In Memoriam
Langfahrtpionier Clark Stede gestorben

Der in Ostberlin geborene Fotograf und Journalist war in den neunziger Jahren einer der bekanntesten deutschen Extremsegler und Blauwasser-Autoren

  • Pascal Schürmann
  • Konrad Kubisch
 • Publiziert am 25.06.2021
Clark Stede (1949–2021) Clark Stede (1949–2021) Clark Stede (1949–2021)

YACHT-Archiv Clark Stede (1949–2021)

"Segeln ist der kürzeste Weg zu sich selbst", hat Clark Stede einmal gesagt. In den Achtzigern segelte er mit seiner ersten, neun Meter langen "Asma" als erster westlicher Einhandsegler bis nach China, das er 1985 erreichte. In Australien lernte er die Filmemacherin Michelle Poncini kennen, mit der er in den folgenden Jahren seine Langfahrt fortsetzte.

Von 1990 bis 1993 gelang den beiden mit ihrer zuvor für sie gebauten 13-Meter-Aluslup "Asma" eine spektakuläre Durchquerung der Nordwestpassage, in der die beiden zeitweise im Eis festsaßen. Es folgte – ebenfalls eine Premiere – die komplette Umrundung Nord- und Südamerikas, inklusive der Rundung Kap Hoorns.

YACHT-Archiv Stede war passionierter Segler, er schrieb mehrere Bücher über seine Segelabenteuer

Bevor Clark Stede zum Segeln kam, war er bereits ein erfolgreicher Reporter, er arbeitete für renommierte Magazine auch außerhalb Deutschlands in den USA, Italien, Spanien und Frankreich. Er fotografierte Urvölker, befuhr mit einem Kanu den Nil. Seine Dia-Vorträge füllten Kongresshallen.

Geboren wurde Clark Stede am 25. November 1949 im damaligen Ostberlin. Als er später Landsleuten half, in den Westen zu fliehen, wurde er verraten. Zwei Jahre saß er im berüchtigten Gefängnis von Bautzen, bevor die Brandt-Regierung politische Gefangene freikaufte.

Die Gefangenschaft hat ihn geprägt. Damals keimte in ihm sein unbeugsamer Drang nach Freiheit. Clark Stede konnte danach nicht anders, er musste in die Welt hinaus, Menschen begegnen, sie kennenlernen und von ihnen lernen. Er suchte sich immer wieder neue Ziele auf diesem Planeten.

Akribisch seine Vorbereitungen, unbeirrbar bei der Durchführung, zu hundert Prozent verlässlich – aber auch fordernd in seinem Umfeld. Sein Tempo mitzuhalten war nicht immer für alle Beteiligten einfach.

Ein Mensch Menschen mit Ecken und Kanten

Nach seinen Langfahrten schrieb Stede mehrere Bücher über seine Abenteuer (u. a. "Rund Amerika: Die erste Umsegelung des amerikanischen Kontinents", Delius Klasing Verlag, 1994; ISBN 3-7688-0862-9), er hielt Vorträge – und er begann, sich für Pferde zu begeistern.

YACHT-Archiv Der Pferde-Fan Stede. In Chile betrieb er eine Farm

1994 zog es ihn nach Chile. Dort lernte er Manuela Paradeiser aus Österreich kennen. Zusammen betrieben sie eine Reitfarm, das Campo Aventura, ab 1999 die Hacienda Los Andes. 2012 kehrte das Paar nach Europa zurück und lebte im Burgenland. Auch dort bestimmten Pferde Stedes Alltag.

In den vergangenen Jahren musste sich Stede einer schweren Herzoperation unterziehen. Dennoch wollte er noch einmal zurück auf die See und segeln. Nach seiner Genesung plante er den Kauf eines Schiffs in Griechenland. Eine neuerliche Krankheit vereitelte das Vorhaben. Aber auch davon erholte er sich und plante erneut Reisen. Dann aber kündigte er unerwartet seinen Freunden und Wegbegleitern seinen bevorstehenden Tod an.

Er verabschiedete sich mit Stil und mit Dankbarkeit für die Menschen, die ihm geholfen haben, ein so erfülltes Leben gelebt haben zu dürfen. Am 14. Juni 2021 starb Clark Stede im Burgenland/Österreich mit 71 Jahren.

Manuela Paradeiser sagt über ihre Zeit mit ihm: "Ich bin sehr dankbar für jeden Tag, den ich an seiner Seite mit ihm gehen durfte. Die gemeinsamen 25 Jahre scheinen wie 50, wenn ich an all die Reisen, Abenteuer und Erlebnisse denke. Nicht immer war alles rosarot. Im Herzen wusste ich jedoch immer, dass mir im Leben nie ein wertvollerer Mensch begegnen wird für mein weltliches Wohl und für das Wachsen meiner Seele."

In einem Interview mit der YACHT hat Clark Stede einmal gesagt: "Das Glück, die faszinierende Natur zu erleben, war für mich immer ein enormer Magnet, egal ob auf einem Pferd oder einem Segelboot. Die Natur, die Völker, die Menschen, die diese Welt besiedeln, alles das ist ein Mix, der mein ganzes Leben bestimmt hat."

Seine "Asma" ging weiter auf Langfahrt. Nachdem Stede sie zunächst nach Kanada verkauft hatte, segelte der neue Eigner mit dem Schiff nonstop und einhand um die Welt. In den vergangenen Jahren sorgte die "Asma" erneut international für Aufsehen, als der US-Amerikaner Randall Reeves mit der zwischenzeitlich in "Moli" umbenannten Slup es Stede nachtat und ebenfalls beide amerikanische Kontinente umrundete.

Über die "Asma" sagte Stede: "Sie ist ein tolles Boot. Wirklich, wenn ich manchmal im Sattel sitze und mich an die Zeit erinnere, in der sie gebaut wurde, denke ich oft an die Leute, die damals geholfen haben – was für klasse Typen es doch auf dieser Welt gibt!"

Clark Stede selbst wird vielen Menschen als Segler, Abenteurer, Vorbild, Mensch mit Charakter und klaren Vorstellungen eines sinnvollen Lebens in Erinnerung bleiben.


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