BootsbauStoppt Beneteau die First-Modellreihe?

Jochen Rieker

 · 29.09.2015

Bootsbau: Stoppt Beneteau die First-Modellreihe?Foto: Gerard Beauvais

Rückläufige Verkaufszahlen, keine Neuheiten – die sportliche Linie des Marktführers, jahrelang ein Erfolgsgarant, steht auf dem Prüfstand

Eine der spannendsten Nachrichten bei der Herbstpressekonferenz der Beneteau-Gruppe war gar keine. Als das Topmanagement der weltgrößten Sportbootwerft auf dem Yachting Festival in Cannes Anfang September positive Trends und zahlreiche interessante Neuheiten präsentierte, fiel eine Marke nur durch ihre Abwesenheit auf: die First-Reihe von Beneteau.

Tatsächlich zählen die Cruiser/Racer im Konzern, der ansonsten in bemerkenswert guter Verfassung durch die Finanzkrise segelte, zu den Sorgenkindern. Die ruhmreiche Modellreihe bleibt seit Jahren hinter den Erwartungen von Hersteller und Händlern zurück. Schon im Vorjahr gab es keine echte Neuheit mehr. Dieses Mal wurde First in den Präsentationen nicht einmal mehr erwähnt.

Dabei fehlt es nicht an Erfolgen auf der Regattabahn. Die aktuelle First 40 "BM-Yachting" holte kürzlich vor Flensburg erst den Titel bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Seesegeln. Voriges Jahr gewann der gleiche Bootstyp die ORCi-Gruppe 2 beim Rolex Sydney to Hobart Race.

Auf Nachfrage bestätigte der neue Chef der Beneteau-Gruppe, Hervé Gastinel, dass die First-Linie auf dem Prüfstand steht. "Heute gibt es schnelle Fahrtenyachten, die mit unseren Booten rivalisieren", sagte er. Daher werde die Weiterführung der Modellreihe intensiv diskutiert. "Wir machen uns das nicht leicht. Es ist eine echte Herausforderung für das Unternehmen."

Tatsächlich ist das Segment der klassischen Cruiser/Racer aus Großserie von allen Seiten in Bedrängnis gekommen:

  • Eigner, die sich sportlich weiterentwickeln wollen, favorisieren eher Grand-Prix-ähnliche Konstruktionen, die IRC-optimiert sind, wie die Ker 40.
  • Dann räubern inzwischen auch neue Wettbewerber im angestammten Umfeld. Marken wie Pogo, JPK oder Django haben Merkmale von Class 40 und Open 60 in ihre Yachten aufgenommen und bieten vor allem raumschots mehr Potenzial, teils auch mehr Raumvolumen. Außerdem sind sie für kleinere Crews und Einhandbetrieb optimiert. Dagegen wirken Beneteaus First-Modelle eher konservativ.
  • Zugleich ist das sportliche Segment insgesamt weniger stark nachgefragt, weil sich Eigner mit zunehmendem Alter mehr aufs Fahrtensegeln verlegen – und dafür andere Boote favorisieren.

Während frühere First-Modelle wie die 27.7 oder 40.7 hundertfach verkauft wurden und echte Bestseller waren, konnten ihre Nachfolger nicht mehr an die wirtschaftlich erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen. Die First 30 war so etwas wie ein letzter Versuch, technologisch den Anschluss zu halten. Doch das von Juan Kouyoumdjian konstruierte und von Michel Desjoyeaux mitentwickelte Boot mit Doppelruder, Chines und extrem breitem Heck blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück: zu schwer gebaut, zu wenig agil.

Droht jetzt für die gesamte Linie das Aus?

Diese Möglichkeit ist zumindest nicht ausgeschlossen. Denn ein Bekenntnis, gar eine Garantie für den Fortbestand mochte Beneteau-Chef Gastinel nicht abgeben. Er verwies auf die laufenden Gespräche und kündigte eine Entscheidung frühestens für Dezember an – auf dem Salon Nautique in Paris.

Ganz so schlimm dürfte es gleichwohl nicht kommen. Das zumindest versicherten mehrere unternehmensnahe Quellen auf Nachfrage gegenüber YACHT online. "Ein Ende der First-Reihe wird es nicht geben", sagte ein Beneteau-Insider. "Das würde Madame Roux (die Enkelin von Werftgründer Benjamin Beneteau, langjährige Chefin und Anteilseignerin; die Red.) nicht zulassen."

Ein Aspekt dabei könnte sein, dass 2019 eine Ablösung der Figaro II ansteht – jenes Bootes, auf dem der französische Hochsee-Nachwuchs trainiert und das 2003 auf Basis der First 31.7 entstand. Kaum vorstellbar, dass Beneteau dieses Prestigeprojekt anderen überlassen sollte.

Umso mehr stellt sich aber die Frage, wie es mit First künftig weitergeht: eher klassisch, wie bisher – oder innovativer, reduzierter, leichter, wie es die heimische Konkurrenz vormacht? Eine wegweisende Entscheidung!

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