Der Temu-Shop ist gigantisch. Auch für Segler gibt es Hunderte Angebote – Tauwerk, Beschläge, Fender, Elektronik, Bekleidung. Doch genau das wird zum Problem: Herauszufinden, was man tatsächlich kauft, ist schwierig. Materialangaben fehlen oft, Größen sind unklar, Übersetzungen verworren. Bei Schäkeln, Blöcken und Tauwerk sucht man vergeblich nach Angaben zu Arbeits- oder Bruchlasten. Besonders bei Tauwerk wird es kompliziert. Viele Leinen bestehen aus Polypropylen – ein Material, das Fischer für Reusen verwenden, das aber an Bord wenig zu suchen hat. Die wenigen brauchbaren Produkte muss man sich mühsam zusammensuchen.
Die kompakte Pumpe ist für Bordnetze mit 12 Volt ausgelegt und soll 1.100 Gallonen Wasser pro Stunde fördern können. Der Funktionstest fällt positiv aus, die Pumpe arbeitet. Das Design erinnert an ältere Modelle der Firma Rule, ist mit 8,32 Euro aber deutlich günstiger. Die Bilgenpumpe von Rule mit 1.100 GPH Förderleistung kostet bei SVB 182,95 Euro. Allerdings gibt es auch günstigere Modelle für 23,95 Euro.
Die Pumpe funktioniert
90 Zentimeter lange Kabel
Vergleichsweise geringe Ersparnis
Sicherheitsrelevantes Bauteil
Im Lieferumfang ist die Dose mit Deckel zur Montage in Schott oder Ducht. Darin kann der Duschkopf verstaut werden. Dieser kommt mit einem 2,50 Meter langen Schlauch. Ein Mischventil zum Einstellen der Temperatur ist nicht enthalten, war aber im Temu-Shop auch nicht versprochen. Der Preis: 22,96 Euro. Die Dusche macht einen guten Eindruck.
Solide Verarbeitung
Duschschlauch 2,50 Meter
Kommt mit Schrauben
Preisersparnis ist nicht so groß
Die Fender kosten im Zweier-Set 17,42 Euro. Sie messen 58 Zentimeter in der Höhe und haben einen Durchmesser von 16 Zentimetern. Auffällig ist das hohe Gewicht. Sie sind auch in nicht aufgepumptem Zustand sehr steif. Die Fenderüberzüge kosten 17,71 Euro im Zweier-Pack. Das Material macht einen soliden Eindruck, die Passform ist aber nicht ideal. Die Hülle ist etwas zu lang für den Fender.
Verarbeitung und Oberfläche gut
Überzug ist solide
Der Fender ist sehr schwer
Der Überzug ist zu groß
Die Lampe funktionierte im Test, hatte aber ein Problem: Sobald am USB-Anschluss ein Tablet geladen wurde, erhitzte sich die Platine im Sockel. Diese Elektronik ist nur mit etwas Heißkleber gesichert und kann sich bei starker Hitzeentwicklung eventuell lösen. Kommt die heiße Platine dann mit einem Schott in Berührung besteht Brandgefahr. Hier kann nur vom Kauf abgeraten werden. Der Preis von 13,48 Euro mag verlockend klingen, ist das Brandrisiko an Bord aber sicher nicht wert. Dazu kommt noch, dass der Übergang der Kabel in den beweglichen Teil der Lampe nicht gegen Scheuern geschützt ist.
Brandrisiko
Elektronik nur mit Heißkleber angebracht
Kabel unsauber verlegt
Optisch unschöner Materialmix
Die Jacke hat am stärksten enttäuscht. Klar, hier gibt es kein Sicherheitsrisiko wie bei der Lampe. Das Produkt kommt im Prinzip so wie auf den Fotos, aber der Stoff ist superdünn und kann keinen Wind oder Regen abhalten. Dazu fühlt er sich auch wirklich billig an, eher wie eine Tischdecke. Funktionskleidung ist das nicht. Dazu kommt noch, dass auf der Brust ein Aufdruck angebracht ist, der maritim wirken soll, aber sicher einer KI entstammt. Zu allem Überfluss prangt der gleiche Aufdruck auch auf dem Rücken. Die Verarbeitung ist auch nicht besonders gelungen, teilweise ragen Fäden aus den Nähten, die Ausführung sieht einfach unsauber aus. Damit fällt die Jacke durch, ein absoluter Fehlkauf. Da tröstet auch der günstige Preis von 13,78 Euro nicht. Als Vergleich bot sich zumindest aus der Beschreibung und den Bildern im Temu-Shop etwa die Crewjacke von Gill an. Das Modell kostet um 140 Euro, schützt dafür vor Wind und Wetter.
Billig wirkender Stoff
Schützt nicht vor Wind und Regen
Mangelhafte Verarbeitung
Kitschiger maritimer Aufdruck
Am Ende will man es genau wissen: Wie viel Geld lässt sich denn sparen, wenn bei Temu bestellt wird? Dafür haben wir die Temu-Produkte ähnlichen Artikeln aus dem Sortiment von SVB gegenübergestellt. Die Jacke wurde aussortiert, weil sie ein völliger Fehlkaufe war. Das Ergebnis überrascht kaum, liegt aber deutlich mit dem 3-fachen Preis des deutschen Ausrüsters. Ein Vorteil von SVB sind sehr kurze Lieferzeiten. Auf die Temu-Sendung wartet man meist viel länger.
Um einen Überblick zu bekommen und die Produkte auf den Prüfstand zu stellen, haben wir geordert: eine Bilgenpumpe, Fender mit Überzügen, Edelstahlschäkel, Schnappschäkel, eine 12-Volt-Leselampe, Blöcke mit 45 Millimeter Scheibendurchmesser, Festmacher, Kauschen, eine Jacke, einen Tauwerkschäkel und eine Spule mit dünnem Dyneema-Geflecht. Die Produktfotos halfen nur bedingt, teilweise sind sie aus anderen namhaften Shops entnommen. Beim Tauwerkschäkel etwa war nicht direkt ersichtlich, dass er einen Durchmesser von 35 Zentimetern hat und aus zwölf Millimeter dickem Material besteht. Damit taugt er eher für Forstarbeiten als für eine Yacht.
Nach der Bestellung trudeln E-Mails ein: „Ihre Bestellung wird ins Flugzeug geladen. … Ihre Bestellung ist in Frankfurt gelandet.“ Die Ware kommt per Luftfracht aus China. Das drückt aufs Umweltgewissen. Die Lieferzeit variiert von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen. Zudem ändern sich die Händler im Shop ständig. Ein Produkt, das heute von Händler A angeboten wird, kommt morgen von Händler B – mit möglicherweise anderer Qualität.
Bilgenpumpe und Cockpitdusche funktionierten einwandfrei. Hier muss aber genau zwischen der Annehmlichkeit einer Dusche und der Sicherheitsrelevanz einer Bilgenpumpe unterschieden werden. Arbeitet Letztere unzuverlässig, kann das zum Problem werden. Hier muss der Käufer genau abwägen, ob der Preisunterschied dann gerechtfertigt ist. Die Fender waren extrem schwer und steif – offenbar wurde viel Material verarbeitet. Die Überzüge passten allerdings nicht richtig, sie waren deutlich zu groß.
Bei der 12-Volt-Leselampe wurde es gefährlich. Die Lampe funktioniert zwar, hat aber einen USB-Port. Sobald ein Gerät geladen wird, das mehr Leistung fordert (etwa ein iPad), wird die Elektronik sehr heiß. Die Bauteile sind nur punktuell mit Heißkleber fixiert. Bei hohen Temperaturen könnte sich dieser lösen, die heiße Leistungselektronik käme in Kontakt mit brennbaren Materialien am Schott. Ein klares Brandrisiko. Von solchen Produkten ist dringend abzuraten.
Die Jacke war ein klarer Fehlkauf. Das Material erinnert an Tischdeckenstoff, ist dünn, schlecht verarbeitet und weder wasser- noch windabweisend. Auch optisch keine Empfehlung.
Das Vorurteil, dass alles billig und schlecht ist, bestätigte sich nicht durchgehend. Manches funktionierte besser als erwartet. Doch die Schattenseiten überwiegen: Der Bestellprozess ist umständlich, Produktinfos sind mangelhaft, die Lieferzeiten teils lang. Vor allem aber fehlt jede Qualitätskonsistenz. Was heute funktioniert, kann morgen in minderer Qualität geliefert werden. Die Händler wechseln, die Lieferketten sind intransparent. Besonders kritisch sind Produkte mit Sicherheitsrelevanz. Eine Bilgenpumpe, die nicht anspringt, wird zum Risiko. Auch wenn sie in unserem Test funktioniert hat – es bleibt unklar, wie die Qualitätssicherung bei den Zulieferern aussieht. Die Leselampe zeigt, dass manche Artikel gefährlich sind.
Der Käufer muss sich fragen: Wie viel kann man wirklich sparen, und ist es das alles wert? Qualität, Sicherheit und Umweltaspekte haben ihren Preis, und der ist bei Temu sicher oft zu niedrig. Preislich bleibt Temu ungeschlagen, das haben der Test und der beispielhafte Warenkorb gezeigt. Die Qualität bleibt aber oft auf der Strecke.

Redakteur Test & Technik