WerftenSQ Freienohl steht vor dem Aus

Jochen Rieker

 · 26.10.2014

Werften: SQ Freienohl steht vor dem AusFoto: YACHT/S.Reineke
Flinker Kreuzer, zäher Markt. Die SQ 25 konnte sich nicht rasch genug etablieren
Kaum Nachfrage nach der SQ 25, zu wenig Fremdaufträge – jetzt wird der Werftbetrieb, der schon so viele Umbrüche erlebt hat, liquidiert

Für die Bootsbauer im Sauerland ist es ein bitterer Moment. Zum wiederholten Mal stehen sie mit dem Rücken zur Wand. Nach YACHT-Informationen wird die Werft bis zum Jahresende abgewickelt. Die Mitarbeiter haben schon ihre Kündigungen erhalten. Was aus dem Standort werden soll, an dem vor 50 Jahren Dehler entstand und der bis zuletzt für hohe handwerkliche Qualität bekannt war, ist völlig offen.

  SQ-Gesellschafter Bert SchattschneiderFoto: YACHT/N. Krauss SQ-Gesellschafter Bert Schattschneider

Wie Mehrheitsgesellschafter Bert Schattschneider gegenüber YACHT online bestätigte, hat er bereits einen Liquidationsantrag gestellt. Kunden und Lieferanten werden in diesen Tagen über die Schließung unterrichtet.

"Wir haben alles versucht und waren mit unserer SQ 25 im September noch auf der Interboot", sagte Schattschneider. Trotz sehr positiver Signale und ernsthaftem Interesse seien aber keine Kaufverträge zustandegekommen. "Das muss man dann, so schwer es fällt, einfach akzeptieren."

Zwar hatte SQ Freienohl nicht nur auf die eigene kleine Yacht gesetzt; zum Konzept gehörte auch der Refit älterer Boote sowie insbesondere die Auftragsfertigung für andere Marken, darunter Biehlmarin und Comfortina. Doch reichte auch das nicht, um die Auslastung der Werft sicherzustellen. "Wir haben das Risiko bewusst auf mehrere Standbeine verteilt", so Schattschneider. "Aber sie waren alle nicht stark genug."

Noch ist nicht geklärt, was mit den Formen, Markenrechten, Maschinen und den Mitarbeitern wird. Gespräche mit Investoren laufen offenbar. Es erscheint aber sehr fraglich, ob der Betrieb in seiner jetzigen Größe und Form bestehen bleibt. Endet damit ein halbes Jahrhundert Bootsbau im Sauerland? Oder findet die Belegschaft erneut eine Lösung, wie schon vor zwei Jahren nach der Verlagerung der Dehler-Produktion? Zuzutrauen ist es ihr.

  Starke Qualität, schwacher Verkauf. Mit nur einem Modell war die Werft nicht ausgelastetFoto: YACHT/N. Krauss Starke Qualität, schwacher Verkauf. Mit nur einem Modell war die Werft nicht ausgelastet
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Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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