Eine Meile lang, 30 Decks hoch, 80.000 Menschen an Bord: Freedom Ship klingt nach Science-Fiction. Doch hinter dem Konzept steckt ein ernsthaftes Milliardenprojekt, das gerade wieder Fahrt aufnimmt. Das hinter dem Vorhaben stehende Unternehmen Freedom Cruise Line International hat angeblich mit Schopfer Associates LLC ein international ausgezeichnetes Architekturbüro als leitendes Designbüro verpflichtet. Der nächste Schritt in Richtung schwimmende Stadt ist damit getan, auch wenn ein Baustart weiter nicht feststeht.
Das in Florida ansässige Unternehmen Freedom Cruise Line International hat mit Schopfer Associates LLC ein Büro verpflichtet, das nach eigenen Angaben internationale Designpreise vorweisen kann, darunter eine Auszeichnung beim A’ Design Award & Competition. Unter der Leitung von E. Kevin Schopfer soll das Büro die gestalterische Gesamtverantwortung übernehmen, von der städtebaulichen Planung über öffentliche Bereiche bis hin zur visuellen Identität des Projekts. Freedom Cruise Line International bezeichnet den Schritt als historischen Meilenstein für das Vorhaben.
Die Dimensionen sprengen alle bekannten Maßstäbe der Schifffahrt. Freedom Ship wird als etwa eine Meile langes Schiff mit rund 800 Fuß Breite und 30 Decks Höhe beschrieben. Mit über zwei Millionen Bruttoregistertonnen wäre es laut Projektangaben das größte maritime Bauwerk, das je errichtet wurde. Das größte derzeit in Fahrt befindliche Passagierschiff der Welt wirkt dagegen klein.
Die Grundidee dahinter ist ebenso radikal wie die Maße. Freedom Ship soll nicht zwischen Häfen pendeln oder Urlauber auf Rundreisen mitnehmen. Das Schiff ist als dauerhaft bewohnte mobile Gemeinschaft gedacht, die die Erde langsam umrundet. Laut Projektbeschreibung soll Freedom Ship an großen Häfen jeweils eine Woche oder länger Station machen. Besucher sollen per Fähre oder Flugzeug an Bord kommen. Einen festen Heimathafen gibt es nach dem Konzept nicht.
Wer an Bord lebt, soll alles Notwendige in unmittelbarer Nähe vorfinden. Die Planungen nennen Wohn- und Gewerbeflächen zum Kauf oder zur Miete, Schulen von der Grundschule bis zur Oberstufe, Restaurants, Banken, Spas, Kasinos, Duty-free-Bereiche, Parks und Freizeitanlagen. Auch ein eigenes Krankenhaus mit medizinischer Forschungseinrichtung ist vorgesehen.
Bei der Antriebstechnik setzt das Konzept nach Projektangaben auf ein hybrides Antriebssystem mit Energierückgewinnungssystemen sowie auf umfassendes Wasser- und Abfallmanagement. Nachhaltigkeit wird von den Projektverantwortlichen ausdrücklich als ein zentrales Ziel genannt.
Die oft genannte Zahl von 80.000 Menschen braucht eine Einordnung. Die Projektbeschreibung spricht von Voll- und Teilzeitgästen insgesamt, also von Bewohnern, Besuchern und Crew zusammen. Freedom Ship ist damit kein Kreuzfahrtschiff mit 80.000 Gästen an Bord, sondern ein schwimmender Lebensraum, der dauerhaft bewohnt sein soll. Wer an Bord wohnt, lebt dort nicht für eine Reise, sondern auf Dauer. Das unterscheidet das Konzept grundlegend von jedem bisher gebauten Passagierschiff.
Einen konkreten Zeitplan für den Bau oder einen Standort für die Werft nennt das Unternehmen nicht. Auch zur Finanzierung gibt es keine Angaben. Die Kosten schwanlen je nach Quelle zwischen 12 und 20 Milliarden Dollar.
Das Konzept tauchte erstmals Ende der 1990er-Jahre auf. Als treibende Figur dieser frühen Phase gilt der Ingenieur Norman Nixon. Aus jener Zeit stammen auch die ersten Visualisierungen und Kostenschätzungen, mit denen das Projekt international bekannt wurde. Eine erste Baukostenangabe von rund sechs Milliarden US-Dollar kursierte bereits 1999.
Seitdem ist Freedom Ship in größeren Abständen immer wieder aufgetaucht, ohne dass je ein Baustart folgte. Die Bekanntgabe von Schopfer Associates als neuem Designpartner ist der aktuellste dieser Aufschläge. Er hat eine neue internationale Berichtswelle ausgelöst, liefert aber noch keinen Beleg dafür, dass das Schiff nun tatsächlich gebaut wird. Und. Auf der Webseite des Designers taucht das Projekt bisher nicht auf.
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