RechtMehr Verbraucherschutz beim Bootskauf?

YACHT-Redaktion

 · 27.01.2022

Recht: Mehr Verbraucherschutz beim Bootskauf?Foto: YACHT/Ben Scheurer
Bootskauf beim Händler folgt klaren Regeln. Einige haben sich jetzt geändert

Die Umsetzung von EU-Recht könnte künftig auch den gewerblichen Wassersporthandel betreffen, wie der Flensburger Rechtsanwalt Jochen P. Kunze im Interview erläutert

Der deutsche Gesetzgeber hat das Kaufrecht grundsätzlich neu geregelt. Damit werden EU-weit geltende Regeln auf nationaler Ebene umgesetzt. Betroffen ist unter anderem der gewerbliche Wassersporthandel. Zwar ist noch offen, wie die Rechtsprechung die Reform in der Praxis anwenden wird – grundsätzliche Änderungen sind aber schon jetzt absehbar.

Der Flensburger Rechtsanwalt Jochen P. Kunze ist spezialisiert auf Yachthandelsrecht.

YACHT: Herr Kunze, was bedeutet die Gesetzesänderung für die Käufer von Neu- und Gebrauchtbooten?

Verlagssonderveröffentlichung

Jochen-P. Kunze: Im privaten Bootshandel wird sich nicht viel ändern. Aber der Kauf einer Yacht vom Händler wird sehr viel verbraucherfreundlicher. Die Möglichkeiten, bei Sachmängeln Rechtsschutz zu bekommen, werden sich massiv verbessern. Das gilt sowohl für neue wie auch für gebrauchte Boote. Auch beim Handel mit digitalen Geräte haben die Firmen immer weniger Möglichkeiten, sich aus der Gewährleistung zu winden.

Wo werden sich die Reformen am ehesten auswirken?

Seriösen Gebrauchtboothändlern lassen die neuen Regeln kaum eine andere Möglichkeit, als angebotene Schiffe einem umfassenden Check-up zu unterziehen und ein Zustandsgutachten zu erstellen; andernfalls geraten sie schnell in eine Haftungsfalle. Die Qualität der angebotenen Gebrauchtboote wird aus meiner Sicht daher künftig deutlich besser einschätzbar sein. Und treten in den ersten zwölf Monaten Mängel bei Neu- oder Gebrauchtbooten auf, muss der Händler seine fehlende Verantwortung beweisen. Händler werden deshalb deutlich häufiger Gewährleistung geben müssen. Auch Garantien müssen klarer gefasst werden.

Was ändert sich hinsichtlich der Haftung des Händlers für Sachmängel am Boot?

Die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen wird in vielen Fällen einfacher. Voraussichtlich alle Vertragsgestaltungen und AGBs, die Händler bis 2021 genutzt haben, werden in wesentlichen Teilen rechtswidrig und verlieren ihre Wirkung. Was die Aktualisierung etwa von digitalen Plottern angeht, übernimmt der Händler mit vollem Risiko quasi die Funktion einer Servicestation für die Elektronikhersteller. Bei Neubooten wird sich das faktisch kaum auswirken. Das gilt aber auch für Gebrauchtboote. Bei denen kann das für Händler zum Haftungsrisiko werden.

Ist die Rechtsprechung zum Autohandel auf Boote übertragbar, beispielsweise wenn es um Schadensersatz wegen falscher Sachangaben geht?

Grundsätzlich unterscheidet das Gesetz nicht danach, ob es um den Kauf eines Bootes oder eines Autos geht. Viele Grundsätze und Regeln sind 1:1 übertragbar. Im Bereich des Yachthandels gibt es allerdings wenig Rechtsprechung zu den zahlreichen technischen Besonderheiten.

Das hört sich nicht gut für die Händler an. Was müssen die nun tun?

Wir werden sehen, dass es viele Händler geben wird, die ohne Anpassung ernste Probleme bekommen. Da werden Existenzen verloren gehen. Seriöse Händler werden sich anpassen. Aufgrund des Mehraufwands werden gewerblich gehandelte Boote am Ende wohl aber teurer werden.

Was genau meinen Sie mit „werden sich anpassen“? Können Sie Beispiele nennen?

Viele Händler werden sich auf den Markt der jungen Gebrauchten konzentrieren und bei älteren Gebrauchten auf das Vermittlungsgeschäft umsteigen. Im Neuboothandel werden die Werften und Händlerverbände notgedrungen mehr aufklären, mehr dokumentieren und mehr regeln müssen als bislang. Ärger wird es weiterhin geben.

Welche Schlupflöcher bleiben dem Händler künftig noch?

Der Gesetzgeber hat gute Arbeit geleistet. Uns Anwälten fällt zwar stets etwas ein, aber wirklich große Schlupflöcher gibt es keine.

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