GebrauchtbooteSo finden Sie das richtige Gebrauchtboot

Hauke Schmidt

, Felix Keßler

 · 27.12.2017

Gebrauchtboote: So finden Sie das richtige GebrauchtbootFoto: YACHT / B. Andersch

Bei gebrauchten Booten ist es zwischen Glücksgriff und Groschengrab meist nur ein schmaler Grat. Mit dem Gebrauchtboot-Spezial sind Sie auf der sicheren Seite

Sie wollen endlich mit einer eigenen Yacht auf Törn gehen, doch sehen vor lauter Gebrauchtbooten nicht mehr die eine Richtige? Unsere YACHT-Expertentipps bringen Sie wieder auf Kurs. Wir verraten, worauf Sie beim Kauf wirklich achten müssen und wo versteckte Kosten lauern können.

Die größte Angst haben unerfahrene Käufer davor, ein Schiff mit Osmose zu erwerben. Übertriebene Sorge ist allerdings nicht angebracht. Nur in wenigen, sehr weit fortgeschrittenen Fällen stellt Osmose tatsächlich eine Beeinträchtigung der Seetüchtigkeit einer Yacht dar. Viele Eigner segeln ihre Boote unbeeindruckt jahrzehntelang weiter und behandeln nur punktuell im Winterlager die ausgeprägtesten Blasen. Dennoch sollte man bei der Bootsbesichtigung sehr genau auf Bläschen am Rumpf oder ausgebesserte Stellen achten. Was ist Osmose überhaupt? Mehr dazu in unserem Osmose-Spezial.

  Gusseiserne Kiele sind selten gänzlich frei von Rost. Wichtiger ist es, den Übergang vom Rumpf zum Kiel auf Risse zu untersuchenFoto: YACHT / J. Erdmann
Gusseiserne Kiele sind selten gänzlich frei von Rost. Wichtiger ist es, den Übergang vom Rumpf zum Kiel auf Risse zu untersuchen

Doch Osmose ist nicht alles: Nehmen Sie sich Zeit, um abzuschätzen, in welchem Gesamtzustand sich die Yacht befindet und haken Sie insbesondere dann nach, wenn Ihnen vermeintliche "Kleinigkeiten" merkwürdig vorkommen. Die nachfolgend aufgelisteten Bereiche sollten Sie besonders aufmerksam abchecken... Noch einfacher geht das mit unserer PDF-Checkliste für die Probefahrt.

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Harmloser Kratzer oder schwerer Schaden?

Laufflächen

 Der eingeformte Antirutschbelag nutzt sich mit den Jahren ab, und das Deck verliert an Trittsicherheit – ein Sicherheits-Manko.
Foto: YACHT/Johannes Erdmann

Macken im Deck können in den meisten Fällen zwar mit Gelcoat ausgebessert werden. Zu bedenken ist jedoch, dass bei ausgeblichenem Gelcoat die Farbtöne oft nur schwer zu treffen sind. Und eine Deckslackierung kostet für ein Zehn-Meter-Schiff ohne weiteres 12.000 Euro. Sie wollen die Schäden anschließen selbst beheben? Das ist aufwändig, aber deutlich günstiger. Mit dieser Anleitung können Sie selbst schwere Laminatschäden selbst beheben.

Viele Decksbeläge auf GFK-Yachten bestehen aus in die Form eingelassenen Gelcoat-Noppen. Diese nutzen sich mit den Jahren ab. Das Deck verliert dadurch an Rutschfestigkeit. Bei der Besichtigung in der Halle fällt das oft gar nicht auf, wohl aber bei einem Probetörn. Die Preise für einen neuen Belag variieren zwischen 20 Euro pro Quadratmeter (Kiwi-Grip) bis hin zu 700 oder sogar 1000 Euro pro Quadratmeter für ein neues Teakdeck.
Teakdecks sind im Übrigen sehr pflegeintensiv – werden Sie nach einigen Jahren undicht, drohen teure Ausbesserungsarbeiten.

Ein intaktes Rigg als Spaß- und Sicherheitsfaktor

Wanten und Stagen sollten alle zehn Jahre getauscht worden sein. Schwachstellen zeichnen sich frühzeitig ab, zum Beispiel durch Rost an den Pressungen. Gummiüberzieher über den Wantenspannern schüren Korrosion, da sie ein feuchtes Umfeld erzeugen. Zu schwach dimensionierte Leinen und Winschen oder auch eine zu knappe Anzahl erschweren das Handling und wecken über kurz oder lang den Wunsch nach Ersatz. Dann stehen ebenfalls große Investitionen an. Sind die Winschen lediglich schwergängig, können sie recht einfach gewartet werden. Auf Markenprodukte achten, die heute noch existieren. Lewmar und Andersen liefern auch noch Wartungssets für 30 Jahre alte Modelle.

Persenning

 Sprayhoods und Baumpersenninge halten etwa zehn Jahre. Auf verschlissene Stellen oder sich auflösende Nähte achten
Foto: YACHT/ H. Schmidt

Wie man die Segelgarderobe beurteilt, ist eine Frage des Anspruchs. Wer Regatten segelt, wird bereits bei einem fünf Jahre alten Tuch die Nase rümpfen, wohingegen sich Fahrtenskipper selbst mit zehn Jahre alten Tüchern oft noch zufrieden geben. Rostflecken weisen auf schlechte und feuchte Lagerung der Segel hin, müssen die Funktion aber nicht beeinträchtigen.

Mehr als nur ein Flautenschieber

Korrosion

 Einkreisgekühlte Motoren rosten häufig von innen nach außen durch. Nach gut 20 Jahren ist in der Regel ein Austausch fällig. Motoren mit Zweikreiskühlung halten länger durch. 
Foto: YACHT/ Johannes Erdmann

Inspizieren Sie nicht nur die Maschine selbst. Wellenrohr und -lager sollten auf Spiel überprüft werden. Bis zu einem halben Millimeter sind normal. Saildrive-Manschetten auf Porösität untersuchen. Sie müssen nach zehn Jahren getauscht werden, was mindestens 500 Euro kostet. Auch die Wellendichtung anschauen, ob sie wartungsfrei ist oder ob es sich um eine altmodische Stopfbuchse mit Fettpresse handelt.

Ist ein Außenborder montiert, auch den einem sorgfältigen Check unterziehen. Passt die Schraube zum Antriebszweck? Falls es sich um einen Schachtmotor handelt, den Schaft auf Korrosion prüfen, denn durch die permanente Lagerung im Wasser kann Lochfraß auftreten.

Verkabelung

 Sind sämtliche Drähte sauber verlegt und auf einer Verteilerleiste organisiert, sollte die Elektrik keine großen Probleme bereiten
Foto: YACHT/Johannes Erdmann

Verstecke Dauerbrenner? – Elektrik an Bord

Hängen Kabel lose herum, ist Schlimmes zu befürchten – im Seegang können dann Kurzschlüsse auftreten. Überprüfen Sie, wie die Verbraucher abgesichert sind. Schmelzsicherungen sind veraltet, Sicherungs­automaten sollten zum Standard gehören. Außerdem schauen, ob die Dimensionierung der Kabel trotz des Zuwachses an Verbrauchern noch ausreicht. Prüfen Sie, wenn Sie bereits Pläne für neue Installationen haben, ob diese später überhaupt realisierbar sind.

Pantry

 Während Petroleum- und Spirituskocher fast unzerstörbar sind, sollte man insbesondere die Installation der Gasanlage prüfen. Sie kann mit der Zeit undicht werden
Foto: YACHT/Johannes Erdmann

Überraschungen unter Deck? Genau hinschauen!

Manchmal schwimmt ein Schiff nur noch, weil ein alter, schon ausgehärteter Gummischlauch von einer verrosteten Schlauchschelle auf dem Seeventil gehalten wird. Prüfen Sie daher gerade die Ventile, die nur selten geöffnet werden und schwer erreichbar sind.

Ist eine Gasanlage an Bord, sollte unbedingt die fachgerechte Installation untersucht und erfragt werden, wann sie zuletzt abgedrückt worden ist. Die Gummischläuche werden hart und porös, sollten also alle zehn Jahre getauscht werden. Trinkwassertanks, Boiler und alte Schläuche sind Keimzellen von Legionellen. Kühlschränke sind selbst bei GFK-Klassikern Standard. Bei Beginn der Besichtigung einschalten und später die Kühlleistung prüfen. Wenn er nicht mehr richtig kühlt, aber der Kompressor arbeitet, kann fehlende Kühlflüssigkeit die Ursache sein.

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