Refit für eine GroßeNeue Masten und alter Look für „Sea Cloud“

Sören Gehlhaus

 · 14.08.2026

In der Türkei fertigt Reviva Refit vier neue Stahlmasten für die Viermastbark „Sea Cloud“.
Foto: Sea Cloud Cruises
Die türkische Werft Reviva Refit fertigt in Tuzla neue Stahlmasten für die 1931 gebaute „Sea Cloud“. Die Masten werden nach historischem Vorbild in Stahl ausgeführt und in Malta montiert, wo die Viermastbark derzeit der originalen Optik überführt wird.

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Reviva Refit hat mit dem Bau der Masten für die Viermastbark „Sea Cloud“ begonnen. Die Werft aus dem türkischen Tuzla fertigt alle vier Spieren komplett in Stahl und liefert sie nach Malta zur Montage. Der Rahsegler fährt seit 1979 als Kreuzfahrtschiff für die gleichnamige Reederei, mit der die YACHT eine Leserreise zu den Les Voiles de Saint-Tropez organisiert.

​Rückbau zu alter Glorie

Die neuen Spieren sind Teil einer Generalüberholung, die Palumbo Superyachts derzeit in Malta stemmt. Die 110 Meter lange „Sea Cloud“ checkte im November 2025 bei der Refit-Werft ein, auch für eine vollständige Modernisierung aller Maschinen und technischen Systeme – darunter neue Hauptmotoren und Generatoren, die den aktuellen Umweltstandards entsprechen. Vor allem aber werden Aufbau, Takelung und Deckslayout originalgetreu im Stil der 1930er-Jahre wiederhergestellt.

​Die „Sea Cloud“ trägt 29 Segel an vier Masten. Drei sind als Rahsegel getakelt, der achterste als Gaffelsegel. Die Segelfläche beträgt etwa 3.000 Quadratmeter. Der Stahlrumpf misst 109,5 Meter in der Länge, 14,99 Meter in der Breite und hat einen Tiefgang von 5,13 Metern. Die Masten ragen bis zu 56 Meter über das Deck empor.

Bewegte „Sea Cloud“-Geschichte

​Die Viermastbark wurde nach Plänen von Cox & Stevens aus New York auf der Germania Werft in Kiel gebaut – mit schwarzem Rumpf. Der amerikanische Financier Edward F. Hutton und seine Frau Marjorie Merriweather Post, Erbin des General-Foods-Konzerns, nahmen sie 1931 als „Hussar V“ entgegen. Merriweather Post stattete das Schiff mit exzentrischer Opulenz aus, von goldenen Schwanenhähnen bis zu handverlesenen Antiquitäten. Nach der Scheidung diente die Yacht unter ihrem neuen Mann, dem US-Botschafter Joseph Davies, als schwimmender Diplomatenpalast in Leningrad. Im Zweiten Weltkrieg stellte das Paar das Schiff der US-Coast-Guard zur Verfügung – für einen symbolischen Dollar. Als IX-99 patrouillierte sie im Atlantik und war eines der ersten Schiffe mit afro-amerikanischen Offizieren an Bord.

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Nach aufwendiger Restaurierung verkaufte Marjorie die Yacht 1955 an den dominikanischen Diktator Trujillo, der sie in „Angelita“ umbenannte. Nach seiner Ermordung 1961 wechselte das Schiff mehrfach den Besitzer, verfiel jahrelang im Hafen von Colón unter tropischer Hitze und wurde von einem Eigentümerstreit gelähmt. 1978 rettete der Hamburger Kapitän Hartmut Paschburg das Wrack gemeinsam mit Hamburger Kaufleuten: Er holte die Yacht über den Atlantik, ließ sie auf der Howaldtswerke-Werft in Kiel – der Nachfolgerin des ursprünglichen Erbauers – grundüberholen und taufte sie wieder auf ihren alten Namen.

Materialwahl bestimmt Verhalten

Die neuen Masten entstehen in Stahl wie die Originalausführung von 1931, bei einem Schiff dieses Alters keine Stilfrage. Stahl bestimmt das Verhalten unter Last, die Inspektionsverfahren über die Lebensdauer und die Treue zur ursprünglichen Konstruktion. Das Material erschwere die Arbeit erheblich, so die türkische Werft. Schwerere Querschnitte erfordern straffere Kontrolle der Schweißverzüge. Die Ausrichtung verlange deutlich mehr Präzision als bei modernen Aluminiummasten oder Kompositprofilen.

​​​Vier Masten für ​„Sea Cloud“

Reviva Refit rollt die konischen Stahlsektionen aus zertifiziertem Blech in der Werkstatt in Tuzla. Qualifizierte Schweißer formen und fügen die Teile nach Zeichnung zusammen. Jedes Teil wird dimensional geprüft und in der Werkstatt probeweise zusammengebaut, bevor es die Türkei verlässt. Die Schweißnähte durchlaufen zerstörungsfreie Prüfungen nach festgelegtem Plan. Jeder „Sea Cloud“-Mast erhält ein Beschichtungssystem für Seebetrieb und den bevorstehenden Seetransport.

Dimensionskontrollen laufen parallel zur Fertigung. Die Probemontage in der Halle zeigt, ob alle Verbindungen passen. Erst danach gibt die Werft Teile für den Transport frei. Die Fertigung der Mastbeschläge umfasst Bänder, Augen und Verstärkungen.

Seltene Kompetenz gefragt

Wenige Werften weltweit bauen komplette Rahsegelriggs in Stahl. Noch seltener sind Aufträge für Schiffe mit dieser Geschichte. Reviva Refit betrachtet das Projekt als eines der bedeutendsten in der Firmengeschichte. Die Werft verfügt über rund 40.000 Quadratmeter Fläche in Tuzla mit zusätzlicher Kapazität in Didim, Aykın und Kıyı Istanbul. Mehr als 250 Fachkräfte arbeiten dort an Motor- und Segelyachten bis 130 Meter Länge.

Die Arbeiten laufen nach ISO 9001:2015, ISO 14001:2015 und ISO 45001:2018. RINA, Lloyd's Register, DNV und Türk Loydu überwachen die Klassearbeiten. Reviva wurde im Juni 2024 als dedizierte Refit- und Servicemarke von Mengi Yay gegründet. Die Gruppe führt Refitarbeiten seit 2015 durch.

Technische Daten ​„Sea Cloud“

  • Länge über alles: 109,5 m
  • Breite: 14,99 m
  • Tiefgang: 5,13 m
  • Takelung: 4 Masten, drei rahgetakelt, achterster gaffelgetakelt
  • Segel: 29 Segel, ca. 3.000 m² Segelfläche
  • Masthöhe: ca. 56 m über Deck
  • ​Bauwerft: Friedrich Krupp Germaniawerft, Kiel, Deutschland
  • Baujahr: 1931
  • Ursprünglicher Name: „Hussar V“
  • Konstruktion: Cox & Stevens, New York
  • Typ: Viermastbark, Stahlrumpf
  • Flagge: Malta
  • Heimathafen: Valletta
  • Klassifikation: DNV
  • Mastbau: Reviva Refit, Tuzla, Istanbul, 2026
  • Refit-Werft: Palumbo Superyachts, Malta

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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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