„Sailing Yacht A“Segelgigant bleibt beschlagnahmt

Martin Hager

 · 11.06.2026

„Sailing Yacht A“: Segelgigant bleibt beschlagnahmtFoto: dpa/AP Photo/Paolo Giovannini)
“Sailing Yacht A”, die mit 143 Meter Länge größte Segelyacht der Welt, gehört mittlerweile zum gewohnten Bild im Golf von Triest. Hier wurde der Segelgigant im Rahmen der Sanktionen gegen den russischen Oligarchen und Eigner Andrey Melnichenko im Jahr 2022 wortwörtlich an die Kette gelegt.
​Der Europäische Gerichtshof bestätigt, dass die seit März 2022 festgesetzte “Sailing Yacht A” vorerst unter italienischer Kontrolle bleibt, während der Rechtsstreit um die Sanktionen gegen Eigner Andrey Melnichenko weitergeht. Die jährlichen Unterhaltskosten von rund zehn Millionen Euro trägt der italienische Staat.

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Das höchste EU-Gericht entschied kürzlich, dass die Konzepte „Eigentum" und „Kontrolle" im Rahmen von EU-Sanktionen auch auf Begünstigte von Treuhandfonds anwendbar sind – selbst wenn diese nicht direkt über die Vermögenswerte verfügen können. Die 143 Meter lange Segelyacht liegt seit März 2022 in Triest an der Kette, nachdem italienische Behörden sie im Zuge der EU-Sanktionen gegen Russland beschlagnahmt hatten. Der geschätzte Wert der Yacht beträgt rund 450 Millionen Euro.

Komplexe Treuhandstrukturen im Fokus

Der Lazio Regional Administrative Court in Rom hatte im Mai 2024 den Europäischen Gerichtshof um Klärung gebeten. Im Zentrum stand die Frage, ob Vermögenswerte unter Sanktionen fallen, wenn sie über komplexe Treuhandstrukturen gehalten werden. Die Eignergesellschaft argumentierte, die Kontrolle über die Yacht sei vor den Sanktionen von einem Treuhandfonds Melnichenkos auf einen Trust Fund seiner Ehefrau übertragen worden. Beide Treuhandfonds wurden später sanktioniert. Das Gericht stellte klar, dass Hinweise auf Eigentum oder Kontrolle durch den Begünstigten oder Treugeber aus tatsächlichen Umständen oder unnötig komplexen Rechtsstrukturen abgeleitet werden können.

Rechtsstreit um “Sailing Yacht A” geht weiter

Die Entscheidung des EU-Gerichtshofs ist keine abschließende Entscheidung im laufenden Verfahren. Das Lazio-Gericht führt den Fall mit der nun erfolgten Klarstellung fort. Die Beschlagnahmung bleibt bis zu einer endgültigen Entscheidung bestehen. “Sailing Yacht A” verursacht jährliche Wartungskosten von rund zehn Millionen Euro, die von lokalen Behörden aus dem italienischen Staatshaushalt getragen werden. Die italienische Regierung hatte die Festsetzung im März 2022 bekannt gegeben, wenige Wochen nach der Ankunft des Dreimasters in Triest und kurz nach der Verhängung von EU-Sanktionen gegen Melnichenko im Zusammenhang mit der russischen Invasion der Ukraine.

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“Sailing Yacht A” - Größte Segelyacht der Welt

“Sailing Yacht A” ist nach wie vor die größte Segelyacht der Welt. Die von Nobiskrug gebaute Yacht verfügt über ein diesel-elektrisches Antriebssystem mit zwei MTU-Motoren mit je 3600 Kilowatt Leistung und Elektromotoren. Das von Philippe Starck gestaltete Schiff bietet Platz für 20 Gäste in zehn Kabinen. Die Reichweite beträgt 5.340 Seemeilen bei 16 Knoten. Dykstra Naval Architects zeichnete gemeinsam mit Nobiskrug für die Konstruktion verantwortlich, während Starck auch die Inneneinrichtung entwarf. Die drei knapp 100 Meter in den Himmel ragenden freistehenden Kohlefaser-Masten tragen 4500 Quadratmeter Segeltuch.

Mehrere Vermögenswerte betroffen

“Sailing Yacht A” ist nur eines von mehreren Vermögenswerten, auf die das Ehepaar Melnichenko seit den Sanktionen verzichten muss. Der Fall zeigt die rechtlichen Herausforderungen bei der Durchsetzung von Sanktionen gegen Vermögenswerte, die über komplexe internationale Treuhandstrukturen gehalten werden. Die Entscheidung des EU-Gerichtshofs schafft Präzedenzfälle für ähnliche Fälle in der gesamten Europäischen Union.

Liste sanktionierter Yachten russischer Oligarchen

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 beschlagnahmten Behörden weltweit Luxusyachten. Hier ist eine Übersicht, sortiert nach Länge:

Dilbar”

Die 156 Meter lange “Dilbar” ist nach wie vor die voluminöseste Yacht der Welt, wurde von der deutschen Lürssen-Werft gebaut und lief 2016 vom Stapel. Das 156 Meter lange Espen Øino-Design ist demnach mit 15.917 Gross Tons die mit deutichem Abstand voluminöseste Yacht der Welt. Das zeigt sich auch in dem von Designer Andrew Winch gestalteten interior: Dem yachterfahrenen Eigner und seinen Gästen stehen auf sieben Decks 3800 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. “Dilbar” soll dem Oligarchen Alisher Usmanov gehören, war jedoch formal auf den Namen seiner Schwester registriert. “Dilbar” ist aktuell die sechstgrößte Yacht der Welt.

Sailing Yacht A”

Die 143 Meter lange Segelyacht wurde von Nobiskrug in Kiel gebaut. Die italienischen Behörden beschlagnahmten den imposanten Dreimaster im Hafen von Triest. Sie gehört dem Milliardär und russischen Oligarchen Andrey Melnichenko.

Crescent”

Die 136-Meter- „Crescent" wurde von Lürssen auf der Werft in Lemwerder gebaut. Spanische Behörden beschlagnahmten das Schiff im Hafen von Tarragona. Ihre Innenausstattung wurde vom französischen Designhaus Zuretti gestaltet. Ablieferung : 2018. Das Exterieurdesign stammt von Espen Oeino. Wer der Eigner ist, ist bis heute ungeklärt. Hinweise deuten laut Medienberichten darauf hin, dass sie Igor Sechin, CEO von Rosneft und enger Vertrauter Putins, gehört.

“Amore Vero”

Die 89-Meter-Yacht wurde 2013 von Oceanco gebaut und von Igor Lobanov entworfen. Sie gehört ebenfalls Igor Sechin. Im März vor vier Jahren beschlagnahmten französische Behörden das Schiff im Mittelmeerhafen La Ciotat. Die Crew soll Medienberichten zufolge bei der Beschlagnahmung eine Flucht vorbereitet haben.

“Valerie”

Die 85-Meter-Yacht wurde 2013 von Lürssen abgeliefert. Im März 2022 beschlagnahmten spanische Behörden den Fünfdecker in Barcelona. Sie ist mit dem ehemaligen KGB-Agenten und Rostec-CEO Sergei Chemezov verbunden, soll jedoch auf den Namen seiner Stieftochter registriert gewesen sein.

“Axioma”

Die 72 Meter lange “Axioma” wurde 2013 von Dunya Yachts gebaut und von Sterling Scott entworfen. Behörden in Gibraltar beschlagnahmten das Schiff. “Axioma” soll dem russischen Milliardär Dmitry Pumpyansky gehören, dem ehemaligen Eigentümer und Vorstandsvorsitzenden von TMK PAO, Russlands größtem Stahlrohrhersteller.

“Ragnar”

Die 68 Meter lange “Ragnar” wurde 2013 als Versorgungsschiff gebaut und 2020 von Icon Yachts in Holland zur Yacht umgebaut. Die norwegische Marine beschlagnahmte den robusten Eisklasse-Explorer, der angeblich dem ehemaligen KGB-Agenten Vladimir Strzhalkovsky gehört, einem engen Freund Putins.

“Lady M”

Die 65-Meter-Yacht wurde von der italienischen Finanzpolizei in Imperia beschlagnahmt. Sie gehört Alexei Mordaschow, Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Severstal, mit einem Vermögen von 39 Milliarden Dollar der aktuell reichste Oligarch Russlands. Das Schiff verfügt über sechs Luxussuiten sowie, Spa, Gym und einen Schönheitssalon an Bord.

“Lady Anastasia”

Die 48-Meter-Yacht wurde im Jahr 2001 von Sensation Yachts gewassert. Spanische Behörden setzten das Schiff in Palma de Mallorca fest. Sie gehört angeblich Alexander Mikheev, CEO von Rosoboronexport. Besonders bekannt wurde der Fall, als ein ukrainischer Bordingenieur versuchte, die Yacht zu versenken.

“Lena”

Die 38 Meter lange “Lena” wurde in Viareggio gebaut und ging 2010 zu Wasser. Die italienische Finanzpolizei beschlagnahmte die Yacht in San Remo. Eigentümer ist laut Medienberichten der Oligarch Gennady Timchenko, enger Freund Putins seit den 1980er Jahren und Gründer der Investmentgesellschaft Volga Group.

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Martin Hager

Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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