Freedom ShipSchwimmende Stadt für 80.000 Menschen soll um die Welt fahren

Lars Bolle

 · 18.06.2026

Das konzipierte Seefahrts-Monster.
Foto: Freedom Ship
​Freedom Ship soll die größte schwimmende Stadt der Welt werden. Jetzt hat das Projekt ein renommiertes Architekturbüro verpflichtet und sorgt damit für neue Schlagzeilen.

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Eine Meile lang, 30 Decks hoch, 80.000 Menschen an Bord: Freedom Ship klingt nach Science-Fiction. Doch hinter dem Konzept steckt ein ernsthaftes Milliardenprojekt, das gerade wieder Fahrt aufnimmt. Das hinter dem Vorhaben stehende Unternehmen Freedom Cruise Line International hat angeblich mit Schopfer Associates LLC ein international ausgezeichnetes Architekturbüro als leitendes Designbüro verpflichtet. Der nächste Schritt in Richtung schwimmende Stadt ist damit getan, auch wenn ein Baustart weiter nicht feststeht.

Neues Architekturbüro, frische Aufmerksamkeit

Das in Florida ansässige Unternehmen Freedom Cruise Line International hat mit Schopfer Associates LLC ein Büro verpflichtet, das nach eigenen Angaben internationale Designpreise vorweisen kann, darunter eine Auszeichnung beim A’ Design Award & Competition. Unter der Leitung von E. Kevin Schopfer soll das Büro die gestalterische Gesamtverantwortung übernehmen, von der städtebaulichen Planung über öffentliche Bereiche bis hin zur visuellen Identität des Projekts. Freedom Cruise Line International bezeichnet den Schritt als historischen Meilenstein für das Vorhaben.

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Eine Stadt, die nie ankert

Die Dimensionen sprengen alle bekannten Maßstäbe der Schifffahrt. Freedom Ship wird als etwa eine Meile langes Schiff mit rund 800 Fuß Breite und 30 Decks Höhe beschrieben. Mit über zwei Millionen Bruttoregistertonnen wäre es laut Projektangaben das größte maritime Bauwerk, das je errichtet wurde. Das größte derzeit in Fahrt befindliche Passagierschiff der Welt wirkt dagegen klein.

Die Grundidee dahinter ist ebenso radikal wie die Maße. Freedom Ship soll nicht zwischen Häfen pendeln oder Urlauber auf Rundreisen mitnehmen. Das Schiff ist als dauerhaft bewohnte mobile Gemeinschaft gedacht, die die Erde langsam umrundet. Laut Projektbeschreibung soll Freedom Ship an großen Häfen jeweils eine Woche oder länger Station machen. Besucher sollen per Fähre oder Flugzeug an Bord kommen. Einen festen Heimathafen gibt es nach dem Konzept nicht.

Die Konzeptpräsentation im Video

Wohnungen, Schulen, Stadion und Wasserpark

Wer an Bord lebt, soll alles Notwendige in unmittelbarer Nähe vorfinden. Die Planungen nennen Wohn- und Gewerbeflächen zum Kauf oder zur Miete, Schulen von der Grundschule bis zur Oberstufe, Restaurants, Banken, Spas, Kasinos, Duty-free-Bereiche, Parks und Freizeitanlagen. Auch ein eigenes Krankenhaus mit medizinischer Forschungseinrichtung ist vorgesehen.

Bei der Antriebstechnik setzt das Konzept nach Projektangaben auf ein hybrides Antriebssystem mit Energierückgewinnungssystemen sowie auf umfassendes Wasser- und Abfallmanagement. Nachhaltigkeit wird von den Projektverantwortlichen ausdrücklich als ein zentrales Ziel genannt.

80.000 Menschen, aber nicht 80.000 Passagiere

Die oft genannte Zahl von 80.000 Menschen braucht eine Einordnung. Die Projektbeschreibung spricht von Voll- und Teilzeitgästen insgesamt, also von Bewohnern, Besuchern und Crew zusammen. Freedom Ship ist damit kein Kreuzfahrtschiff mit 80.000 Gästen an Bord, sondern ein schwimmender Lebensraum, der dauerhaft bewohnt sein soll. Wer an Bord wohnt, lebt dort nicht für eine Reise, sondern auf Dauer. Das unterscheidet das Konzept grundlegend von jedem bisher gebauten Passagierschiff.

Bauort und Zeitplan bleiben offen

Einen konkreten Zeitplan für den Bau oder einen Standort für die Werft nennt das Unternehmen nicht. Auch zur Finanzierung gibt es keine Angaben. Die Kosten schwanlen je nach Quelle zwischen 12 und 20 Milliarden Dollar.

Das Projekt ist älter, als es gerade wirkt

Das Konzept tauchte erstmals Ende der 1990er-Jahre auf. Als treibende Figur dieser frühen Phase gilt der Ingenieur Norman Nixon. Aus jener Zeit stammen auch die ersten Visualisierungen und Kostenschätzungen, mit denen das Projekt international bekannt wurde. Eine erste Baukostenangabe von rund sechs Milliarden US-Dollar kursierte bereits 1999.

Seitdem ist Freedom Ship in größeren Abständen immer wieder aufgetaucht, ohne dass je ein Baustart folgte. Die Bekanntgabe von Schopfer Associates als neuem Designpartner ist der aktuellste dieser Aufschläge. Er hat eine neue internationale Berichtswelle ausgelöst, liefert aber noch keinen Beleg dafür, dass das Schiff nun tatsächlich gebaut wird. Und. Auf der Webseite des Designers taucht das Projekt bisher nicht auf.


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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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