OneSailsZwei Gennaker stehen stabiler als ein Spinnaker

Michael Rinck

 · 04.06.2026

Das IFS Multi Tradewind Sail von OneSails beim Test in der Neustädter Bucht.
OneSails hat mit dem IFS Multi Tradewind ein doppeltes Rollsegel entwickelt, das ruhig steht und kaum Aufmerksamkeit braucht. Wir konnten das spezielle Vorwindsegel probesegeln. Dabei zeigte sich, dass das IFS Multi Tradewind auch auf Kurzstrecken punktet.

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Das IFS Multi Tradewind ist auf den ersten Blick ein normales Rollsegel. Es besteht im Prinzip aus zwei Code Zeros oder sehr flach geschnittenen Gennakern, die übereinander liegen. Beim Ausrollen von der mittigen Rollanlage spannen sich beide Segelhälften gleichzeitig auf – eine nach Steuerbord, eine nach Backbord. Das Ergebnis: ein symmetrisches Vorwindsegel, das wie ein Spinnaker funktioniert, aber deutlich stabiler steht.

Der Unterschied zum klassischen Spinnaker liegt in der mittigen Fixierung. Während ein Spi nur am Kopf, Achterholer und Schot gehalten wird und entsprechend viel Bewegungsfreiheit hat, ist das Multi Tradewind von OneSails über die gesamte Länge der Rollanlage fixiert. Das macht das Segel deutlich ruhiger und verhindert das typische Wabbeln und Geigen eines Spinnakers.

M-förmiges Profil für stabilen Stand

Die Schoten werden beim Multi Tradewind wie bei Spi oder Gennaker geführt. Der Unterschied ist, dass sie recht weit gefiert werden. Dadurch entsteht eine charakteristische M-Form, wenn man von unten ins Segel blickt: Beide Segel wölben sich zwischen Schothorn und Rollanlage nach vorne. Diese Geometrie ist entscheidend für den stabilen Stand des Segels.

Der Einsatzbereich liegt bei etwa 180 Grad Windeinfallswinkel, plus minus 30 Grad. Das bedeutet: Das Segel von OneSails funktioniert in einem Bereich von rund 60 Grad – von sehr raumen Kursen bis zum direkten Vorwindkurs. Und das ohne aktives Trimmen. Einmal eingestellt, werden die Schoten tatsächlich nicht mehr angefasst.

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Trimm: Einfacher als beim Spinnaker

Beim Kursändern muss man die Schoten etwas mitführen, aber der Aufwand ist überschaubar. Luvt man an, fiert man die Schot auf der Luvseite etwas, während man die Schot auf der Leeseite dichter holt. So dreht man das gesamte Segel sozusagen mit und hält es zum Wind ausgerichtet. Im ersten Moment scheint es nicht intuitiv, die Luvseite zu fieren. Luvt man zu weit, kann das Achterliek in Luv leicht einfallen, dennoch bleibt das Segel in seiner Gesamtheit sehr stabil. Und selbst wenn es bei zu spitzen Winkeln etwas einfällt, flattert oder verhakt sich nichts. Kein Choas wie bei einem vergeigten Spimanöver.

Selbst wenn das Segel etwas hin und her wabbelt, bleibt es extrem stabil – deutlich stabiler als ein klassischer Spinnaker. Genau das ist der große Vorteil für Langfahrtsegler: Das Segel braucht kaum Aufmerksamkeit. Man muss nicht ständig am Trimm arbeiten, nicht bei jeder Böe eingreifen. Das Multi Tradewind steht und erzeugt Vortrieb.

Für Passagen konzipiert – der Name ist Programm

Der Name "Tradewind" – englisch für Passat – verrät die Zielgruppe und den Einsatzzweck. Dieses Segel ist für lange Vorwindpassagen entwickelt, für Ozeanüberquerungen in den Passatzonen, für tagelange Etappen mit stetigem Wind von achtern. Genau dort, wo ein Spinnaker zur Dauerbelastung für die Crew wird, soll das Multi Tradewind seine Stärken ausspielen.

Man rollt es aus, trimmt es einmal ein, und das wars. Stundenlang, tagelang. Die Crew kann sich anderen Dingen widmen, schlafen, kochen, navigieren. Das Segel arbeitet zuverlässig im Hintergrund. Für Shorthanded-Crews ist das ein gewaltiger Vorteil.

Beim Test zeigte sich aber, dass es auch auf kürzeren Strecken Vorteile haben kann. Besonders mit wenig Crew oder Kindern an Bord, kann das einfache Handling den Unterschied machen.

Bergen: Druck rausnehmen und aufrollen

Das Bergen ist denkbar einfach, ein weiterer großer Vorteil gegenüber dem Spinnaker. Man fiert beide Schoten sehr weit auf, dadurch geht der Druck aus dem Segel. Das Multi Tradewind öffnet sich im Achterliek etwas, flattert aber nicht, und dann kann man es mit der Rollanlage einfach aufwickeln. Kein Kampf mit einem kollabierenden Spinnaker, kein Risiko eines Sanduhr-Effekts, kein hektisches Segel-Einholen bei auffrischendem Wind.

Selbst unerfahrene Crew-Mitglieder können das Multi Tradewind problemlos bergen. Das macht das Segel ideal für Familien-Crews oder gemischte Mannschaften mit unterschiedlichen Segelerfahrungen.

Auch für spitzere Kurse nutzbar

Interessanterweise kann man das Multi Tradewind auch auf spitzeren Kursen fahren – allerdings mit einer anderen Konfiguration. Dann segelt man beide Gennaker-Hälften übereinander liegend, also quasi als doppellagiges Segel auf einer Seite.

Dafür muss einmal umgeschotet werden: Die Schot, die in Lee wäre, wird abgeschlagen. Die eigentliche Arbeitsschot wird dann durch beide Schothörner geführt, damit der Druck gleichmäßig auf beide Segelhälften verteilt wird. Das ist etwas aufwendiger als der normale Einsatz vorm Wind, soll aber den Einsatzbereich des Segels deutlich erweitern.

IFS – Integrated Furling Structure von OneSails

Ein technisches Highlight ist das IFS-System, das dem Segel seinen Namen gibt. IFS steht für "Integrated Furling Structure" – integrierte Roll-Struktur. Dabei sind spezielle Fasern im Vorliek des Segels eingearbeitet, die die Lasten und das Moment beim Rollen aufnehmen.

Das große Plus: Man braucht kein schweres Antitorsionskabel. Bei herkömmlichen Rollgennakern ist ein solches Kabel notwendig, um die Kraft der Rollanlage auf den Topwirbel zu übertragen. Das IFS-System von OneSails übernimmt diese Funktion durch die integrierten Fasern. Das spart Gewicht und macht das Segel deutlich handlicher.

Die Technologie ist nicht neu, OneSails nutzt ein ähnliches System beim "Cableless Furling" für Gennaker. Aber die Anwendung beim Multi Tradewind ist konsequent und funktioniert einwandfrei.

Material: Nylon für Elastizität

Das Segeltuch ist aus Nylon – dem klassischen Material für Vorwindsegel. Nylon ist elastisch, robust und leicht. Es dehnt sich unter Last, was bei einem Vorwindsegel für ein Fahrtenboot erwünscht ist, weil es so die typischen Lastwechsel bei Wellengang und wechselnden Windstärken ausgleicht.

Die flache Schnittform der beiden Gennaker-Hälften relativiert sich durch die M-Form bei der Benutzung. Dann ist recht viel Bauch im Segel. Der flache Schnitt macht das Aufrollen einfacher.

Für wen ist das Multi Tradewind von OneSails geeignet?

Das OneSails IFS Multi Tradewind richtet sich klar an Fahrtensegler, die lange Strecken vor dem Wind zurücklegen. Dabei muss es aber nicht gleich eine Ozeanpassage sein, das Segel funktioniert natürlich auch super in heimischen Gewässern.

Installation und Ausrüstung

Für das Multi Tradewind braucht man:

  • Eine Rollanlage am Bug, mittig positioniert
  • Zwei Schotpunkte relativ weit achtern (deutlich weiter als für Genua oder Fock)
  • Entsprechende Schoten mit ausreichender Länge
  • Optional: Barberholer für feineres Trimmen der Schotwinkel

Die Rollanlage sollte für die Segelfläche und die zu erwartenden Lasten ausgelegt sein. OneSails gibt hier entsprechende Empfehlungen, welche Rollanlagen geeignet sind.

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Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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