Auf den ersten Blick wirken Motorlager unscheinbar, im Motorraum gibt es deutlich spannendere Bauteile. Die Füße aus Metall und Gummi tragen den Motor – das war’s. Doch die Anforderungen sind komplex und stehen teilweise im Widerspruch zueinander. Motorlager müssen drei Hauptaufgaben gleichzeitig erfüllen. Erstens: Die Maschine sicher halten. Das klingt banal, ist aber bei den Kräften an Bord keine Kleinigkeit. Der Motor wiegt je nach Typ zwischen 80 und mehreren Hundert Kilogramm. Bei Seegang wirken zusätzlich Beschleunigungskräfte auf die Lager. Die Befestigung muss daher absolut zuverlässig sein.
Zweitens müssen die Lager die Vortriebskraft übertragen. Beim Fahren unter Motor wird das gesamte Boot vom Propeller geschoben. Diese Kraft läuft über die Welle, das Getriebe, den Motor und schließlich über die Motorlager in den Rumpf. Beim Vorwärtsfahren drückt der Propeller, beim Rückwärtsfahren zieht er. Die Motorlager müssen diese Kräfte in beide Richtungen aufnehmen und ins Fundament leiten. Würden die Lager zu weich nachgeben, ginge Energie verloren – das Boot würde langsamer beschleunigen und der Motor müsste härter arbeiten. Jedes Nachgeben bedeutet einen Energieverlust, der sich in verminderter Geschwindigkeit und höherem Verbrauch niederschlägt.
Drittens sollen die Lager aber nicht starr sein, sondern Schwingungen der Maschine abfangen. Ein laufender Dieselmotor vibriert erheblich – vor allem bei niedrigen Drehzahlen. Ohne die Dämpfung würden sich diese Vibrationen auf den gesamten Rumpf übertragen. Die Folge wären lautes Brummen im ganzen Boot, Klappern von Schränken und Geschirr, erhöhter Verschleiß an allen Verbindungen. Die Gummipuffer in den Motorlagern sollen diese Schwingungen schlucken und verhindern, dass der Rumpf zur Resonanzkammer wird. Diese drei Anforderungen stehen in einem Spannungsverhältnis. Harte Lager übertragen Kraft effizient, dämpfen aber kaum. Weiche Lager dämpfen gut, geben aber zu viel nach und verschwenden Energie. Der Gummi muss daher die richtige Elastizität haben – abgestimmt auf Motorgewicht, Leistung und Drehmoment. Deshalb gibt es keine universelle Lösung, sondern Hersteller geben für jeden Motor spezifische Lager vor. Die richtige Auswahl ist entscheidend: Zu harte Lager führen zu Vibrationen und Lärm, zu weiche Lager zu Energieverlust und übermäßiger Bewegung der Maschine.
Damit der Antrieb zuverlässig funktioniert, müssen auch die Motorlager gewartet werden. Schwingelemente sind Verschleißteile. Der Gummi altert durch mechanische Belastung, Wärme, Diesel- und Motoröl sowie durch Salzwasser, wenn es ein Leck in der Kühlwasserpumpe gibt. Mit der Zeit verliert er seine Elastizität, wird spröde oder reißt. Das Erkennen von Verschleiß ist wichtig, um größere Schäden zu vermeiden. Sichtbare Schäden am Gummi sind das offensichtlichste Warnsignal: Risse, Brüche oder Abplatzungen im Material, aber auch Verformungen – wenn der Gummi dauerhaft zusammengedrückt aussieht – deuten auf Verschleiß hin. Bei der Sichtkontrolle sollte man alle Seiten der Lager inspizieren, auch die Unterseite, was manchmal einen Spiegel oder eine Taschenlampe erfordert.
Die Gummielemente sind auf Metallplatten vulkanisiert, die auf das Motorfundament geschraubt werden. Wenn diese Metallteile korrodieren, verliert die Verbindung an Festigkeit. Rostige Schrauben oder durchgerostete Lagerplatten sind gefährlich – im schlimmsten Fall kann das Lager abreißen. Ebenso kritisch ist chemischer Angriff: Diesel, Motoröl oder Hydrauliköl greifen den Gummi an. Wenn Betriebsstoffe auf die Lager tropfen, quillt das Material auf oder wird weich und schmierig. Solche Lager haben ihre Dämpfungseigenschaften verloren und sollten umgehend getauscht werden, auch wenn sie rein äußerlich noch intakt erscheinen.
Nicht alle Schäden sind auf den ersten Blick sichtbar. Wenn die Maschine beim Laufen spürbar stärker vibriert als früher oder das Brummen im Boot zugenommen hat, sind oft die Lager schuld. Der Gummi hat seine Dämpfungswirkung verloren. Das lässt sich testen, indem man bei laufendem Motor vorsichtig die Hand auf verschiedene Teile des Rumpfes legt – vibriert alles stark mit, ist das ein Hinweis auf verschlissene Lager.
Übermäßige Bewegung der Maschine ist ein weiteres Alarmsignal: Bei laufendem Motor sollte die Maschine kaum wackeln. Schaukelt sie sichtbar hin und her, sind die Lager zu weich geworden oder teilweise gerissen. Im Extremfall kann ein Lager komplett abreißen – dann hängt die Maschine nur noch an den anderen drei Lagern und bewegt sich massiv. In diesem Fall sofort stoppen und reparieren, bevor weitere Schäden an Welle, Getriebe oder den verbleibenden Lagern entstehen.
Auch Geräusche geben Aufschluss über den Zustand der Lager. Klopfen oder Klacken beim Gasgeben oder Schalten deutet darauf hin, dass die Maschine zu viel Spiel hat. Möglicherweise sind die Lager durchgescheuert oder die Gewindestangen haben Spiel entwickelt. Einige Hersteller geben auch Wechselintervalle vor, die man kennen sollte. Beispielsweise empfiehlt der Hersteller Ellebogen einen Austausch nach 1.000 Betriebsstunden oder vier Jahren. Das erscheint sehr kurz – in der Praxis halten Motorlager oft deutlich länger, besonders bei Booten, die nicht intensiv genutzt werden. Dennoch sollte man diese Angaben bei der Inspektion berücksichtigen. Wer sein Boot viel nutzt und mehrere Hundert Stunden pro Jahr mit der Maschine fährt, sollte die Lager alle fünf bis sieben Jahre kritisch prüfen. Bei Gelegenheitsnutzung können sie auch länger halten, wenn sie nicht durch Öl oder Diesel angegriffen werden. Allerdings verliert der Gummi auch bei wenig Benutzung über die Jahre seine Elastizität.
Zu den regelmäßigen Wartungsaufgaben zählt eine Sichtprüfung: Korrosion am Metall und Risse im Gummi können in größerem Umfang einen Austausch sinnvoll machen. Läuft die Maschine, zeigt sich, ob die Lager noch ausreichend Vibrationen dämpfen. Am besten verschiedene Drehzahlbereiche ausprobieren. Bewegt sich der Motor zu viel und überträgt er starke Vibrationen, ist ein Austausch unumgänglich. Die Schraubverbindungen müssen ebenfalls kontrolliert und nachgezogen werden. Idealerweise gibt es Markierungen, die anzeigen, wenn sich Verbindungen lösen. Haben sich Muttern losgeschüttelt, müssen sie festgezogen werden. Bei Maschinen mit Wellenanlage muss auch die Ausrichtung kontrolliert werden. Dazu später mehr.
Ist der Zustand der Motorlager fragwürdig, müssen sie durch neue ersetzt werden. Das geht häufig ohne den Diesel auszubauen, ist aber wegen der beengten Platzverhältnisse zum Schrauben dennoch keine einfache Aufgabe.
Vor dem Austausch müssen die richtigen Ersatzlager beschafft werden. Idealerweise verwendet man Originalteile vom Motorhersteller – Volvo Penta, Yanmar und andere bieten sie an. Allerdings sind Originalteile oft teuer, manchmal kosten sie das Doppelte oder Dreifache von Alternativen. Zulieferer wie Vetus oder Ellebogen bieten für viele gängige Motoren passende Lager zu deutlich günstigeren Preisen. Besonders Ellebogen hat sich spezialisiert: Auf der Website kann man das Motormodell eingeben und bekommt die passenden Lager angezeigt. Wichtig ist, dass die Lager exakt zum Motor passen – ein falsches Gewicht oder eine falsche Härte führen zu Problemen wie verstärkten Vibrationen oder ungleichmäßiger Lastverteilung.
Auch wenn nur ein Lager sichtbar defekt ist, sollten immer alle getauscht werden. Sind die anderen Gummis bereits gealtert, verteilt sich die Last ungleichmäßig – das neue Lager wird überlastet, die alten verschleißen schneller. Das Resultat ist, dass nach kurzer Zeit das nächste Lager ausfällt und die Arbeit wiederholt werden muss. Üblich sind vier Lager bei größeren Motoren, manchmal auch nur drei bei Maschinen mit Saildrive.
Der Motor muss so abgestützt werden, dass die Lager entlastet sind und die Maschine sicher hält. Es gibt mehrere bewährte Methoden: Man kann robuste Kanthölzer zwischen Motor und Fundament klemmen, wobei die Last möglichst nah am jeweiligen Lager abgefangen werden sollte. Der Vorteil dieser Methode ist ihre Einfachheit, der Nachteil, dass man wenig Arbeitsraum hat und das Holz beim Lösen der Schrauben im Weg sein kann. Eine bessere Methode ist oft, den Motor von oben abzufangen: Ein stabiles Kantholz wird quer über den Niedergang gelegt und der Motor mit Spanngurten wenige Millimeter angehoben. So entlastet man die Lager, ohne dass unten Holz im Weg ist. Diese Konstruktion muss allerdings sehr stabil sein – ein durchrutschender Gurt oder ein brechendes Holz kann gefährlich werden.
Entscheidend ist in jedem Fall: Immer nur ein Lager auf einmal ausbauen. Niemals alle Lager gleichzeitig lösen – sonst hängt die Maschine nur noch an der Abstützung. Das alte Lager wird durch Lösen der Befestigungsschrauben am Fundament und der Kontermutter oben auf dem Gewinde entfernt. Oft sitzen die Schrauben nach Jahren fest. Rostlöser am Vortag aufsprühen hilft. Bei der Wahl des Werkzeugs kann ein großer Verstellschlüssel den nötigen Hebel liefern. Wenig Platz kann das aber auch unmöglich machen. Dann bringt eventuell ein Schlagschrauber die nötige Kraft auf.
Bei ganz hartnäckig festsitzenden Schrauben kann Erhitzen helfen. Beim Lösen der oberen Mutter muss man darauf achten, dass die Gewindestange nicht mitdreht. Dazu mit einem zweiten Schlüssel an der Basis gegenhalten. Wenn das Lager frei ist, kann es vorsichtig herausgenommen werden. Das neue Lager wird eingesetzt und zunächst nur handfest verschraubt. Lässt sich das Lager wegen der Enge nicht einfach herausnehmen, kann die Gewindestange vorher demontiert werden. Diese Vorgehensweise muss dann auch beim Einbau des neuen Lagers angewendet werden. Die Höhe wird über die Gewindestange eingestellt – so viel herausdrehen, dass der Motor später in der richtigen Position steht. Hier ist Geduld gefragt: Man justiert grob vor, zieht an, kontrolliert die Position und korrigiert bei Bedarf nach. Wenn alle Lager gewechselt sind, werden sie nacheinander gleichmäßig festgezogen.
Bei Saildrive-Anlagen ist der Lagerwechsel relativ unkompliziert. Solange die Lager alle gleich hoch eingestellt werden und der Motor nicht schief steht, passt die Ausrichtung. Man sollte nach dem Lagerwechsel prüfen, dass der Saildrive senkrecht steht und die Maschine keine Schräglage hat, aber gravierende Ausrichtungsprobleme gibt es selten.
Bei Wellenanlagen ist der Austausch deutlich aufwendiger. Hier muss nach dem Lagerwechsel die Fluchtung zwischen Getriebe und Welle überprüft werden. Das heißt auch, dass diese Verbindung vor dem Tausch gelöst werden muss. Selbst kleine Versätze oder Winkelabweichungen führen zu erhöhtem Verschleiß an Wellenkupplung und Wellenlagern, zu Vibrationen und im schlimmsten Fall zu Getriebeschäden. Die Fluchtung wird erst grob und dann mit der Fühlerlehre geprüft. Die Kupplungshälften müssen exakt parallel zueinander stehen und dürfen keinen Versatz haben.
Weicht die Ausrichtung ab, müssen die Motorlager in Höhe und Position nachjustiert werden. Die meisten Motorlager bieten dafür Einstellmöglichkeiten: Durch Drehen der Mutter auf der Gewindestange kann die Maschine in der Höhe verstellt werden, was die häufigste Korrektur ist. Die Grundplatten haben oft ovale Bohrlöcher, sodass der Motor auch in Querrichtung verschoben werden kann. So lässt sich die Maschine in allen Raumrichtungen millimetergenau ausrichten, was für eine perfekte Fluchtung nötig ist.
Bis die Fluchtung passt, kann es mehrere Anläufe brauchen: Verstellen, prüfen und wiederholen. Dieser Prozess erfordert Geduld und Präzision. Eine falsch ausgerichtete Welle verursacht nicht nur Vibrationen und Lärm, sondern verschleißt die Wellenlager und kann zu kostspieligen Folgeschäden an Getriebe und Wellenanlage führen. Gerade bei Booten mit langen Wellen und mehreren Wellenlagern ist die korrekte Ausrichtung entscheidend für einen ruhigen Motorlauf. Die Schrauben und Muttern sollten mit Schraubensicherung gegen versehentliches Lösen gesichert werden.
Nach dem Lagerwechsel und der Fluchtung sollte man den Motor zunächst vorsichtig Probe fahren: Erst im Leerlauf laufen lassen und auf ungewöhnliche Geräusche achten, dann mit niedriger Drehzahl vorwärts und rückwärts fahren. Treten keine Vibrationen auf und läuft alles ruhig, kann man die Drehzahl langsam steigern. Nach den ersten Betriebsstunden sollte man die Befestigungsschrauben der Lager nochmals prüfen. Dazu sind Markierungen mit speziellem Lack hilfreich. Auch eine erneute Sichtkontrolle ist sinnvoll: Sitzen alle Lager plan auf, gibt es nirgendwo Spalte, sind alle Muttern fest? Diese abschließende Kontrolle gibt Sicherheit, dass alles korrekt montiert ist.
Motorlager sind unscheinbar, aber essenziell für ruhigen Motorlauf und eine lange Lebensdauer der Antriebsanlage. Eine jährliche Sichtkontrolle sollte zur Routine gehören: Risse, Verformungen, Korrosion und Verschmutzungen lassen sich so frühzeitig erkennen. Bei ersten Verschleißerscheinungen oder spätestens nach sieben bis zehn Jahren sollten die Lager getauscht werden. Wer das selbst erledigt, spart mehrere Hundert Euro Werkstattkosten und lernt sein Boot besser kennen. Bei Wellenanlagen ist die Fluchtungskontrolle allerdings anspruchsvoll – hier kann professionelle Hilfe sinnvoll sein. Waren die Einstellungen vorher gut, können vor dem Austausch der Motorlager die Maße als Richtwert genommen werden.
Mit den richtigen Ersatzlagern, sorgfältiger Arbeit und etwas Geduld gelingt der Austausch auch in beengten Maschinenräumen. Das Ergebnis sind ein ruhig laufender Motor, weniger Vibrationen im ganzen Boot und die Gewissheit, dass die Maschine sicher befestigt ist.
Die neuen Lager passen nicht auf die alten Löcher. Zudem gibt es hier einen Schaden im Motorfundament, der mindestens abgeklärt oder ausgebessert werden muss.
Die neue Position anzeichnen. Ist der Motor nicht mehr im Schiff, ist reichlich Platz zum Arbeiten vorhanden. Mit Maschine ist es schwieriger.
Viele Hersteller setzen auf Langlöcher. So können die Lager etwas in der Querrichtung justiert werden. Das ist bei Antrieben mit Welle wichtig.
Die Länge der Gewindestange entscheidet über den maximalen Verstellweg. Beliebig verlängern kann man sie nicht, da sonst auch der Hebel zu groß wird.
Das Set von Ellebogen für einen Diesel von Volvo Penta. Achtern am Saildrive ist nur ein Motorlager nötig. Setpreis: 211 Euro. Mehr Informationen: Ellebogen.com
Ein einzelner Schwingungsdämpfer für eine Maschine von Yanmar aus dem Sortiment von SVB. Preis: 200 Euro. Mehr Informationen: SVB.de
Motorlager für einen Volvo Penta MD5 des schwedischen Ausrüsters Moory. Preis: 130 Euro. Mehr Informationen: Moory.de

Redakteur Test & Technik