YACHT
· 27.09.2025
Liebe Leserinnen und Leser,
dieser Tage wird viel darüber gesprochen, inwiefern Begriffe noch zeitgemäß sind. Mit einiger Verzögerung hat der Sturm auch Wörter oder Redewendungen aus dem Segelkosmos erreicht. Einige gelten in der „Lingua Nautica“ als unumstößlich. Als wären sie in Blei gegossen und im Langkiel einer Kreuzeryacht versenkt, die sich stur gegen den Strom der Veränderung vorankämpft. Unerschütterlich, nicht unangenehm, stets die Würde bewahrend; Gischt perlt an der glanzlackierten Holzoberfläche ab. Tradition hat immer auch mit Pflege zu tun.
An dieser Stelle soll nicht der Fall „Mensch über Bord“ beleuchtet werden; eine TV-Dokumentation über Daniel Küblböck (ARD-Mediathek) hat das Thema und die meiner Meinung nach zu Recht neue Schreibweise ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Nein, lassen Sie uns beim Materiellen bleiben. Es geht um den Kern, das Boot, das uns trägt und fortbewegt. Wir sagen Yacht, DIE Yacht. Ein Wort, das Assoziationen weckt. Von Eleganz und Schönheit. Es hat einen Grund, warum die Schreibweise „Jacht“ nicht den Weg in die Segelwelt gefunden hat – obwohl vom Duden vorgegeben und der runde Anfangsbuchstabe doch eher zu den ursprünglich weichen Linien von Segel passt. Zum einen halten wir als Magazin uns an das Original, schon 1904 zierte den Titel der ersten Ausgabe der Logoschriftzug „Die Yacht“ (damals noch mit Artikel).
Zum anderen halten wir aus Gewohnheit an dem aus dem Englischen entlehnten Original fest. Oder etwa nicht? Es stellt sich vielmehr die Frage, ob der weibliche Artikel überhaupt noch zu den zeitgenössischen Rissen passt. Die maskuline Formensprache hat in Performance- wie Cruiser-Formaten nicht mehr nur Einzug gehalten, sie überwiegt. Es dominieren Kanten, schnurgerade Deckssprünge, lotrechte Steven und Umrisse so ausladend, dass sie zwar formstabil sind, aber unförmig aussehen – in den Augen einiger Betrachter. Vielleicht sollte man Gleichberechtigung als Grund anführen, denn den Modellbezeichnungen von Katamaranen wird bereits der männliche Artikel vorangestellt.
Oder man lässt Otto Protzen, einst des Kaisers liebster Sportsmann an Ruder und Schot, eine Begründung für die Weiblichkeit von segelnden Untersätzen liefern: „Dass Boote weiblichen Geschlechts sind, ist leicht zu merken. Weil ewig an ihnen geputzt werden muss, weil sie viel Geld kosten, immer gut behandelt werden wollen, oft ihre Launen haben und sehr schwer wieder loszuwerden sind, wenn man sie mal hat.“
Der Berliner dominierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Szene der Sonderklasse-Yachten, flachbordige Kielboote für drei Gentleman-Segler dies- und jenseits des Atlantiks. Er war ebenso Landschaftsmaler, Schöpfer schöner Risse und Autor. Protzens Prosa entpuppt ihn als großen Freund maritimer Begrifflichkeiten, die es lohnt wieder auszugraben. Seine maritimen Memoiren „40 Jahre auf dem Wasser“ sind unbedingt lesenswert, zudem gibt es eine Ausstellung über Preußens Ausnahmesegler in seinem Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) zu bestaunen.
Sören Gehlhaus
YACHT-Redakteur
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