Liebe Leserinnen und Leser,
Am kommenden Dienstag endet die „Early Entry Fee“ für die Kieler Woche und die Young Europeans Sailing. Ab dann steigt das Meldegeld für alle Klassen erheblich. Warum ist es überhaupt nötig, dass selbst die Veranstalter eines der größten Segelsportereignisse der Welt die Segler mit günstigeren Meldegeldern locken?
Die Antwort ist einfach: Auch Profis brauchen Planungssicherheiten. Wenn die „Early Entry Fee“ ihren Zweck erfüllt, wissen die Veranstalter, mit wie vielen Startern sie zu rechnen haben. Natürlich ist ihnen aus langer Erfahrung bewusst, dass aufgrund von Krankheit oder weil das Boot nicht einsatzbereit ist, sich trotzdem noch Teilnehmer abmelden und dafür ein paar Kurzentschlossene dazukommen werden. Dennoch empfinde ich es als Unart, erst am Donnerstag festzulegen, ob das Kind auf eine Optimisten-Regatta nach Kiel oder an den Starnberger See fährt. Leider spiegelt dieses Verhalten ein großes Problem unserer Gesellschaft wider: das schwindende Gefühl für Verbindlichkeit.
Eigentlich ist unser Segelsport hier eine Ausnahme: Sobald wir mit mehreren Leuten an Bord sind, hat jeder seine Aufgaben und Pflichten. Werden die nicht ordnungsgemäß erfüllt, führt das immer dazu, dass etwas nicht nach Plan läuft. Das gilt für den Fahrten- wie auch den Regattabereich: Zieht ein Crewmitglied nicht rechtzeitig zur Wache auf, so verliert derjenige Zeit, der auf ihn wartet und später zu seiner eigenen Wache wieder pünktlich ist. Wenn sich ein Teammitglied auf der Regattabahn nicht an die einstudierten Abläufe hält, kann ein ganzes Manöver scheitern, die Crew nasse Füße bekommen oder gar ein Materialschaden entstehen.
Eingespielte Crews haben auf der Regattabahn ein ausgeklügeltes „Playbook“, wer von ihnen an Bord zu welchem Zeitpunkt was macht. Warum also nicht auch zu Saisonbeginn eine genaue Planung aufstellen, zu welchem Zeitpunkt welche Rennen gefahren werden.
Die, die am meisten unter dieser kurzfristigen Kultur leiden, sind in erster Linie die vielen ehrenamtlichen Ausrichter verschiedener „Feld, Wald und Wiesen“-Regatten. Den Ehrenamtlern vergeht mit Sicherheit der Spaß, wenn wegen der Windvorhersage keiner kommt. Vor allem in den zahlreichen kleiner strukturierten Vereinen ist die Ausrichtung der Regatta eines der Highlights des Jahres. Wenn dann keine Meldungen, oder in letzter Minute viele Absagen kommen, weil die Segler (oder noch schlimmer, deren Eltern) sich nicht zutrauen, bei dem angekündigten Wind aufs Wasser zu gehen, ist die Enttäuschung groß.
Dabei ist selbst bei widrigen Bedingungen zu beobachten, dass dennoch die Besten ganz vorn sind. Die Segler sollten also so viel sportlichen Ehrgeiz besitzen, trotzdem zu den zugesagten Terminen an der Startlinie zu erscheinen.
Es ist meiner Meinung nach Teil unserer Disziplin, aus den Bedingungen, wie sie gegeben sind, das Beste zu machen. Das ist nicht nur auf die feldtaktische Position an der Startlinie, sondern auch auf den Umgang mit der Windvorhersage zu beziehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns alle an die eigene Nase fassen, für jedes Wochenende auch nur zu einer Veranstaltung melden und nicht am letzten Tag, bevor bezahlt werden muss, die anderen absagen. Frühzeitige, verbindliche Meldungen geben dem Veranstalter Planungssicherheit. Bleiben Sie aus, hat er noch rechtzeitig die Möglichkeit, auf einen anderen Termin zu wechseln.
Dann steht vielen schönen Regatta-Wochenenden nichts mehr im Wege, ich wünsche Ihnen viel Freude unabhängig, ob Sie als Segler, Wettfahrtleitung, Schiedsrichter, Jury oder ehrenamtliche Helfer aktiv werden!
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