Es ist schon gemein: Da hat man sein Boot im Winterlager poliert und gewienert, aber kaum ist es aus der Halle, setzt sich eine fiese rotbraune Staubschicht auf allem ab. Auf Deck, auf Beschlägen, dem Rigg, Segelkleidern, Sprayhood. Die vielen Stunden liebevoller Winterarbeit scheinen für die Katz. Neben dem rein optischen Ärgernis kann dieser Staub auch zu Schäden am Boot führen, von Kratzern bis zu erhöhtem Verschleiß, wenn er nicht richtig beseitigt wird. Meistens handelt es sich bei diesem Phänomen um Saharastaub. Eigner in südlichen Gefilden, wie den Küsten von Kroatien, Italien, Frankreich oder Spanien, kennen es. Immer wieder einmal tritt es aber auch im Norden auf.
In der Sahara treten häufig Sandstürme auf, die große Mengen an Staub und Sand in die Atmosphäre wirbeln. Diese Partikel können in die höheren Schichten der Atmosphäre gelangen, wo sie von den vorherrschenden Winden erfasst werden. Die Winde transportieren diese Partikel über weite Strecken, normalerweise mit dem Passat über den Atlantik, wo der Staub in der Karibik und in Südamerika ein wichtiger Dünger ist. Bei südlichen Windlagen kann er aber bis nach Europa und Deutschland gelangen.
In den Mittelmeerregionen ist das meist bei Südwinden wie Scirocco/Jugo der Fall. Da diese oft mit Regenwetter verbunden sind, wäscht der Regen die Staubpartikel aus der Atmosphäre, am Erdboden kommt eine rotbraune Regenmatsche an, auch Blutregen genannt, im Winter Blutschnee. Seltener schafft es der Staub bis in den Ostseeraum oder nördlicher, aber bis zu 20 solcher Ereignisse können pro Jahr vorkommen. Dann wird er meist über Föhnwinde über die Alpen transportiert.
Der Saharastaub selbst stellt keine größere Gefahr dar als andere Stäube auch. Allerdings sind die Partikel sehr fein, fast mehlartig. Deshalb halten sie sich lange in der Luft und können auch an Bord in fast jeden Winkel eindringen. Während der Staub an Deck nur in erster Linie lästig ist, sieht das an anderen Stellen anders aus. In Blöcken oder Winschen etwa wirkt er wie ein feiner Schmirgelstoff und kann zu höherem Verschleiß und Schwergängigkeit führen.
Auch in Tauwerk setzt er sich gern, womit Schoten oder Fallen plötzlich auch zu so etwas wie Schmirgelleinen werden können. Während sie zuvor noch sauber über Wölbungen gelaufen sind, können sie sich an solchen Punkten plötzlich ins Gelcoat fressen.
Selbst Elektronik kann Schaden nehmen, wenn die feinen Teilchen ins Gehäuse der Anzeigen gelangen.
Wird der Staub nass, entweder, weil er mit dem Regen aus der Atmosphäre gewaschen wird oder weil es nach dessen Absetzen an Deck regnet, können sich an tieferen Stellen und Einbuchtungen an Deck Ansammlungen des Staubes bilden. Trocknen diese, bilden sie eine harte Kruste.
Ist sehr viel Staub an Deck, kann zunächst versucht werden, das Gröbste mit einem weichen Besen zu beseitigen. Doch Vorsicht: Jede mechanische Reinigung kann zu einem Schmirgeleffekt führen, schließlich bewegt man ganz feine Sandkörper über Oberflächen. Besondere Vorsicht ist an Kunststoffscheiben von Sprayhoods geboten.
Der Staub lässt sich auch gut feucht abwischen. Allerdings sollten dafür sehr weiche Tücher oder Schwämme verwendet werden, um einen Schmirgeleffekt zu vermeiden.
Am besten rückt man dem Saharastaub mit Wasser zu Leibe. Mit kräftigem Strahl aus dem Schlauch lässt sich meist schon sehr viel Staub beseitigen. Anschließend können Deck und Beschläge nochmals mit Wasser gespült werden, dem ein leichtes, umweltverträgliches Spülmittel beigegeben wurde.
Hartnäckigen Verschmutzungen kann auch mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe gerückt werden, allerdings mit sehr geringem Druck und großem Abstand, um nicht die Oberflächen des Bootes zu beschädigen.
Steht nicht ausreichend Süßwasser am Liegeplatz zur Verfügung, wie es in vielen Mittelmeerregionen vor allem in der Hochsaison der Fall ist, oder möchte man der Umwelt zuliebe nicht unnötig Süßwasser verbrauchen, muss Salzwasser reichen. Für das Abspülen gilt dasselbe wie mit Süßwasser. Mit ihm lässt sich normalerweise der Saharastaub von Deck und aus Beschlägen waschen. Allerdings sollte ganz am Ende doch einmal mit Süßwasser gespült werden, falls es nicht für das ganze Boot reicht, wenigstens die Beschläge spülen. Sonst können sich nach der Verdunstung des Wassers Salzkristalle bilden, welche gerade in mechanischen Bauteilen zu erhöhtem Verschleiß und Schwergängigkeit führen können.
Völligen Schutz würde wohl nur eine Bootshalle gegen Saharastaub bieten. Mit ein paar Maßnahmen kann man aber partiell Schutz erreichen:

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