ElektronikEiner für alle, Pitufino-Gateway vernetzt neue und alte Bordsysteme

Hauke Schmidt

 · 05.09.2026

Pitufino ist eine universeller Übersetzer für Datensätze nach NME2000-, NMEA0183- und  VE.Direct-Standard.
Foto: Pitufino
Der Pitufino bündelt Navigations- und Borddaten aus verschiedenen Netzwerken in einem Gateway. Das Gerät verbindet NMEA 2000, NMEA 0183, optional SeaTalk1 und Victron VE.Direct, verteilt die Daten auch per WLAN, stellt sie im Browser dar und dient als Fernbedienung.

Der Pitufino richtet sich vor allem an Eigner, deren Yacht über Jahre gewachsen ist. Alte Instrumente, neue Sensoren, ein Tablet mit Navigations-App und der Autopilot arbeiten dann häufig mit verschiedenen Datenformaten. Entwickelt wurde das System laut Hersteller aus genau diesem Praxisproblem an Bord der Langfahrtyacht „Pitufa“.

Daten zentral auswählen

Kern des Konzepts ist nicht allein der WLAN-Zugang zu GPS-, AIS- und Instrumentendaten. Der Pitufino soll auch entscheiden, welche Quelle für eine Information Vorrang hat. Das kann sinnvoll sein, wenn etwa mehrere GPS-Quellen im Netz sind oder ein Sensor nur zeitweise eingeschaltet wird. Die Auswahl wirkt laut Hersteller auf kabelgebundene Ausgänge und WLAN-Streams gleichermaßen.

Die aktuelle Hardware V1.2 besitzt einen NMEA-2000-Anschluss für Micro-C-Kabel, zwei NMEA-0183-Ein- und Ausgänge sowie zwei VE.Direct-Anschlüsse für Victron-Batteriemonitore, SmartShunts oder Solarregler. Hinzu kommen zwei analoge Eingänge und zwei schaltbare Ausgänge die jeweils mit einem Ampere belastet werden können. Die technischen Details beschreibt der Hersteller auf der deutschsprachigen Pitufino-Produktseite.

Anzeige, Alarm und Autopilot

Per integrierten Web-Apps lassen sich die Daten systemübergreifend auf Smartphone, Tablet oder Rechner darstellen. Die Apps zeigen Segelinstrumente, AIS-Ziele, Wegpunktdaten sowie Motor-, Tank- und Batteriewerte an. Ein Ankeralarm, Wind-, Tiefen- und Kursalarme gehören ebenfalls zum Funktionsumfang. Alarme von Raymarine- und Navico-Geräten können nach Herstellerangaben übernommen und in der App quittiert werden.

Besonders weit reicht die Autopilot-Anbindung. Unterstützt werden laut Hersteller mehrere Raymarine-, Navico-, Simrad-, B&G- und Garmin-Systeme. Für kompatible Piloten ergänzt der Pitufino einen No-Drift-Modus, der den Sollkurs über Grund bei wechselnder Abdrift nachführt. Ein Modus der bei Strom und Wind sehr hilfreich sein kann.

Auch als Konverter ist das Gerät interessant: NMEA 0183, NMEA 2000 und optional SeaTalk1 lassen sich zusammenführen. Ältere Instrumente können so weiter an Bord bleiben Daten, statt beim Gebertausch vollständig ersetzt zu werden. Im Unterschied zu einem reinen Gateway übernimmt der Pitufino zusätzlich Filterung, Routing und Datenaufbereitung.

Browser-Anzeigen, WLAN-Daten und Fernzugriff werden zunehmend zum Standardthema der Bordelektronik, siehe auch hier: NMEA-2000-Gateway für mobile Geräte. Der Pitufino geht darüber hinaus, weil er auch alte Datenwelten und die Autopilotsteuerung einbezieht. Wer sein Netz erweitern will, sollte vor dem Kauf jedoch die vorhandenen Protokolle, Sensorquellen und das konkrete Autopilotmodell prüfen. Die Preise im Hersteller-Shop beginnen für den Pitufino bei 300 Euro innerhalb Europas; die SeaTalk1-Variante Pitufino ST kostet 330 Euro. In unserem Artikel zur Intergration alter und neuer Instrumentensysteme finden Sie mehr zum Thema.

BereichTechnische Daten
Stromversorgung12 oder 24 Volt Gleichspannung, üblicherweise über den NMEA-2000-Bus; LEN 3
NMEA 2000Ein Anschluss für Micro-C-Standardkabel; kompatibel auch mit SeaTalkNG
NMEA 0183Zwei galvanisch getrennte Eingänge sowie zwei Ausgänge
SeaTalk1Optionaler galvanisch getrennter Anschluss über SeaTalk1-Modul oder als Pitufino ST mit integriertem Modul
Victron VE.DirectZwei VE.Direct-Anschlüsse für beispielsweise Batteriemonitore, SmartShunts und Solarregler; bei nicht genutztem NMEA 0183 laut Hersteller mit aktueller Firmware bis zu vier VE.Direct-Geräte möglich
Analoge EingängeZwei Eingänge, auch als digitale Eingänge nutzbar; etwa zum Messen von Spannungen, Zählen von Motorstunden oder Auslösen von Alarmen
Digitale AusgängeZwei schaltbare Ausgänge mit jeweils maximal einem Ampere Dauerstrom
AlarmanschlussOptionaler Relaisausgang für externe Sirene oder Alarmlampe mit SeaTalk1-Modul beziehungsweise Pitufino ST
WLANEigenes WLAN-Netz mit DHCP oder Einbindung in ein bestehendes Bord-WLAN
NetzwerkzugriffmDNS-Zugriff über pitufino.local auf iOS, macOS, Linux sowie aktuellen Android- und Windows-Versionen
NMEA-0183-Daten über NetzwerkMehrere TCP-Verbindungen, UDP-Broadcast und UDP-Unicast
Browser-OberflächeIntegrierter Webserver für Konfiguration, Firmware-Updates und Anzeigen für Segelinstrumente, Ankerwache, AIS, Logbuch, Autopilot, Motor-, Tank- und Batteriedaten
AlarmfunktionenIntegrierter Summer ab Hardware V1.1; Übernahme von NMEA-2000-Alarmen von Raymarine- und Navico-Geräten; eigene Alarme unter anderem für Tiefe, Wind, Ankerwache, AIS-Ziele, Kursabweichung und Wegpunkt-Ankunft
Autopilot-FunktionenFernbedienung kompatibler Piloten; No-Drift-Modus zur Kurs-über-Grund-Haltung bei wechselnder Abdrift
Unterstützte AutopilotenRaymarine Evolution und SPX, Navico/Simrad/B&G NAC-3, NAC-2, AC42, AC12 und H5000 sowie Garmin Reactor über NMEA 2000; ältere Raymarine/Autohelm-Systeme zusätzlich mit SeaTalk1-Modul
DatenverarbeitungRouting, Filterung und Konvertierung zwischen NMEA 2000, NMEA 0183, SeaTalk1, VE.Direct und WLAN; zentrale Quellenauswahl mit Prioritäten und Ausweichquellen
ZusatzberechnungenWahrer Wind über Grund, magnetische Missweisung, geglättete Wind-, Kurs- und Geschwindigkeitsdaten, Mittelwerte über eine, zehn und 60 Minuten sowie Wegpunktdaten
LogbuchAutomatische stündliche Einträge mit Mittelwerten sowie Minimal- und Maximalwerten
HerstellungÖsterreich

Buchtipp

Theorie und Praxis der Bordelektrik von Jens Feddern behandelt die Grundlagen der Bordinstallation ebenso wie Energieversorgung, Entstörung und Fehlersuche. Für Eigner, die einen Datenkonverter in ein bestehendes Netz integrieren wollen, ist vor allem der Praxisbezug zu Batterien, Gleichstromverteilung, Logge, Lot und Plotter nützlich. Fotos, Zeichnungen und Tabellen helfen dabei, die Voraussetzungen der eigenen Anlage vor dem Umbau systematisch zu prüfen.

Alte Instrumente oder Datenprotokolle an Bord behalten oder beim nächsten Elektronik-Refit komplett ersetzen? Schreiben Sie uns einen Kommentar.Technische Daten: Pitufino V1.2

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Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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