Auf modernen Yachten liefern Plotter, AIS, Echolot, Batteriemonitor und Motorinstrumente eine Vielzahl von Daten. Was fehlt, ist oft eine gemeinsame Warnlogik, die Wichtiges von Nebensächlichem trennt. Genau hier setzt Galvanic Voice an: Das System verbindet sich mit dem Bordnetz und gibt Warnungen nicht nur optisch oder per Signalton aus, sondern als Sprachansage. Voraussetzung ist ein korrekt aufgebautes NMEA-2000-Netzwerk mit angeschlossenen Gebern und Anzeigen.
Nähert sich ein AIS-Ziel, soll Galvanic Voice laut Hersteller unter anderem Peilung, Entfernung, CPA und die Zeit bis zur kleinsten Annäherung nennen. CPA steht für „Closest Point of Approach“, also den voraussichtlich geringsten Abstand zweier Fahrzeuge. Ergänzend zeigt ein 360-Grad-LED-Ring die Richtung des Ereignisses an. Auch bei geringer Wassertiefe, kritischem Batteriezustand, auffälligen Motordaten oder einem slippenden Anker soll das Gerät warnen. Gerade bei Ankerwachen ist die Idee nicht neu, doch Galvanic Works will die Information nicht nur auf einem Display oder Smartphone anzeigen. Vergleichbare Funktionen bieten etwa Apps zur Ankerwache, Galvanic Voice soll sie jedoch mit den übrigen Borddaten zusammenführen.
Für die Sprachausgabe verwendet das Gerät einen 20-Watt-Exciter, der die Frontscheibe aus Gorilla Glass 3 in Schwingung versetzt. Laut Hersteller erreicht das System mehr als 90 Dezibel Schalldruck in einem Meter Abstand. Die bündig eingebaute Glasscheibe dient zugleich als Lautsprecherfläche, LED-Anzeige und Gestensensor.
Die Warnungen gliedert Galvanic Works in vier Schweregrade: Caution, Warning, Alarm und Emergency. Die Logik orientiere sich nach Herstellerangaben an der IMO-Resolution MSC.302(87) zum Bridge Alert Management sowie an IEC 62923. Eine berührungslose Handbewegung soll zur Quittierung genügen. Bleibt ein Alarm unbeachtet, kann das System ihn automatisch hochstufen.
Zur Crew-Überwachung gehören die Galvanic-Pulse-Armbänder. Reißt das Funksignal eines Armbands über längere Zeit ab, soll Galvanic Voice einen MOB-Alarm auslösen und Richtung sowie Entfernung zur betroffenen Person ansagen. Mehrere Voice-Einheiten an Bord können ihre Meldungen untereinander abstimmen. Ein solches System ersetzt weder Rettungsweste noch Lifeline oder eingespielte MOB-Manöver. Es kann aber die Alarmierung beschleunigen, wenn ein Crewmitglied unbemerkt über Bord geht. Welche unterschiedlichen Systeme zur MOB-Ortung und Alarmierung verfügbar sind, hat die YACHT bereits zusammengestellt.
Die Armbänder sollen außerdem Wachzeiten, Ruhephasen und Ermüdung berücksichtigen. Diese Funktionen sind für längere Passagen gedacht, beruhen jedoch vollständig auf Herstellerangaben.
Die kostenlose App für iOS und Android soll Karten, AIS-Verkehr, Wetter, Ankerwache, Alarmprotokoll und Borddaten darstellen. Ist die Yacht mit dem Internet verbunden, soll auch ein Fernzugriff möglich sein. Vergleichbare Lösungen bringen Instrumenten- und AIS-Daten bereits aufs Tablet, Galvanic Works will dabei ohne Abo oder In-App-Käufe auskommen.
Für den Einbau ist ein 121-Millimeter-Ausschnitt erforderlich. Die Einheit wird geklemmt und benötigt laut Hersteller keine Schrauben oder Dichtmasse. Sie ist für 12 Volt ausgelegt und nach IP67 gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt.
Galvanic Voice kostet bei Galvanic Works 950 Euro netto, das entspricht in Deutschland rund 1.130 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Zur Vorbestellung gehören zwei Pulse-Armbänder, während der Vorbestellphase sollen vier weitere ohne Aufpreis beiliegen. Die Auslieferung ist ab dem vierten Quartal 2026 angekündigt. Galvanic Voice — Mann-über-Bord-Alarm an Bord | Galvanic Works

Redakteur Test & Technik
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