WerftenWieder Hoffnung für Finngulf

Jochen Rieker

 · 19.02.2013

Werften: Wieder Hoffnung für FinngulfFoto: Finnboat/YACHT-Archiv
Eines von vier Modellen, die wieder aufgelegt werden sollen: Finngulf 41
Eine Gruppe von Investoren hat Markenrechte und Formen der Finngulf 331, 37, 41 und 46 übernommen – ab Herbst soll die Produktion starten

Die einstmals hoch angesehene und für ihre zeitlosen Performance-Cruiser geschätzte finnische Marke steht offenbar vor einem Neustart. Nachdem Finngulf schon 2010 den eigentlichen Werftbetrieb aufgeben und im Herbst 2011 Insolvenz anmelden musste, tritt nun eine Gruppe estländischer und schwedischer Gesellschafter die Nachfolge an.

In einer ersten Stellungnahme zu der Akquisition schreiben sie heute: "Wir werden sicherstellen, dass die Fertigung von Finngulf mit den gleichen Werten und derselben Premium-Qualität weitergeht, die Eigner von der Marke erwarten."

Dreh- und Angelpunkt des Konsortiums ist Markku Allen, ein Unternehmer, der in der Nähe von Tallinn über eigene Produktionsanlagen verfügt. Mit dabei sind aber auch Tresfjord, eine ehemals norwegische, jetzt schwedische Motorboot-Marke, sowie Castello Boats aus Finnland.

Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, haben die Partner nicht das gesamte Portfolio von Finngulf übernommen, wohl aber den Kern, der durchweg auf Entwürfen von Konstrukteur Karl Johan Strahlmann beruht. Er umfasst die Finngulf 331, 37, 41 und 46. Die von Farr Yacht Design gezeichnete Finngulf 43 und die kleinere 28E von Strahlmann werden dagegen nicht fortgeführt.

Das Unternehmen wird künftig unter dem Namen Finngulf Tresfjord AB firmieren. Die Produktion soll in Estland aufgebaut werden, wo auch bisher schon die kleineren Einheiten von Finngulf entstanden. Um den Neuanfang zu erleichtern, werden Teile der alten Belegschaft beteiligt sein. Stig Nordblad, der Gründer von Finngulf, war ebenfalls gefragt worden, ob er nicht mitmachen wolle, doch der 65-Jährige winkte ab. Gegenüber YACHT online sagte er: "Ich habe mit dem Aufbau von Saare schon genug zu tun, und in meinem Alter ist es ja eigentlich an der Zeit, kürzer zu treten." Er habe aber Vertrauen in die neuen Gesellschafter und wünsche ihnen Erfolg.

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Im Herbst 2013 soll es wieder losgehen. Dabei spielt auch der deutsche Markt eine nicht unbedeutende Rolle, denn Finngulf hatte in den achtziger und neunziger Jahren hier einen treuen Eignerstamm. Jürgen Jacobs aus Sierksdorf, bis vor zwei Jahren Händler für Deutschland, wäre "durchaus interessiert" an einer Fortführung. Gespräche aber gab es noch nicht.

Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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