Fabian Boerger
· 15.01.2026
Der Sturm scheint vorerst überstanden, die pessimistische Stimmung verflogen: Nach turbulenten Jahren findet die Branche wieder festeren Boden unterm Kiel. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbarometer des Verbands Maritime Wirtschaft Deutschland (VMWD) für 2025 hervor. Trotz schwacher Gesamtkonjunktur in Deutschland zeigte sich die Wassersportbranche im vergangenen Jahr deutlich stabiler als noch in dem Jahr davor.
Fast 38 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten laut VMWD ihre Geschäftslage als unverändert stabil – im Vorjahr waren es noch 24 Prozent. Der Anteil negativer Meldungen sank spürbar. 2024 hatte die Branche noch unter erheblichem Druck gestanden: Stagnierendes Wirtschaftswachstum, unbefriedigende Zinsentwicklung und vor allem der drohende Verlust Tausender Industriearbeitsplätze belasteten die Stimmung. Was bereits im Herbst in der Branche zu hören war, bestätigte das VMWD-Barometern nun mit Zahlen: Die Kurve steigt mit dem Jahr 2025 wieder an, wenn auch nur sachte.
Für das Konjunkturbarometer befragt der Verband der Maritimen Wirtschaft Deutschland die Branchenbetriebe anhand von 18 Fragen. Diese reichen von der allgemeinen Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage über die Umsatzentwicklung bis hin zum Zustand der Wasserstraßeninfrastruktur und der potenziellen Entwicklung der Boot-Verkaufspreise. Die Antworten fließen in die fünf Segmente des Barometers ein und machen es zu einem wichtigen Stimmungsindikator für die maritime Freizeitwirtschaft.
Bei Neubooten zeichnete sich eine klare Zweiteilung ab. Sehr kleine Segelboote und Einstiegsmodelle verharrten auf stabilem Niveau, während mittlere und große Bootsklassen spürbare Zuwächse verzeichneten. Bemerkenswert: Segelboote zwischen 7,5 und 12 Metern erleben eine Trendwende. Der Anteil der Betriebe mit besseren Umsätzen stieg 2025 von fünf auf beinahe 20 Prozent. 2024 berichteten die Unternehmen noch von rückläufigen oder allenfalls gleichbleibenden Absätzen.
Bei kleinen Motor- und Schlauchbooten blieb es dagegen ruhig – stabil, aber ohne deutliche Impulse. Der VMWD erklärt das mit “der Rückkehr investitionsstarker Kunden im größeren Bootssegment”. Käufer kleinerer Boote hingegen halten sich eher zurück oder weichen auf den Gebrauchtmarkt aus.
Gebrauchte Boote blieben weiterhin ein starkes Segment der Branche. Über alle Größen hinweg gingen laut VMWD die negativen Meldungen zurück. Auffällig ist: Bei großen Segelyachten meldeten über 30 Prozent der Händler steigende Umsätze. Die Gründe: Gebrauchte Boote sind sofort verfügbar, günstiger und mit ihnen hat man keine Probleme hinsichtlich Lieferzeiten und Kostensteigerungen.
Der Markt ist gereift – und hat in seiner Stabilität eine neue Qualität gewonnen.“
Auch die Dienstleistungsbereiche erwiesen sich 2025 als zuverlässig. Mehr als ein Drittel der Betriebe gab an, Umsatzsteigerungen zu verzeichnen, knapp die Hälfte sprach von stabilen Zahlen.
Ähnlich sah es in der Charterbranche aus: Segel-, Motor- und Hausbootvermieter meldeten überwiegend konstante Ergebnisse, ähnlich wie schon 2024, während Kanu- und Kajakverleiher sogar zulegen konnten. Auch Schulen, Häfen und Sachverständige bewegten sich in ruhigem Fahrwasser und profitierten laut Verband von ihrer relativen Konjunkturunabhängigkeit.
Bei den Rahmenbedingungen haben sich die Herausforderungen der letzten Jahre nicht vollends aufgelöst. Energiepreise, hohe Zinsen und die gesamtwirtschaftliche Lage bremsen weiterhin. Dazu kommt laut VMWD ein neues Phänomen hinzu: 42 Prozent der Betriebe haben bei Kunden eine „Konsum-Scham" wahrgenommen. Heißt: potenzielle Käufer halten sich stärker zurück und achten zunehmend auf Nachhaltigkeit. Luxusgüter wie Boote geraten so unter Rechtfertigungsdruck.
Außerdem blieb 2025 der Fachkräftemangel als Problem bestehen. Mehr als ein Drittel der Unternehmen sieht darin eine zentrale Hürde, gefolgt von Auftragsmangel und gestiegenen Betriebskosten. Das Fazit des Verbands: „Die Branche kämpft weniger gegen fehlende Nachfrage als gegen strukturelle Rahmenbedingungen.“
Für die kommende Saison rechnen fast 40 Prozent der Betriebe mit stabilen Verhältnissen – mehr als im Vorjahr. 2024 gingen noch 37 Prozent von einer wirtschaftlichen Stagnation aus (2023: 32 Prozent). Pessimistische Einschätzungen nehmen ab, während rund ein Viertel der Unternehmen mit Verbesserungen rechnet. Das Fazit des VMWD: Ein Boom stehe nicht bevor, aber erstmals seit Jahren zeichne sich ein planbares und kalkulierbares Jahr ab.
Der Geschäftsführer des Verbands Maritime Wirtschaft Deutschland, Karsten Stahlhut, sagt:
”2025 war ein stabiles Jahr. Die Unternehmen gehen davon aus, dass der Handel in 2026 noch etwas mehr Fahrt aufnehmen wird. Langfristig müssen wir dem demographischen Wandel mehr entgegensetzen, als wir das aktuell machen. Dazu müssen alle an einem Strang ziehen.”