Performance-Cruiser
Beneteau präsentiert erstmals die neue First 36

Bei Seascape gebaut, von Top-Konstrukteuren entwickelt – wird Beneteaus lang erwartete First 36 die heißeste Premiere des kommenden Modelljahrgangs?

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 05.08.2021
Gefällig, nicht mutig. Äußerlich überrascht die First 36 durch Zurückhaltung. Ihr seglerisches Potenzial soll dagegen größer sein als das vieler namhafter Konkurrentinnen Gefällig, nicht mutig. Äußerlich überrascht die First 36 durch Zurückhaltung. Ihr seglerisches Potenzial soll dagegen größer sein als das vieler namhafter Konkurrentinnen Gefällig, nicht mutig. Äußerlich überrascht die First 36 durch Zurückhaltung. Ihr seglerisches Potenzial soll dagegen größer sein als das vieler namhafter Konkurrentinnen

Beneteau Gefällig, nicht mutig. Äußerlich überrascht die First 36 durch Zurückhaltung. Ihr seglerisches Potenzial soll dagegen größer sein als das vieler namhafter Konkurrentinnen

Was die weltgrößte Sportbootwerft soeben vorgestellt hat, könnte den Markt der schnellen Fahrtenyachten verändern, mindestens aber bereichern. Nach drei Jahren Vorlauf zeigt Beneteau erstmals die First 36. Sie soll an die Glanzzeiten der Modellreihe anknüpfen, die einst eine wichtige Stütze des Konzerns war, dann aber mehr und mehr verblasste, bis gar ihre Einstellung befürchtet werden musste.

Mit der Übernahme von Seascape 2018 und der Integration der kompakten Sportboote von 14 bis 27 Fuß ins Beneteau-Programm war klar: Das soll es noch nicht gewesen sein. Ein Jahr später debütierte die First 53, die seither das obere Ende des Angebots markiert. In der so wichtigen Mitte allerdings klaffte bis jetzt eine Lücke.

Das ist vorbei. Die First 36 füllt das Vakuum von kommendem Jahr an aus. Im Januar wird sie auf der boot Düsseldorf ihre Weltpremiere feiern. Mit knapp 11 Meter Rumpflänge zielt der Performance-Cruiser auf jenen Teil des Marktes ab, der für viele Eigner am attraktivsten ist – groß genug für Törns mit der ganzen Familie oder gar lange Hochsee-Passagen, dabei aber noch kompakt genug fürs Segeln mit kleiner Crew oder einhand.

Auch konzeptionell wird die First 36 eine Art Brückenmodell. Während die kleinen Firsts puristisch und sehr sportlich ausgelegt sind, das Flaggschiff First 53 eher luxuriös, hat Beneteau die Neue punktgenau in die Mitte des Marktes platziert.

Sie soll unter Gennaker schon bei 4 bis 5 Beaufort voll gleitfähig sein, ohne aber Komfort vermissen zu lassen – wenn man so will, ein Boot zwischen X-Yachts XP 38 und der JPK 10.80, zwischen Italia 10.98 und der Pogo 36, zwischen Dehler 38 und J 111.

So sieht die First 36 auch aus: modern, gleichwohl weniger radikal als andere Konstruktionen im Segment und fast zurückhaltend in den Linien. Statt harter Chines hat sie weich ausgerundete Kimmkanten, statt krude verkanteter Kajütaufbauten gerade, fließende Formen. Und wenn die erste Computeranimation nicht trügt, wird sie in der Wasserlinie sehr schmal bleiben.

Beneteau Bei der Feinabstimmung am Cockpit-Modell: Links Gianguido Girotti und Damien Jacob von Beneteau, hinten Stylist Lorenzo Argento, Konstrukteur Sam Manuard mit Seascape-Chef Andraz Mihelin (beide stehend), Miha Klinar (Gesellschafter von GigoDesign (dazwischen) mit Luka Stepan (Gigo-Chef) und Martin Sostaric (Gigo-Designer) für Seascape

Das Team, das da am Werk war, lässt auf eine Wölfin im Schafspelz hoffen.

  • Als Naval Architect fungierte bei der Entwicklung Seascapes Hauskonstrukteur Sam Manuard, der einige der schnellsten Minis, Class 40 und mit "l'Occitane" auch einen der radikalsten Imoca 60 gezeichnet hat. Für Jérémie Beyou entwickelt er die neue "Charal".
  • Stilistisch hatte Lorenzo Argento das Sagen, Kreativkopf unter anderem für Wally, Michael Schmidts Y-Yachts, Brenta und inzwischen für Beneteaus First-Reihe.
  • Struktur und Festigkeitsberechnungen übernahm Giovanni Belgrano, dessen Büro „Pure Design Engineering“ von Nautor’s ClubSwan 36 bis zu Ineos’ 75-Fuß America’s-Cup-Foiler so ziemlich überall gefragt ist.
  • Für Funktionalität und Interior war GigoDesign verantwortlich, ein internationales Gestaltungsbüro, das schon die kleinen Seascapes maßgeblich begleitet hat.

In dieser Breite und Klasse ist es einmaliges Aufgebot für die Entwicklung einer Serienyacht.

Namhafte Konstrukteure hatte Beneteau zwar schon oft in der First-Geschichte verpflichtet; zuletzt 2010 beim Entwurf der First 30 durch Juan Kouyoumdjian, dem Vendée-Globe-Doppelsieger Michel Desjoyeaux zur Seite stand. Doch das Projekt scheiterte, weil das ehrgeizig konzipierte Boot am Ende deutlich zu schwer geriet und so nie sein volles Potenzial entfalten konnte.

Das soll sich jetzt nicht wiederholen. Und wohl auch deshalb wird die First 36 nicht bei Beneteau in Frankreich, sondern bei Seascape in Slowenien gebaut, wo man sich auf leichte, feste GFK-Strukturen versteht. Gelingt es, in der Verdrängung deutlich unter 5 Tonnen zu bleiben und im Preis unterhalb von Pogo oder J-Boats, wäre die First fraglos ein Renner, und zwar in des Wortes doppelter Bedeutung.

Giovanni Belgrano jedenfalls, dessen Team die Festigkeitsberechnungen vorgenommen und den Laminatplan mit entwickelt hat, legt die Latte hoch: Die First 36 werde "viel lebendiger und leichter sein" als die meisten Wettbewerber. Beneteau beschreibt sie als "perfekten Club-Racer und fähiges Fahrtenboot".

Die Vertriebsmannschaft, der Beneteau Anfang Juli das Projekt vorgestellt hat, ist bereits aus dem Häuschen, und zwar rund um den Globus. Das bestätigten mehrere Händler gegenüber der YACHT. Und das, obwohl noch keine weiteren Daten vorliegen und keine Preisliste existiert – beides soll frühestens im September veröffentlicht werden, entweder beim Yachting Festival in Cannes oder im Rahmen der Bootsmesse Grand Pavois in La Rochelle. Danach erst können Vor-Order platziert werden, um die es absehbar ein Hauen und Stechen geben wird.

Vielleicht ist dies der wichtigste Grund für die frühe Begeisterung: Gefragt, gegen welche Wettbewerber sich die First 36 zu behaupten habe, muss Sam Manuard lange nachdenken. Dann sagt der bescheidene, rationale, nie zu Übertreibungen neigende Konstrukteur: „Ich weiß wirklich nicht, wer die Konkurrenz für dieses Boot sein könnte.“


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Themen: Lorenzo ArgentoPerformance CruiserSam ManuardSeascape

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