Die JL Audio A60 und A60-H bilden eine neue Gerätegeneration im Marine-Audio-Programm von Garmin. Im Mittelpunkt stehen nicht allein höhere Lautstärke oder ein schickeres Display, sondern eine stärker vernetzte Anlage: Musikquelle, Lautsprecher, Fernbedienungen und Multifunktionsdisplay sollen sich als System bedienen lassen.
Die A60 ist das sichtbare Radio für den Einbau am Steuerstand. Garmin nennt ein bei Sonnenlicht ablesbares 2,95-Zoll-Farbdisplay mit 640 × 360 Pixeln. Damit richtet sich die Ausführung an Eigner, die Quelle, Lautstärke und Zonen direkt am Gerät kontrollieren möchten.
Die A60-H verfolgt den umgekehrten Ansatz. Sie ist als „Hideaway“-Variante für den verdeckten Einbau gedacht und soll mit einem Garmin-Multifunktionsdisplay zusammenarbeiten. Das kann beim Refit Vorteile haben, wenn am Steuerstand kein weiterer Ausschnitt entstehen soll oder bereits vorhandene Bedienflächen möglichst ruhig bleiben. Ob das Konzept auf einem konkreten Boot aufgeht, hängt allerdings vom verfügbaren Platz hinter dem Panel, vom verwendeten Plotter und von der vorhandenen Verkabelung ab.
Beide Varianten sind nach Herstellerangaben für die Belastungen im maritimen Umfeld nach IPX6 und IPX7 ausgelegt. Das betrifft Schutz gegen kräftiges Strahlwasser und zeitweiliges Untertauchen; es ersetzt keine fachgerechte Montage und keine saubere Abdichtung des Einbauortes.
Das A60-System kann vier Audiozonen getrennt steuern. Praktisch ist das etwa, wenn im Cockpit Musik laufen soll, während im Salon ein anderer Pegel gewünscht ist oder die Lautsprecher im Vorschiff ganz stumm bleiben. Entscheidend ist dabei die gesamte Anlage: Anzahl und Leistung der Verstärker, Lautsprecher, Verkabelung und die verfügbare Energie müssen zum gewünschten Ausbau passen.
Das integrierte DSP, also die digitale Signalverarbeitung, soll das Audiosignal auf die angeschlossenen Lautsprecher und Subwoofer abstimmen und deren Belastung begrenzen. Das ist vor allem auf offenen Booten relevant: Wind, Fahrtgeräusch und der Abstand zwischen Hörplatz und Lautsprecher erschweren einen ausgewogenen Klang deutlich mehr als in einer Kabine.
Für die Einrichtung verweist Garmin auf die überarbeitete Garmin-Audio-App. Die DSP-Konfiguration in der Garmin-Audio-App unterstützt die A60-Modelle ausdrücklich. Sie kann die Einmessung erleichtern, nimmt dem Installateur aber nicht die Grundarbeit ab: Lautsprecherposition, Polarität, Kabelquerschnitt und Absicherung müssen vor dem digitalen Feintuning stimmen.
Als Quelle unterstützt das A60 Bluetooth-LE-Audiostreaming. Garmin verspricht dadurch eine bessere Übertragungsqualität von kompatiblen Mobilgeräten. Zusätzlich ist ein DAB-Tuner integriert. Für Segler, die auf Küstenpassagen terrestrisches Radio hören möchten, ist das ein Unterschied zu vielen einfachen Bluetooth-Radios. Die Empfangsqualität bleibt jedoch von Revier, Antenne und Abstand zum Sender abhängig.
Über das NMEA-2000-Netzwerk lässt sich das Radio mit kompatiblen Garmin-Displays verbinden. Es unterstützt außerdem eine geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeregelung. Die Anlage kann den Pegel also bei zunehmender Fahrt anheben, um Motor-, Wind- und Wassergeräusche auszugleichen. Wer überwiegend unter Segeln unterwegs ist, sollte prüfen, wie passend diese Automatik zum eigenen Geräuschprofil arbeitet.
Die NMEA-2000-Anbindung erweitert vor allem den Bedienkomfort, nicht die Klangqualität. Sie fügt sich aber in einen Trend ein, den auch andere aktuelle Systeme an Bord zeigen: Sprachwarnungen im NMEA-2000-Netzwerk und die Audiosteuerung nutzen dieselbe Infrastruktur, erfüllen jedoch klar getrennte Aufgaben. Alarmmeldungen müssen jederzeit Vorrang vor Unterhaltung haben.
Garmin ergänzt die Radios mit zwei Bedienelementen. Der R5-Lautstärkeregler bündelt Lautstärke sowie Play/Pause in einem Drehknopf und benötigt laut Hersteller eine Bohrung von 1,5 Zoll. Die kabelgebundene Fernbedienung NRX-300 bietet ein optisch verbundenes LCD und Tasten für die Steuerung von bis zu vier Zonen.
Beide Zubehörteile werden über NMEA 2000 eingebunden und sind nach IPX7 klassifiziert. Damit lassen sich die Bedienstellen näher an den tatsächlichen Hörplätzen positionieren – etwa im Cockpit oder am Kartentisch. Ob das einen Mehrwert gegenüber App und Plotter bringt, entscheidet der Bootsalltag: Auf einer kleinen Yacht kann eine zusätzliche Fernbedienung überflüssig sein; auf größeren Booten mit getrennten Aufenthaltsbereichen wird sie plausibler.
Wer ein älteres Radio ersetzen möchte, sollte vor dem Kauf nicht nur den gewünschten Funktionsumfang vergleichen. Wichtig sind auch Einbaumaße, Anschlussstecker, Antenne, Stromkreis, Sicherung und die Frage, ob Verstärker und Lautsprecher weiterverwendet werden können. Garmin bietet für einen bestehenden Ausschnitt eines JL Audio MediaMaster ein separates A60-Nachrüstkit an. Das kann den Umbau erleichtern, ist aber kein allgemeiner Adapter für jede vorhandene Anlage.
Der neue A60-Ansatz wirkt vor allem dort schlüssig, wo ein vernetztes Bordnetz, mehrere Hörbereiche und eine dauerhafte Audioinstallation zusammenkommen. Für die Beurteilung von Klang, Bedienung bei Seegang und der tatsächlichen Integration mit Garmin-Displays fehlt noch ein unabhängiger Praxistest. Gegenüber den bereits vorgestellten Fusion-Apollo-Lautsprechern und Subwoofern setzt Garmin bei den A60-Modellen deshalb vor allem am Steuergerät und dessen Vernetzung an.
Theorie und Praxis der Bordelektrik von Jens Feddern vermittelt die Grundlagen, die vor dem Einbau eines neuen Marineradios wichtig werden: Stromversorgung, Gleichstromverteilung, Kabel, Entstörung und Fehlersuche. Fotos, Zeichnungen, Schaubilder und Tabellen erklären die Zusammenhänge für Einsteiger ebenso wie für erfahrene Eigner. Damit hilft das Buch, die Anforderungen einer erweiterten Audioanlage im Bordnetz sachlich einzuordnen.
Wie wichtig ist Ihnen eine vollständig vernetzte Audioanlage an Bord – und wo würden Sie auf Ihrer Yacht tatsächlich getrennte Klangzonen nutzen?

Redakteur Test & Technik
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