Garmin hat den SmartDrive vorgestellt. Das System besteht aus einem bürstenlosen Linearantrieb, einer im Antrieb integrierten ECU – also der Steuerelektronik – und einem Ruderlagegeber. Zusammen soll diese Kombination das Ruder präzise ansteuern, zugleich Verkabelung und Zahl der externen Bauteile reduzieren. Garmin beschreibt SmartDrive als ersten Segelboot-Autopiloten mit dieser Kombination aus bürstenlosem Linearantrieb und integrierter ECU.
Der neue Antrieb ist laut Garmin für Segelyachten und Katamarane bis 45 Fuß, also rund 13,7 Meter Länge, vorgesehen. Der maximale Schub soll bei 477 Kilogramm liegen. Damit zielt SmartDrive auf einen Bereich, in dem unter Deck installierte, lineare Antriebe auf vielen Fahrtenyachten und kleineren Katamaranen üblich sind.
Ob ein konkretes Boot passt, entscheidet jedoch nicht allein seine Länge oder Verdrängung. Ruderquadrant, Anlenkung, verfügbarer Einbauraum, Ruderdruck und die vorhandene Bordelektrik gehören vor einer Nachrüstung zwingend auf die Prüfliste. Gerade bei älteren Anlagen lohnt zunächst eine saubere Bestandsaufnahme von Gebern, Bussen und vorhandener Verkabelung. Nur dann lässt sich beurteilen, ob der neue Antrieb tatsächlich ohne größere Umbauten integriert werden kann.
Der wesentliche Unterschied liegt weniger in einer zusätzlichen Betriebsart als im Aufbau des Antriebs. Ein bürstenloser Motor kommt ohne Kohlebürsten als klassisches Verschleißteil aus. Garmin kombiniert ihn mit einer ECU im Gehäuse und dem Ruderlagegeber. Das soll die Zahl separater Komponenten verringern und die Installation übersichtlicher machen.
Für Eigner ist das vor allem dann interessant, wenn ein vorhandener Antrieb altert oder der Autopilot auf Törn an Grenzen kommt. Weniger Kabel und externe Kästen bedeuten allerdings nicht automatisch einen schnellen Selbsteinbau: Die mechanische Befestigung sowie die korrekte Ausrichtung der Anlenkung bleiben sicherheitsrelevant.
SmartDrive kann einzeln gekauft oder mit dem Reactor 40 Sail Corepack kombiniert werden. Zum Paket gehören ein Kurscomputer sowie das Autopilot-Display GHC 50 mit fünf Zoll Touchscreen. Über das NMEA-2000-Netzwerk lässt sich das System mit kompatiblen Garmin-Multifunktionsdisplays verbinden.
Garmin nennt für die Kombination eine verbesserte Windhaltefunktion sowie genauer steuerbare Wenden und Halsen. Geschwindigkeiten und automatische Reaktion sollen einstellbar sein. Die Einrichtung soll über einen Assistenten am Liegeplatz erfolgen. Einen Produktüberblick zum Reactor 40 Sail Corepack mit SmartDrive und GHC 50 führt Garmin bereits online.
Neben dem Display sind eine kabellose Reactor-40-Fernbedienung, das Tastenfeld APK 10 und die Qatix 8 pro als Bedienelemente vorgesehen. Das erweitert die Möglichkeiten an Bord. Dass eine Bedienung des Autopiloten vom Vorschiff aus sinnvoll sein kann, zeigte auch der YACHT-Test zu Segler-Smartwatches.
Noch handelt es sich um Herstellerangaben, ein eigener Praxistest liegt nicht vor. Offen sind deshalb wichtige Fragen, die erst der Einbau und der Betrieb auf verschiedenen Schiffen beantworten können: Wie leise arbeitet der Antrieb unter Last? Wie gut hält er bei achterlicher See und wechselndem Ruderdruck den Kurs? Und wie groß ist der Installationsvorteil auf Yachten, deren vorhandene Anlenkung nicht dem Garmin-Standard entspricht?
Für Langfahrtcrews bleibt außerdem der Strombedarf ein zentraler Punkt. Elektrische Autopiloten sind auf langen Etappen häufig einer der größten Verbraucher; eine mechanische Windsteueranlage benötigt dagegen keinen Bordstrom. Die grundsätzlichen Vor- und Nachteile beider Systeme beschreibt der Vergleich Windsteueranlage oder Autopilot auf Langfahrt. SmartDrive kann die elektrische Selbststeuerung robuster und einfacher nachrüstbar machen.
Garmin nennt für den SmartDrive-Antrieb allein einen empfohlenen Verkaufspreis von 3.999,99 Euro. Das Reactor 40 Sail Corepack mit SmartDrive soll ab 5.499,99 Euro erhältlich sein.
Für Eigner, deren vorhandener Linearantrieb ersetzt werden muss, ist SmartDrive damit ein interessantes neues System. Ob der versprochene Einbauvorteil in der Praxis trägt, wird sich jedoch erst an realen Ruderanlagen und im Seegang zeigen.
Wäre für Sie ein elektrischer Autopilot oder eine klassische Windfahnensteuerung der Favorit?

Redakteur Test & Technik
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