SuperyachtenF/Yachting aus Österreich bietet Interieur auf Augenhöhe

Uske Berndt

 · 22.02.2026

Die Chefin: Katharina List-Nagl führt die Geschäfte der F/List-Gruppe.
Foto: PR
​Wenn es um hochwertige Interieurs geht, spielt F/Yachting aus Österreich ganz vorne mit. Ob Refit oder Neubau, zu den Auftraggebern zählen die großen Namen aus der Branche. Besuch beim Unternehmen in Thomasberg.

​Die barocke Einrichtung von „Black Pearl“ (107 m) oder die geradlinigen Innenräume von „Alfa Nero“ (82 m) treten sehr unterschiedlich auf, zeigen aber alle feine Handwerkskunst made in Österreich. Maßgeblich beteiligt an den Projekten von Oceanco ist eine Tochter der F/List-Gruppe aus Thomasberg. Während sich F/List um Flugzeuge und das Thema Residence kümmert, betreut F/Yachting jährlich fünf schwimmende Projekte, seit den 1990er-Jahren ist ihr Gesamtportfolio auf mehr als 100 angewachsen. An insgesamt zehn Standorten in Europa, den USA und dem Mittleren Osten arbeiten heute rund 1.250 Angestellte.


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Im malerischen Thomasberg fließt die Pitten mitten durch das Gelände, seit 1989 sitzt das Unternehmen hier in Niederösterreich, 80 Kilometer bzw. eine knappe Autostunde südlich von Wien gelegen. Heute erstreckt sich die Produktionsfläche auf 41.100 Quadratmeter. Mittendrin thront eine großzügig verglaste Kantine über dem kleinen Fluss, deren Position und Architektur jedes Fachmagazin schmücken würde. Die Geschäfte führt hier Katharina List-Nagl, die Enkelin des gleichnamigen Firmengründers spricht offen über die Hintergründe der Neuausrichtung: „2004 ging es uns nicht gut, also packten wir es an, entwickelten neue Konzepte und Materialien für den Innenausbau.“ Offensichtlich mit Erfolg – der Innenausbau von Yachten und Flugzeugen zog an.

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​F/Yachting ist nicht nur produzierendes Unternehmen

2024 rollten sie das F/LAB aus, einen Showroom plus Werkstatt und Testlabor. Gleichzeitig positionierten sie sich mit der frisch gegründeten Tochter F/Yachting am Markt, wandelten sich vom Subunternehmer zum gleichwertigen Partner, der direkt mit Feadship, Oceanco und Lürssen arbeitet oder für Eigner Refits durchführt. F/Yachting war eine konsequente Weiterführung einer Idee, „um neue Wege in der Zukunft des Yachting zu gehen“, so List-Nagl. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet die Firma großen Ausstattern zu, heute übernehmen sie auch Entwicklung, Designsupport und das Projektmanagement, kümmern sich um Fertigung und Einbau bis hin zur Abnahme. Dafür greifen sie auch auf wassernahe Produktionsstätten, etwa in Florida, zurück. Ziel ist, wie List-Nagl es ausdrückt, „ein 361-Grad-Ansatz, um die Designträume der Kunden zu realisieren“.

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Im F/LAB, das zusammen mit Start-ups und Universitäten agiert, arbeiten 35 KollegInnen – ein multidisziplinäres Team aus Ingenieuren, Designern und Technikern, das neue Materialien testet, mit KI und Robotik experimentiert und dabei Kundenwünsche einbezieht. Es geht darum, weiter zu lernen, sich zu verbessern und völlig neue Designs zu schaffen. „Wir sind nicht nur ein produzierendes Unternehmen“, sagt List-Nagl, „diese Innovationen grenzen uns von der Konkurrenz ab.“

Das Ziel ist ein voll nachhaltiges Interieur, inklusive der Klebstoffe, Lacke und dekorativen Details. Es geht um weit mehr als um robuste Schutzschichten für Furniere, die den Refit-Turnus verlängern, oder Hölzer, die nach einer speziellen Behandlung feuerresistent und somit klassifiziert sind für Schiffe und Flugzeuge. Als Beispiel für innovative Stoffe nennt List-Nagl zermahlene Eierschalen oder geschredderte Aprikosenkerne, aus denen robuste und dekorative Oberflächen entstehen. Bei einem Rundgang durch die Ausstellungsflächen deutet sie zudem auf Materialproben aus Bananenblättern oder auf Perlmuttbasis. Diesen Werkstoff liefert eine Firma, die Knöpfe herstellt und bis zu einer Tonne „Abfall“ pro Jahr zu bewältigen hat.

Innovative Stoffe mit Carbon als Messlatte

Auf einem anderen Tisch liegt ein hauchdünnes Leder auf der Basis von Maisstärke. Das „F/LAB Whisper Leather“ heißt so, weil es praktisch keine Spuren in der Umwelt zurücklässt. Daneben „F/LAB Aenigma“, das den metallischen Glanz von Manta­rochen imitiert und für das es 2023 den Red Dot Design Award gab. „Die Zutaten stammen weitgehend aus Europa“, erklärt List-Nagl. Im Kern der neuen Stoffe stecke Kork oder Schichten aus Zuckerrohr. Die Messlatte, so erfährt man, ist nichts Geringeres als Carbon.

Ein paar Meter weiter liegen wandelbare Verbundfasern, deren Muster sich je nach Lichteinfall völlig verändert, und intelligente Oberflächen mit unsichtbar integrierten Sensoren, die als Lichtschalter fungieren. Dazu eine Armlehne, die erkennt, wenn jemand ein Smartphone auflegt, daraufhin eine Mulde bildet und das Gerät automatisch auflädt. Ein Accessoire, das sich in Privatjets und auf Yachten gleichermaßen gut macht.


Uske Berndt

Uske Berndt

Redakteurin News & Panorama

Uske hat eine Schwäche für die ganz Großen und schreibt vor allem Geschichten über motorisierte Superyachten: Neubauprojekte, Wasserungen und detaillierte Porträts. Dabei nimmt sie die Leser über alle drei bis sechs der schwimmenden Etagen mit, erklärt die Antriebstechnik und die Finessen des Interieur-Designs. Je exklusiver und spezieller, desto besser.

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