Tyrena76 Meter langer Wingsail-Kat von VPLP

Sören Gehlhaus

 · 10.10.2026

Das Tuch fährt jeweils an unverstagten Masten zu beiden Seiten nach oben und ergibt ...
Foto: VPLP Design
76 Meter Länge, zwei schlanke Rümpfe und reffbare Flügelsegel: Mit Tyrena wollen VPLP Design und Micheletti + Partners zeigen, wie ein Mega-Kat den Wind als echte Antriebsquelle nutzt. Entwurfsdaten versprechen bis zu 40 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch im Hybridbetrieb.

Themen in diesem Artikel

Franko-italienische Partnerschaft

​Konzepte gibt es im Großyachtbereich wie Sand am Meer. Besonders in Zeiten, in denen strahlende Visualisierungen flugs erstellt sind. Doch erst durchgerechnet werden Linien zum baufähigen Projekt. ​Tyrena soll kein bloßes Wow-Format sein. Beim ​76 Meter langen Kat mit Flügelrigg bürgt ein Name dafür, dass es kein schnell daher gerenderter Humbug ist: VPLP Design. Für das von Marc Van Peteghem und Vincent Lauriot Prévost im Jahr 2004 gegründete Konstruktionsbüro arbeiten über 40 Personen an drei französischen Standorten. Die Referenzliste ist so lang wie illuster und enthält Imocas, XL-Kats, Offshore-Boliden wie „Comanche“ oder den US-Tri für den America’s Cup 2010 – bereits mit Flügelsegel. Mit OceanWings schickte VPLP Design 2017 ein halbstarres, reffbares Flügelrigg hinterher. Zum Tyrena-Projektteam zählt zudem das Mailänder Büro Micheletti + Partners, das die äußere und innere Gestaltung übernahm.

​Flügelrigg als Teil des Antriebskonzepts

​Für Tyrena sollen zweiteilige Flügelsegel zum Einsatz kommen. ​Das Tuch fährt jeweils an unverstagten Masten zu beiden Seiten nach oben und ergibt ein aerodynamisches Profil. Das kann wie ein herkömmliches Segel gesetzt und auch gerefft werden. Ein ähnliches System entwickelte VPLP für das 122 Meter lange Frachtschiff „Canopée“ und die MODX 70. Auf dem 21-Meter-Kat liegt das Tuch allerdings zunächst flach im Mini-Baum und bildet erst aufgeblasen Profil und Mast zugleich.

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Auf dem 76 Meter messenden Tyrena sollen die Flügelsegel im Hybridbetrieb den Kraftstoffverbrauch um bis zu 40 Prozent senken. Die angegebene Reichweite liegt mit Windunterstützung bei 3.800 bis 6.400 Seemeilen. Bei mehr als 17 Knoten Wind soll der Katamaran unter Segeln allein bis zu zwölf Knoten laufen. Mit 76 Metern wäre der Entwurf deutlich länger als der größte derzeit existierende Fahrtenkatamaran, den VPLP Design mit 46 Metern angibt. Die Konstrukteure sehen in der Plattform eine Alternative zu klassischen, motorisierten Megayachten – nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei der Aufteilung der Wohnbereiche.

Bild 1
Foto: Micheletti + Partners
Tyrena-Skizzen aus der Feder von Lucio Micheletti.

​Klassische mediterrane Architektur als Inspiration

Das italienische Studio Micheletti + Partners arbeitet das Innenraumkonzept, Layout und die Gestaltung aus. Die breite Plattform zwischen den Rümpfen soll Raum für geschützte Innenhöfe, Terrassen und offene Aufenthaltsbereiche schaffen. Nach Einschätzung von VPLP könnte ein 76 Meter langer Katamaran beim nutzbaren Raum Möglichkeiten bieten, die sonst mit einer etwa 130 Meter langen Einrumpfyacht verbunden werden.

Das Team um Studiogründer Lucio Micheletti ließ sich von klassischer mediterraner Architektur inspirieren – dem römischen Atrium, dem griechischen Peristyl oder der italienischen Masseria, in denen sich das tägliche Leben um geschützte Bereiche dreht, die sowohl privat als auch schattig sind. Diese Herangehensweise erstreckt sich auch auf nach außen gerichtete Räume wie italienische Loggien oder Belvederes, die einen offenen Blick auf die umliegende Landschaft bieten.

​„Lucio Micheletti und sein Team bringen etwas Neues mit – eine Sensibilität, die vom Automobildesign und der Tradition des mediterranen Yachtbaus geprägt ist, während unsere in Leistung und der Reinheit der Linienführung verwurzelt ist. Zwei Kulturen, ein Konzept“, erklärt Quentin Lucet von VPLP.

Schlanke Tyrena-Rümpfe, offene Räume

Die schmalen Rümpfe sollen den Wasserwiderstand begrenzen, helfen die benötigte Antriebsleistung zu senken und den Windantrieb wirkungsvoller einzusetzen. Der große Platzgewinn entsteht vor allem durch die Breite des Katamarans. Statt die Innenräume allein in einem langen Rumpf unterzubringen, verteilt Tyrena sie auf zwei Rümpfe und die verbindende Plattform.

Auch die Außenbereiche sind Teil des Entwurfs. Am Heck soll sich eine bewegliche Plattform bei Ankerliegeposition absenken lassen, sodass eine Verbindung zwischen den Rümpfen entsteht. Bewegliche Klappen im Aufbau sollen Luft in die Mitte des Schiffs leiten und eine passive Belüftung unterstützen. Am Bug ist ein Bereich mit Pool und Blick auf das Meer vorgesehen. Das Design setzt damit stark auf geschützte, offene und miteinander verbundene Aufenthaltsflächen.


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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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