Hauke Schmidt
· 25.02.2026
Ankerwinschen haben es schwer. Ihre exponierte Position sorgt dafür, dass sie beim Segeln die eine oder andere Seewasserdusche abbekommen oder komplett U-Boot fahren. Selbst wenn die Winsch nicht untertaucht, bringt die Kette bei jedem Ankermanöver Wasser, Seegras und Schlamm mit hoch. Besonders problematisch sind die hochgeholten Sedimente bei vertikalen Winschen. Bei diesen steht die Welle, die die Kettennuss antreibt, senkrecht im Deck. Die Schwerkraft lässt den Schmutz nach unten rutschen – genau zur Decksdurchführung und Lagerung.
Die Grundkonstruktion der Winschen ist bei allen Herstellern ähnlich. Die Überdeckeinheit besteht aus Basisplatte, Kettennuss mit Kupplung, dem Ketteneinlauf und der Lagerung für die Hauptwelle. Diese läuft durch eine Bohrung im Deck zum Antrieb. Selbst wenn die Wellendichtung versagt und Wasser ins Schiff gelangt, nimmt das Getriebe selten Schaden, da es von einer weiteren Dichtung geschützt ist. Wassertropfen an der Hauptwelle unter Deck sind aber ein Alarmsignal.
Damit der Anker auch manuell gefiert werden kann, ist die Kettennuss nicht fest mit der Antriebswelle verbunden. Stattdessen gibt es zwei kegelförmige Scheiben, eine unter und eine oberhalb der Nuss. Die Scheiben werden von der oberen Abdeckung zusammengepresst und halten die Kettennuss fest. Diese Mechanik muss gefettet werden. Wäscht sich das Fett heraus und dringen Salz und Sand ein, korrodiert der Bremsmechanismus und frisst fest.
Dieser Bereich gehört daher bei allen Herstellern zu den grundlegenden Wartungspunkten und sollte mindestens einmal im Jahr zerlegt, gespült und neu gefettet werden.
Für die übrigen Wartungsarbeiten machen nicht alle Hersteller Vorgaben. Lofrans gibt vor, die Überdeckeinheit bei intensivem Einsatz oder im Charterbetrieb alle drei Monate zu zerlegen. Einmal jährlich sind die elektrischen Anschlüsse zu prüfen. Bei nur gelegentlicher Nutzung sollen nach zwei Jahren sämtliche Dichtungen getauscht werden, damit kommt auch das Getriebe ins Spiel.
Lewmar und Quick handhaben das anders: Ihre Getriebe werden in den Wartungsvorgaben nicht erwähnt. Lofrans empfiehlt, die Winsch alle drei Jahre vom Deck zu nehmen, um Salzablagerungen in der Bodenplatte zu entfernen. Die gezeigte Wartung haben wir an einer 20 Jahre alten Lofrans Project 1000 durchgeführt, die weitestgehend mit dem aktuellen Modell X2 übereinstimmt. Bei allen Modellen sollten die spezifischen Vorgaben des Herstellers beachtet werden.
Die Hersteller bieten meist ein Wartungskit, das die nötigen Verschleißteile enthält. Der Ersatz für defekte Lager muss allerdings zusätzlich beschafft werden. Dann lohnt der Weg zum Fachhandel für Industrie und Handwerk, in der Regel sind Normteile verbaut.
Neben einem großen Schraubstock sollten zu den Seeger-Ringen passende Zangen vorhanden sein. Eine große Nuss hilft beim Ausdrücken von Lagern und Wellendichtungen, für Letztere kann auch ein simples Stück Abflussrohr hilfreich sein.
1. Kette fieren oder von der Winsch nehmen, den Einlauf abschrauben und Auswerfer und Finger entfernen.
2. Die Bremse lösen und die obere Abdeckung komplett abschrauben, damit sich die Kettennuss nach oben abnehmen …
3. … lässt. In unserem Fall saß sie so fest, dass ein Abzieher nötig war, um sie von der Welle zu trennen.
4. Kettennuss und oberer Bremskonus sind ab. Vom Fett sind nur verharzte Reste übrig, dafür wird Seegras sichtbar.
5. Auch der untere Konus sitzt fest. Um ihn mit dem Abzieher zu greifen, muss er mit einem Holzkeil angehebelt werden.
6. Auch unter dem Konus befindet sich Seegras, das sich eng um die Hauptwelle gewickelt hat.
7. Der Wellendichtring sollte getauscht werden. Um ihn nach oben ziehen zu können, muss der Sprengring aus dem Weg.
8. Eine mit Gewalt in den Dichtring gedrehte Schraube dient als Griff, um die alte Dichtung aus dem Sitz zu ziehen.
9. Die verschlissene Wellendichtung von unten. Es ist Schmutz und sogar Seegras eingedrungen. Damit dürfte auch …
10. … das Hauptlager fällig sein. Wir entscheiden uns, die Winsch komplett zu demontieren. Dazu die Elektrik …
11. … vom Motor trennen und die vier Schrauben am Decksflansch lösen. Vorsicht, der Antrieb ist schwer, man …
12. … sollte vorher eine Ablage vorbereiten und anders als wir auch vorher die Steuerleitung abklemmen.
13. Die Hauptwelle steckt im Getriebe und wird von einer Passfeder mitgenommen. Die Rostspur verrät die Leckage.
14. Da sie zur Wartung regelmäßig abgenommen werden soll, ist die Basis nicht aufgeklebt. Mit einem Holzkeil lässt …
15. … sie sich abhebeln. Unsere Winsch besitzt eine Abdeckung aus Aluminium. Sie zeigt deutliche Korrosionsspuren.
16. Unter der Aluplatte haben sich Salzablagerungen angesammelt. Sie lassen sich mit Wasser gut ablösen.
17. Die Welle sitzt im verrosteten Hauptlager fest. Es wird von einem Seeger-Ring in der Grundplatte gehalten.
18. Nachdem die Lager-Wellen-Einheit aus der Basis gedrückt ist, wird sie getrennt, Holzbeilagen schützen die Welle.
19. Noch brauchbar? Die Wellendichtung läuft über der mittleren Nut. Die Welle darf nicht stärker beschädigt sein.
20. Das neue Hauptlager wird mit etwas Fett in die Grundplatte gedrückt und mit dem Seeger-Ring gesichert.
21. Die polierte Welle einsetzen und den oberen Sicherungsring montieren, dann die neue Dichtung einfetten …
22. … und vorsichtig auffädeln und in die Grundplatte drücken. Danach die Welle inklusive Gewinde erneut fetten.
23. Die Kettennuss und die Bremskegel wurden ebenfalls gereinigt und poliert. Ihre Kontaktflächen einfetten.
24. Nachdem Abdeckung, Auswerfer und der Ketteneinlauf wieder montiert wurden, ist die Deckseinheit fertig.
Die Getriebe sind ölgefüllt und robust aufgebaut. In den Wartungsanweisungen vieler Winschen tauchen sie nicht auf. Lediglich Lofrans gibt ein Wechselintervall für die Wellendichtungen an. Zum Tausch der oberen Dichtung muss das Getriebe geöffnet und ein Lager aus- und wieder eingepresst werden. Das sollte in einer Werkstatt an Land geschehen. Dabei bietet sich ein Ölwechsel an. Viskosität und Füllmenge lassen sich auf der Website von Lofrans nachlesen.
1. Getriebe und Motor lassen sich einfach trennen, das erleichtert die Arbeit. Außerdem befinden sich dort Dichtungen.
2. Das Getriebegehäuse wird von oben geöffnet. Wenn es gerade gehalten wird, tritt dabei kein Öl aus.
3. Das Öl ist sehr zäh und läuft nur langsam aus dem Gehäuse. Die Farbe lässt vermuten, dass es nie getauscht wurde.
4. Um die Überlastkupplung zu inspizieren, müssen eine kräftige Feder gespannt und ein großer Seeger-Ring …
5. … abgenommen werden. Hier ist alles okay, die Kupplung hat schon ausgelöst, die Zähne weisen aber kaum Abrieb auf.
6. Um die obere Wellendichtung zu tauschen, muss das Lager aus dem Weg. Bei uns passte eine 32er Nuss als Hülse.
7. Die Dichtung wird mit einem 50er Abflussrohr herausgedrückt. Der Schlitz verhindert das Feststecken des Rohrs.
8. Damit der neue Wellendichtring gut ins Gehäuse rutscht, wird er von außen leicht eingefettet.
9. Mit einer passenden Holzscheibe lässt sich der Dichtring gerade ins Gehäuse drücken, anschließend folgt das Lager.
10. Die untere Wellendichtung und die an der Motorseite lassen sich von außen tauschen, siehe Schritt 8 in der oberen Anleitung.
11. Alle Dichtungen wurden getauscht und die Rutschkupplung montiert. Frisches Öl einfüllen, Gehäuse zu und fertig.

Redakteur Test & Technik