Ruckdämpfer im TestDiese 12 Modelle entlasten Leine und Boot

Klassische Bauform, besonderes Extra: Dank der Clips kann U-Cleat einfach nachgerüstet werden.
Foto: Unimer
​Wenn die Yacht bei Schwell und Wind im Hafen in die Festmacherleine einruckt, entstehen Lastspitzen, die Material und Nerven belasten. Wir haben zwölf Ruckdämpfer getestet.

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​Segler kennen die Situation: Schwell läuft in den Hafen, Wind drückt zusätzlich von der Seite und das Boot ruckt massiv in die Festmacherleine. Bei jedem Ruck entstehen Lastspitzen, die nicht nur unangenehm sind, sondern auch das Material erheblich belasten. Aber der Komfort leidet ebenfalls massiv. Bei starkem Rucken kann man an Bord kaum schlafen. Jeder Ruck überträgt sich durchs ganze Boot, Geschirr klappert in den Schränken und an erholsame Ruhe ist nicht zu denken. Wer eine Nacht bei Schwell im Hafen verbracht hat, weiß: Das zehrt an Festmachern und an den Nerven, und am nächsten Tag fehlt die Energie für entspanntes Segeln oder Landausflüge.


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Aber auch wenn das Boot ohne Crew im Hafen liegt, bleibt die Sorge, dass die Festmacher dem erhöhten Verschleiß irgendwann nicht mehr standhalten, das Boot auf Drift geht und erheblichen Schaden nimmt oder verursacht.

​Ruckdämpfer als einfache Lösung für harte Lastspitzen

Die Lösung sind Ruckdämpfer: Gummi­teile, die in die Festmacherleine eingeschlauft oder darumgewickelt werden. Sie dehnen sich unter Last und nehmen die Energie auf. Die Lastspitze wird gekappt, der harte Ruck zu einer weichen, kontrollierten Bewegung. Die Leine kann deutlich mehr Energie aufnehmen, weil der Ruckdämpfer zusätzliche Dehnung ermöglicht. Das schont nicht nur das Material, sondern macht das Liegen im Hafen auch deutlich angenehmer und reduziert Verschleiß ­erheblich.

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Viele Ruckdämpfer kommen in einer knochenförmigen Bauweise mit Ösen an den Enden. Die Festmacherleine wird an einem Ende durch eine Öffnung gefädelt, mehrfach um den elastischen Gummikörper gewickelt und am anderen Ende wieder durchgefädelt. Dadurch werden etwa 40 bis 60 Zentimeter Leine auf 20 bis 30 Zentimeter gestaut. Der Clou: Der Gummi wird gedehnt, die um ihn gewickelte Leine wird lang gezogen – die effektive Länge der Leine nimmt deutlich zu. Gute Festmacherleinen haben schon von sich aus möglichst viel Dehnung. Im Gegensatz zu Schoten und Fallen ist das bei diesem Tauwerk erwünscht. Die Dehnungswerte im Arbeitsbereich liegen aber im unteren einstelligen Prozentbereich. Mit einem Ruckdämpfer kann sich der Festmacher unter Last deutlich weiter dehnen und nimmt Energie auf. Statt dass es ruckt, wird die Bewegung im Idealfall sacht gebremst. Das System ist einfach, aber wirkungsvoll, und besonders bei Liegeplatzsituationen mit eher kurzen Festmacherleinen hilfreich.

Wir haben zwölf Ruckdämpfer verschiedener Bauformen und Hersteller getestet. Dazu ging es ins Testlabor des Tauwerkherstellers Liros. Auf dem Teststand haben wir die Belastung auf der Festmacherleine mit jedem Ruckdämpfer simuliert und vermessen.


Dehnungswerte im Überblick

Je mehr Last, desto höher die Dehnungswerte. Das ist nicht anders zu erwarten. Spannend ist aber, wo der Zuwachs am steilsten ist, nämlich im Bereich bis 300 Dekanewton. Danach dehnt das System aus Leine und Dämpfer weiter, aber sehr parallel mit der Dehnung des Festmachers. Das führt zu der Annahme, dass der Ruckdämpfer schon sein Maximum erreicht hat.Je mehr Last, desto höher die Dehnungswerte. Das ist nicht anders zu erwarten. Spannend ist aber, wo der Zuwachs am steilsten ist, nämlich im Bereich bis 300 Dekanewton. Danach dehnt das System aus Leine und Dämpfer weiter, aber sehr parallel mit der Dehnung des Festmachers. Das führt zu der Annahme, dass der Ruckdämpfer schon sein Maximum erreicht hat.

Die Modelle reichen von klassischen knochenförmigen Dämpfern über innovative Clip-Systeme bis zu integrierten Lösungen, bei denen der Dämpfer direkt in der Leine steckt. Die Preisspanne liegt zwischen etwa 20 und 80 Euro pro Stück. Durchaus eine Investition, aber im Vergleich zu den Kosten einer gerissenen Festmacherleine oder Schäden am Boot sehr überschaubar.

​Die Musik spielt bei kleinen Lasten

Das erste überraschende Ergebnis: Die maximale Dehnung findet bei deutlich niedrigeren Lasten statt, als man erwarten würde. Festmacherleinen haben Bruchlasten von über zwei Tonnen, hochwertige Modelle schaffen drei Tonnen und mehr. Man würde also erwarten, dass Ruckdämpfer ihre maximale Leistung im Bereich von mehreren Hundert Kilogramm bis über einer Tonne entfalten.

Tatsächlich aber spielt sich die entscheidende Dehnung bei den meisten unter 150 Kilogramm ab, bei etwa einem Zehntel der Bruchlast oder sogar weniger. Wer an Bord schon einen sehr weit gedehnten Ruckdämpfer mit unter Last knirschender Leine gesehen hat, vermutet deutlich höhere Lasten. Auf dem Teststand mit Messgerät zeigte sich genau dieses Bild schon bei 100 bis 200 Kilogramm. Das klingt wenig, ist aber genau der Bereich, in dem Boote bei Schwell im Hafen in die Leine einrucken. Bei stärkerem Schwell und Wind kann diese Last auch höher liegen, aber der kritische Bereich für Komfort und Materialschonung liegt definitiv im unteren Lastspektrum.


​Produkte und Daten im Überblick


Ab etwa 300 Kilogramm Last passiert bei den meisten Ruckdämpfern nicht mehr viel. Die Dehnung nimmt nur noch geringfügig zu. Der Gummi hat seine maximale Ausdehnung praktisch erreicht. Das ist tatsächlich eine wichtige Erkenntnis: Ruckdämpfer sind keine Notfall-Energieabsorber für extreme Belastungen, sondern Komfort- und Verschleißschutz für den normalen ­Hafenalltag.

Für eine bessere Vergleichbarkeit wurde zuerst eine hochwertige Festmacherleine getestet. Bei 1.500 Dekanewton, also etwa 1.500 Kilogramm Zugkraft, erreicht die Festmacherleine Porto von Liros 7,5 Prozent Dehnung. Jetzt der Vergleich mit dem Testsieger, dem U-Cleat 16 von Lindemann: Bei 100 Dekanewton zeigt das System aus Leine plus Ruckdämpfer bereits knapp 30 Prozent Dehnung. Ein Vielfaches der Leine allein! Bei 200 Dekanewton sind es 45 Prozent. Das ist eine dramatische Verbesserung gegenüber der Leine allein, und zwar genau in dem Lastbereich, der im Hafen relevant ist. Ab etwa 300 Dekanewton flacht die Kurve deutlich ab. Die Dehnung steigt beim U-Cleat 16 auf über 60 Prozent bei 1.600, aber der größte Zuwachs findet eindeutig im niedrigen Lastbereich statt. Genau dort, wo Boote bei Schwell in die Leine einrucken. Auch andere gut performende Modelle zeigen dieses charakteristische Verhalten: Massive Dehnung bei niedrigen Lasten, dann ein ausgeprägtes Plateau, wo die Dehnungswerte nur noch wenig zunehmen.

​Welche Bauformen überzeugen – und welche nicht

Neben der klassischen Knochenform gibt es noch die Lochstreifen und zwei völlig andere Konzepte. Die Lochstreifen waren von den gemessenen Dehnungswerten her im unteren Drittel des Testfelds. Das Einfädeln der Leine dauert bauartbedingt auch etwas länger: Das Tauwerk muss einfach durch mehr Löcher geführt werden. Diese Dämpfer werden aber nur einmal installiert, deswegen fällt dieser Nachteil nicht so ins Gewicht. Dennoch bieten die knochenförmigen U-Cleat-­Modelle den Vorteil, dass sie viel schneller eingeschoren werden können, ganz ohne sie fädeln zu müssen. Hier können die Lochstreifenmodelle nicht mithalten.

Die besonderen Bauformen sind Smart Snubber und Miami. Die kleinen S-förmigen Smart Snubber werden einfach auf die Leine geclipst. Zudem können mehrere hintereinander kombiniert werden. Die kompakte Bauweise bietet konstruktiv aber einfach nicht so viel Dehnung wie die langen knochenförmigen Modelle.

Ein Sonderfall ist The Snubber Twist: knochenförmig, aber mit einer Kugel an Tauwerk an den Enden. Das Modell kann auch einfach eingeschlauft werden. Beim ersten Versuch zog sich unter steigender Last das Tauwerk samt Kugel aus dem Ruckdämpfer. Der zweite hatte eine zusätzliche Schraube eingedreht. Diese verhinderte das Herausrutschen des Tauwerks, bei 500 Dekanewton brach aber der Ruckdämpfer und die Schraube guckte als unschöne Spitze aus dem Bruchstück. Damit ist das Modell leider durchgefallen.

Das Modell Miami ist optisch ansprechend, der integrierte Dämpfer ist nur als leichte Verdickung in der Leine sichtbar. Die Dehnungswerte konnten aber besonders im unteren Lastbereich nicht überzeugen. Bei 100 Dekanewton kam die Leinen-Dämpfer-Kombination auf magere 3,5 Prozent Dehnung. Bei 1.400 Dekanewton brach die Leine.

​Mehr Ruhe im Hafen – mit deutlichen Unterschieden

Abschließend kann aber für alle Modelle (bis auf den Snubber Twist mit der Schraube) eine positive Bilanz gezogen werden: Jeder Dämpfer verbessert die Dehnungswerte des Festmachers. Damit wird auch jeder Ruckdämpfer unangenehmes Einrucken im Hafen etwas erträglicher machen. Die Unterschiede sind aber dennoch sehr groß. Aus den Messwerten lässt sich ein Trend ablesen: Je größer das Modell, desto mehr Dehnung. Das ist auch nicht überraschend, kann aber bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle spielen. Denn für die Leinendurchmesser wird immer ein Bereich angegeben. Für eine 12 Millimeter messende Leine kommen häufig zwei Größen infrage. Entscheidet man sich für die größere, kann das für noch mehr Ruhe bei Schwell im Hafen sorgen.

Grundsätzlich lohnt die Investition, sie dient der Sicherheit und dem Komfort.


​Alter Knochen mit Upgrades

Forsheda: Der Ruckdämpfer aus dem Sortiment von Lindemann für Tauwerk mit 8 bis 12 Millimeter Durchmesser.
Foto: Hauke Schmidt

D​ie klassische Bauform für Ruckdämpfer ist der Knochen. Die Festmacherleine wird an den Enden befestigt, in der Mitte dreimal herumgeschlungen. Um die Tauwerklänge der Umschlingungen kann bei Zugbelastung die Anlegefeder (so nennen die Hersteller die Ruckdämpfer) gedehnt werden. Unter Last sieht dann die Leine gerade aus und der Gummiknochen ist darumgeschlungen. Trotz der gleichen Bauform unterscheiden sich die Modelle in der Größe und Art der Befestigung. Die Größenunterschiede sind Varianten für unterschiedliche Leinendurchmesser. Die Befestigung mit Clips wie bei den Modellen U-Cleat von Unimer oder mit den Tauwerkschlaufen beim Snubber Twist erleichtert das Anbringen an der Festmacherleine. Das kann ein Vorteil sein, wenn sie nur bei Bedarf eingeschoren werden sollen. Wer separate Festmacher mit Ruckdämpfer hat, kann auch mit dem einmaligen (zeitintensiveren) Einfädeln leben.


​​Geschickt eingefädelt: Der Lochstreifen

Sprenger: Der Ruckdämpfer in Lochstreifenform ist für Tauwerk mit 8 bis 12 Millimeter konzipiert.
Foto: Hauke Schmidt

N​eben der Knochenform ist auch die Bauart als Lochstreifen sehr verbreitet. Hier ist die zusätzliche Festmacherlänge in S-Kurven im Ruckdämpfer integriert. Der Nachteil dieser Bauform ist, dass die Leine durch sehr viele Löcher gefädelt werden muss. Diese Anlegefedern eignen sich also nicht zum schnellen Nachrüsten, sind aber, einmal eingeschoren, auch effektiv. Zwei besondere Bauformen boten Smart Snubber und das Modell Miami. Erstere sind sehr kompakt und werden auf die Leine geclipst. Letzterer ist eine Festmacherleine mit in das Mantelgeflecht integriertem Dämpfer.


​Schnell installiert und modular

yacht/100218462_908b1e8dddc303e5140a3dede88fed0dFoto: Hauke Schmidt

​Der Smart Snubber wird einfach auf die Leine gesteckt. Damit lässt er sich leicht nachrüsten, auch wenn das Boot schon festgemacht ist. Empfohlen werden zwei pro Leine, es lassen sich aber auch mehr kombinieren. Vorteilhaft ist die kompakte Bauweise. Je nach Abstand zur Klampe passen lange Knochen nicht immer. Mit 10 bis 16 und 12 bis 20 Millimeter Tauwerkdurchmesser decken sie einen großen Bereich ab. Der Test legt nahe: Besser größer wählen.


​Verdeckte Dämpfung

yacht/100218465_4979f5b698c58f879eeb25159ef6d449Foto: Hauke Schmidt

​Das Modell Miami ist eine Kombination aus einem fest inte­grierten Dämpfer und einem Mantelgeflecht. Die Energie wird aufgenommen, indem die belastete Leine den Gummi in ihrer Mitte komprimiert. Das funktionierte im Test, lieferte aber keine überzeugenden Ergebnisse. Dennoch: Obwohl andere Modelle mehr Dehnung liefern, ist Miami deutlich besser als eine Festmacherleine ohne jeglichen zusätzlichen Dämpfer.


So haben wir getestet

yacht/100218412_9cadd88bb8574642b9b2df6d7429ffdfFoto: Hauke Schmidt

​Jeder Ruckdämpfer wurde auf dem Teststand bei Liros getestet. Damit die Ergebnisse vergleich- und wiederholbar sind, wurde jeder Dämpfer mit einem neuen Abschnitt der gleichen Festmacherleine Liros Porto eingespannt. Diese Leine hat ­eine Bruchlast von 3,8 Tonnen, die mit zwei Palsteks im Versuchsaufbau aber auf 1,8 Tonnen sank. Jeder Ruckdämpfer wurde mit der Leine dreimal auf 50 Dekanewton vorgereckt, damit sich alles setzt. Danach wurde die Last kontinuierlich bis zum Bruch erhöht. In den allermeisten Fällen brach dann die Festmacherleine an einem der Knoten. Eine Ausnahme bildet hier der Snubber Twist. Das Modell Miami wurde mit der eigenen Leine getestet.

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Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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