gemeinsam genutzt, Transporte und Transfers eingespart werden. Die Nähe zum Bundesleistungszentrum Segeln des DSV könne sich laut Initiatoren leistungssteigernd auf den Nachwuchs auswirken und positive Synergien schaffen.

​Was Nachwuchstalenten die Nähe zu Hochleistungssportzentren und vielleicht auch wieder zu Olympischen Spielen bedeuten kann, wusste oft Jochen Schümann zu berichten, der vier Jahre vor dem Gewinn der ersten seiner drei Goldmedaillen 1976 im Finn Dinghy in Kingston während der Olympischen Spiele 1972 im olympischen Jugenlager in Kiel gewesen ist. Schümann erzählte öfter von den prägenden Erfahrungen, erinnert sich gerne an seine Zeit 1972 in Kiel, München und weiteren Orten.

Doppelziel: Bessere Ausbildung und Stärkung der Kieler Olympia-Bewerbung

Seine Erinnerung: „1972 durfte ich mit ins olympische Jugendlager fahren. Wir wurden fast wie Olympioniken behandelt, durften fast überall hin. Es war extrem beeindruckend. Die Regatta selbst war mit wenig Wind und Nebel nicht so schön, aber das Live-Erlebnis unschlagbar. Wir waren auch in München – dazwischen die halbe Bundesrepublik, die man mitgesehen hat. Ich habe als kleiner Ossi die große Welt offener gesehen, als je vorstellbar. Und plötzlich war ich ein Teil von ihr.“

„Es ist eine Lehre aus der Beobachtung anderer erfolgreicher Nationen und den vergangenen Olympischen Spielen, dass die Leistungsförderung der Talente früh und gezielt angesetzt werden muss. Wir müssen unter den Landessegelverbänden noch enger zusammenarbeiten“, sagt dazu Jan-Dirk Tenge, der Vorsitzende des Segler-Verbandes Schleswig-Holstein.

Im Grundlagenvertrag ist festgehalten: „Wir verfolgen als strategische Ziele damit primär, die gezielte Ausbildung und Förderung von Nachwuchskadern an einem zentralen Standort, um den Übergang in den Bundeskader am DSV-Bundesstützpunkt zu optimieren. Mit der Auswahl von Kiel-Schilksee als Trainingsstätte erklären wir zudem unsere gemeinsame Unterstützung der Landeshauptstadt Kiel für ihre Bewerbung um die Ausrichtung der Segelwettbewerbe für Olympische Spiele in Deutschland 2036, 2040 oder 2044.“

Erster Baustein: das Olympische Jugenddorf von 1972

Erster Baustein des Gemeinschaftsprojekts ist die Kooperation mit dem Verein Kieler Jugenderholung zur Beherbergung von Trainingsgruppen im ehemaligen Olympischen Jugenddorf von 1972 am Falckensteiner Strand. Aktuell wird das rund drei Kilometer von Schilksee entfernte ehemalige Olympische Jugenddorf aufwendig in zwei Bauabschnitten saniert. Es ist geplant, im ersten Abschnitt 17 Zeltdachhäuser in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen. Von Voll- bis Selbstverpflegung soll dort alles möglich sein.

Mit der Taufe eines neuen Coachbootes dokumentierte der Segler-Verband Schleswig-Holstein (SVSH) gerade seine Ambitionen, die Infrastruktur für das Training der Kader auf ein neues Niveau zu heben. Der SVSH hat das sechs Meter lange und 100 PS starke Motorboot gemeinsam mit dem Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV) beschafft. LSV-Präsidentin Barbara Ostmeier taufte das Boot und sagte mit Blick auf die Großoffensive: „Das ist ein starkes Bekenntnis auch für Olympia. Jetzt gilt es, bis zur endgültigen Entscheidung, mit welcher Segelstadt Deutschland in das Rennen um die Austragung der Olympischen Spiele gehen wird, weiter alle Kräfte für Kiel zu mobilisieren.“

Fünf Landessegelverbände und fünf leistungsorientierte Vereine bündeln ihre Kräfte – und das hier in Kiel-Schilksee, dem Herz des deutschen Segelsports. Kiel-Schilksee verbindet olympisches Erbe mit olympischer Zukunft.“ Barbara Ostmeier

Zwei weitere Trainerboote werden zur Kieler Woche getauft. Diese Anschaffung ist nur durch die Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein möglich geworden, das hinter der Idee des „Nachwuchsleistungssportstützpunkt Segeln“ in Kiel stellt.

Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke sagte: „Der Kieler Bundesstützpunkt Segeln ist nicht ohne Grund der einzige in ganz Deutschland. Hier finden die Seglerinnen und Segler die besten Bedingungen, um sich optimal auf Europa- und Weltmeisterschaften und auf Olympische und Paralympische Spiele vorzubereiten. Wenn die größten Seglerverbände innerhalb des Deutschen Segler-Verbandes sich jetzt in Kiel zusammenschließen, um hier gemeinsam den Nachwuchs auszubilden, so ist das ein starkes Zeichen für die herausragende Kompetenz des Kieler Standortes.“ Magdalena Finke

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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