Code Zero FurlerRatsche, Rollleine oder Elektroantrieb?

Michael Good

 · 26.10.2026

Code Zero und Gennaker elektrisch rollen mit der CXe-Serie von Seldén.
Foto: Hersteller
Ein Code Zero Furler soll große Segelflächen kontrolliert einrollen. Modelle mit Ratschfunktion verhindern, dass sich das Segel beim Umgreifen wieder öffnet. Auch Rollleine, Leinenführung und Stauraum entscheiden darüber, wie gut die Anlage mit kleiner Crew funktioniert.

Themen in diesem Artikel

Ein Zug an der Schot, schon steht der Code Zero. Das Einrollen ist dagegen mitunter schweißtreibend. Um das Segel um das relativ dünne Torsionskabel zu wickeln, sind viele Umdrehungen nötig. Entsprechend viele Meter Rollleine müssen durchgeholt werden. Lässt der Zug auf der Endlosleine beim Umgreifen nach, kann sich das Segel wieder öffnen. Furler mit Ratschfunktion halten die Trommel in der gewünschten Richtung fest.

​Zubehör für Code Zero und Gennaker rollen

Karver KF3.0 mit Sperre in einer Drehrichtung

yacht/100241908_0f216f22dd9c40bf7a318bc8e63e7a92Foto: Hersteller

Der KF3.0 Furler von Karver punktet mit einer Trommel aus Kevlar und Kohlefaser. Diese misst 160 Millimeter im Durchmesser und bietet eine Arbeitslast von drei Tonnen. Eine äußere Einfassung aus ABS-Kunststoff schützt den Furler. Er soll für Boote zwischen 30 und 40 Fuß geeignet sein. Die Rollleine hat einen Durchmesser von acht Millimetern. Der KF3.0 ist mit einer Ratschfunktion ausgestattet. Diese sichert in einer Drehrichtung das Tuch vor dem ungewollten Abwickeln. Der Pin, der die Drehung stoppt, ist ein Verschleißteil und beim Hersteller als Ersatz erhältlich. Der Preis des Furlers beträgt 2.090 Euro. Mehr Informationen: Kohlhoff-online.de.

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Profurl schaltet die Ratsche über die Endlosleine um

yacht/100241905_1069444fd6f13e5df0f7a52019742dfeFoto: Hersteller

Profurl bietet mit dem NEX2.5V2R Speed einen kompakten Furler für Gennaker und Codes an. Neben der platzsparenden Bauweise punktet der Furler mit einer Ratschfunktion. So muss der Druck des Segels beim Einrollen nicht permanent gehalten werden und versehentliches Ausrollen soll vermieden werden. Der Clou: Die Ratsche funktioniert in beide Richtungen. Zum Umschalten reicht die gezielte Bedienung der Endlosleine, eine zusätzliche Kontrollleine ist nicht nötig. Die Trommel hat einen Durchmesser von 150 Millimetern und eine Arbeitslast von 2,5 Tonnen. Der Preis beginnt bei 1.900 Euro. Mehr Informationen: profurl.com.


Spezielle Leine für Endlosfurler

yacht/100241909_0a54424599a96c1c043c213d75d95811Foto: Hersteller

Der italienische Tauwerkshersteller Gottifredi Maffioli bietet mit der Looptech eine spezielle Leine für Endlosfurler. Der grob geflochtene Mantel besteht aus einer Fasermischung aus Technora und Polyester und soll sowohl in der Hand als auch auf dem Furler griffig sein. Der Kern besteht aus Bio Based Dyneema. Die Leine soll zudem den Vorteil bieten, dass sie sich besonders harmonisch zu einer endlosen Rollleine zusammenspleißen lässt. Sie ist in fünf Durchmessern von 8 bis 14 Millimeter erhältlich. Der Durchmesser muss zum jeweiligen Furler passen. Eine starke Verdickung an der Spleißstelle kann stören, wenn die Verbindung durch Trommel oder Führungsbeschläge läuft. Mehr Informationen: Kohlhoff-online.de.


Endlos gute Führung

yacht/100241906_d226ad7a231124b7477eff76b8414125Foto: Hersteller

Die Rollleine ist bei Furlern für Code Zero und Gennaker endlos geschoren. Entsprechend muss die Führung zwei Leinen aufnehmen. Die Leinenführungsbeschläge von Seldén können an Relingstützen mit 25 oder 30 Millimeter Durchmesser montiert werden. Der Bügel kann gedreht und der Beschlag damit geöffnet werden. So ist die Leine schnell eingeschoren. Je nach Bootslänge werden mehrere Beschläge benötigt, um Hin- und Rücklauf der Endlosleine entlang der Reling zu führen. Im Cockpit kann ein Doppelblock beide Leinen umlenken und leicht unter Spannung halten. Der Preis beträgt 86 Euro pro Stück. Mehr Informationen: Gotthardt-yacht.de.


Code Zero und Gennaker elektrisch rollen

yacht/100241911_03932ad59e2531c3c279a962c5c0c2b9Foto: Hersteller

Ein Zug an der Schot, schon steht der Code und per Knopfdruck ist er wieder eingerollt: So das Versprechen der CXe-Serie von Seldén. Die Schweden bieten zwei unterschiedliche Größen für Segelflächen bis 115 beziehungsweise 200 Quadratmeter an. Beide Modelle sind als Einbauvarianten, kurz TD, oder als mobile Version, kurz OD, zu haben. Die beiden Größen heißen CXe 25 und CXe 45. Die Ziffern beziehen sich auf die maximale Arbeitslast in Kilonewton.

Die Furler arbeiten mit dem Seldén-eigenen Bussystem, dessen Systemspannung bei 42 Volt liegt. Dadurch sind die Kabelquerschnitte sehr gering. Außerdem arbeiten die bürstenlosen Motoren in zwei Geschwindigkeitsstufen und können bis zu 500 Umdrehungen pro Minute erreichen. Der Hersteller nennt eine Einrollzeit von etwa zehn Sekunden. Der Vorteil des schnellen Manövers soll auch die kurze Dauer sein, in der das Segel killt. So wird mit dem zügigen Manöver das Material geschont.

Das kleinste Modell kostet etwa 4.000 Euro. Für die Ansteuerung ist eine Grundausstattung mit dem SEL-Bus nötig. Daher summieren sich die Anschaffungskosten auf deutlich über 6.000 Euro. Mit dem optionalen Halswirbel sind die Anlagen auch als Top-down-Furler nutzbar. Die CXe-Furler sollen sich laut Hersteller besonders anbieten, um bestehende manuelle CX-Furler gegen die elektrische Variante zu tauschen. Mehr Informationen: Gotthardt-yacht.de.

Welche Unterschiede zwischen den elektrischen Anlagen von Seldén, Profurl und Facnor bestehen, zeigt der Vergleich elektrischer Furler für Code Zero und Gennaker im Detail.

Trotz elektrischen Antriebs bleibt die Vorbereitung des Manövers bleibt gleich. Vor dem Einrollen muss der Druck aus dem Segel genommen werden. Die Schot wird kontrolliert gefiert und der Code Zero muss frei vom Vorstag und den übrigen Teilen des Riggs rollen können. Ein blockiertes Segel wird nicht dadurch weniger zum Problem, dass der Furler elektrisch arbeitet. Im Gegenteil: Der Motor kann hohe Kräfte auf ein verklemmtes Segel oder Torsionskabel übertragen.


Deckbag statt sperrigem Segel unter Deck

Der spezielle Segelsack ist für den längeren Verbleib auf dem Vorschiff optimiert.
Foto: Hersteller

Ein Spinnakersack lässt sich eventuell noch etwas zusammendrücken und in den Stauraum unter der Koje quetschen. Bei einem Code Zero oder Gennaker auf einer Rollanlage wird das aber schon schwierig. Das Anti-Torsionskabel des Top-down-Furlers macht das ganze Set-up sehr sperrig. Je nach Platzangebot unter Deck kann der Segelsack dann schon den größten Teil der Achterkammer oder eine ganze Salonbank blockieren. Wird mit größerer Crew gesegelt und werden alle Kojen gebraucht oder möchte man Ordnung unter Deck, muss eine andere Staulösung her. Die einfachste bietet das Deck.

Segelmacher bauen in Form sogenannter Deckbags Vorsegelstaumöglichkeiten. Segellatten halten den Segelsack von Sail Service stabil, gesichert wird er per Gurtband. Dadurch soll das Bergen und Setzen des Raumwindsegels einfach aus dem Sack möglich sein. Mesh an der Unterseite sorgt für Drainage. Das Gennaker-Deckbag wird in fünf Größen für Segel von 30 bis 250 Quadratmeter angeboten. Der Preis reicht von 99 bis 139 Euro. Mehr Informationen: Sailservice-germany.de.

Welche Formen und Konstruktionen für verschiedene Segel geeignet sind, wird im Ratgeber zu Segelsäcken und Deckbags ausführlicher erklärt.

Ein Deckbag schafft Platz unter Deck, setzt das Segel aber Feuchtigkeit, Salz und UV-Strahlung aus. Das Tuch sollte deshalb nicht dauerhaft nass im Sack liegen.

Ratsche, Leinenführung oder Elektroantrieb?

Ein manueller Furler mit Rücklaufsperre erleichtert das Einrollen, ohne zusätzliche Elektrik, Steuergeräte oder Steckverbindungen zu verlangen.

Eine gute Rollleine und deren Führung sind dabei keine Nebensache. Rutscht die Leine in der Trommel oder liegt sie in losen Schlaufen an Deck, hilft auch ein hochwertiger Furler nur begrenzt.

Elektrische Anlagen spielen ihre Vorteile bei großen Segelflächen aus. Sie verringern den körperlichen Kraftaufwand, kosten aber deutlich mehr und machen das Manöver von Stromversorgung und Steuerung abhängig.

Wie Fall, Schot und Furler beim Manöver zusammenspielen, wird im Praxisartikel zum Handling des Code Zero Schritt für Schritt erklärt.


Ratsche oder Knopfdruck: Wie viel Technik braucht Ihr Code Zero? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare.

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Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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