YachtbauWie Hanjo Runde Hanseyachts noch erfolgreicher machen will

Jochen Rieker

, Fridtjof Gunkel

 · 10.03.2022

Yachtbau: Wie Hanjo Runde Hanseyachts noch erfolgreicher machen willFoto: HanseYachts AG

Seit Oktober hat Hanseyachts einen neuen Chef. Exklusiv-Interview mit Hanjo Runde, 42, über Ist, Soll und warum Innovation an erster Stelle steht

Lange war es still um den neuen Kapitän von Deutschlands größter Serienbootswerft. Hanjo Runde, zuvor verantwortlich für den Küchenbauer Siematic, steht bereits seit 1. Oktober am Ruder des Greifswalder Unternehmens. Jetzt äußerte sich der neue Hanseyachts-CEO erstmals gegenüber der YACHT über seine Ziele und seine Strategien.

Das Gespräch in der Hamburger Redaktion dauerte insgesamt zwei Stunden. In voller Länge erscheint es in YACHT 7/2022 (ab 18. März bei den Abonnenten, ab 23. März am Kiosk). Darin gibt der Vertriebsexperte und erfahrene Industriemanager Einblicke in jenen Prozess, der die Werft von jetzt an formen und verändern wird.

Dass Runde nicht eher an die Öffentlichkeit ging, liegt daran, dass er zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme voranstellte und ein neues Leitbild für das Unternehmen und seine insgesamt 2.000 Mitarbeiter entwickeln wollte. Nun beginnt die Implementierung, die Hanseyachts noch effizienter, die Produkte qualitativ noch besser und den Umsatz mittelfristig um deutlich mehr als 50 Prozent steigern soll – von zuletzt 120 auf 200 Millionen Euro.

Mit einem Auftragsvolumen von derzeit knapp 315 Millionen Euro scheint das Umsatzziel nicht in allzuweiter Ferne zu liegen. Doch es gibt auch Herausforderungen für die neue Führungscrew, zu der neben Runde noch ein weiterer Newcomer zählt, Stefan Zimmermann.

Lesen Sie hier Auszüge aus dem Exklusiv-Interview:

Herr Runde, Sie leiten seit einem halben Jahr die nach Stückzahlen zweitgrößte Werft der Welt. Wie war Ihr erster Eindruck von Betrieb und Mitarbeitern?

Hanseyachts ist durch Michael Schmidt groß geworden. Diese Prägung durch den Gründer spürt man noch. Alle sind sehr unternehmerisch und pragmatisch. Es arbeiten extrem ehrliche, freundliche, offene Menschen hier. Es gibt ganz wenig Politik im Unternehmen, ganz viel Leidenschaft, vom Band bis zum Management. Ich habe meine ersten acht Berufsjahre bei Airbus zugebracht. Als ich zum ersten Mal in die Werfthallen kam und auf die Rümpfe blickte, dachte ich: Jetzt bist du wieder zu Hause!

Was sehen Sie als Ihre wichtigste Aufgabe an?

Am wichtigsten ist es, die Unternehmenskultur zu prägen. Nur wenn unsere Unternehmenskultur stark ist, werden wir erfolgreich sein. Dies führt dann zu hoher Qualität und nachhaltigem profitablem Wachstum.

Dann war doch nicht alles im Lot in Greifswald?

Unsere Kultur beruht auf einem konstruktiven Miteinander, einer großen Offenheit – wie in einer Crew an Bord. Das ist ein schöner Startpunkt. Wenn man neu reinkommt in ein Unternehmen, sieht man natürlich Ziele, wo man hin will. Und von diesem Soll-Bild ist man immer ein Stück weit entfernt. Für mich ist wichtig, die Leistung als Team in den Vordergrund zu stellen, immer zu versuchen, diesem Ideal nahe zu kommen. Das fängt beim Thema Menschenorientierung an, weil Werte-Schaffen mit Wertschätzung beginnt. Eine der größten Aufgaben im Management ist es, die Menschen für sich zu gewinnen.

Das klingt abstrakt. Erreichen Sie damit die ganze Belegschaft?

Ich glaube, jeder Mensch freut sich, wenn sich der andere für ihn interessiert. Das Gesehenwerden bestimmt auch die Wahrnehmung über uns selber. Wir haben in allen unseren Standorten Workshops gemacht, mit jedem einzelnen Mitarbeiter. Hier kam viel Anerkennung und auch ein konstruktiver Austausch zu Verbesserungspotenzialen. Wenn ich die höchste Qualität sicherstellen will, dann müssen die Mitarbeiter ihr Produkt lieben. Es muss allen klar sein: Wir bauen nicht Boote, wir erfüllen die Lebensträume unserer Kunden. Für den Familienvater, der mit seiner Familie auf Törn gehen will, ist es eben nicht egal, ob ich die Schraube zu hart oder zu locker setze, gerade in sicherheitsrelevanten Bereichen.

Hanseyachts ist breit aufgestellt: Segelyachten, Kats und Motorboote. Bleibt das so?

Wir haben sehr gut eingeführte, international anerkannte Modelllinien. Eine Multi-Marken- Strategie macht aus vielen Per­spektiven Sinn, und eine breite Palette im Übrigen auch. Lassen Sie es mich so sagen: Kern unserer Strategie ist Innovation. Der Erfolg der Hanse­yachts AG wird davon abhängen, wie schnell wir Innovation in den einzelnen Segmenten treiben können. Hier werden wir weiter investieren. Sollte sich der Markt einmal abkühlen, dann wird das noch viel wichtiger. Das ist für uns im Übrigen auch eine Art Risikomanagement.

Sehen Sie noch Potenzial für weitere Marken?

Da ist einiges Spannendes, das man machen kann, Segmente, die stark wachsen, wo wir noch nicht sind. Bevor Sie aber fragen, was genau: Das will ich Ihnen noch nicht verraten.

Soll Hanse qualitativ mehr in den Premium-Bereich gehen?

Ich denke, das sind wir bereits. Die Hanse 460 setzt Maßstäbe, da sehen Sie bereits das neue Gesicht der Marke. Sie ist ja nicht ohne Grund Europas Yacht des Jahres in ihrer Klasse.

Lässt sich das auch auf kleinere Modelle übertragen?

Wir werden nicht den Fehler machen, bei den folgenden Modellen Kompromisse einzugehen, gerade nicht bei den kleineren.

Wie wichtig ist der Segelbereich für Hanseyachts?

Segelboote sind unser Kerngeschäft, wir sind damit groß geworden. Aktuell sind wir die Nummer zwei weltweit nach Stückzahlen. Mit großem Abstand zur Nummer eins zwar, aber den wollen wir verkürzen.

Wie viel rationeller wollen und können Sie werden?

Die Yachtindustrie ist im Vergleich zu Automotive und Luftfahrt noch recht jung. Es gibt sicher noch manches zu optimieren. Aber wenn ich anfange, zu sehr in Gleichteilen zu denken, zu sehr Einspareffekte zu suchen, wäre das verkehrt. Wir setzen auf Innovation.

Wir haben viel über Chancen gesprochen. Welche Herausforderungen sehen Sie?

Aus Händlersicht ist es der Mangel an Liegeplätzen. Das macht sich schon bemerkbar und könnte das Wachstum etwas abschwächen. Uns als Werft fordern aktuell die gestörten Lieferketten heraus, aber auch die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Gesellschaftlich ist es sicher das Thema Nachhaltigkeit, das uns beschäftigen wird. Unser Ansatz heißt: Green Factory, eine klimaneutralere Fertigung. Wir wollen unsere Standorte optimieren; in Greifswald haben wir schon damit begonnen.

Es wurde vor Ihrem Antritt gemutmaßt, dass Sie den Verkauf der Werft vorbereiten sollen. Stimmt das?

Ich bin da, um Hanse weiterzuentwickeln, und das ist auch mit unserem Haupteigentümer Aurelius so besprochen. Unser Ziel sind 200 Millionen Euro Umsatz. Das geht nicht mal eben so. Für eine kurzfristige Ergebnisoptimierung wäre ich der Falsche.

Dann sind Sie gekommen, um zu bleiben?

Ja klar! Sehen Sie: Ich war acht Jahre bei Airbus, ich war über zehn Jahre bei Hilti. Hanse ist ein absoluter Traumjob.

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