MegayachtenBezos will segeln und baut die zweitgrößte Segelyacht der Welt

Fridtjof Gunkel

 · 05.02.2022

Megayachten: Bezos will segeln und baut die zweitgrößte Segelyacht der WeltFoto: Tom Van Oossanen

Spitzenreiter bleibt die umstrittene "A". Aber die Neue des Amazon-Gründers braucht den Bugspriet, um auf die richtige Länge zu kommen

Irgendwie konsequent: Der zweitreichste Mann der Welt lässt sich das zweitgrößte Segelboot der Welt bauen. Der US-Amerikaner Jeff Bezos, laut Forbes-Liste mit einem Vermögen von 188 Milliarden US-Dollar die Nummer zwei hinter Elon Musk (80 mehr, hat aber angeblich noch kein Boot), hat bei der niederländischen Werft Oceanco einen 127 Meter langen Großsegler bestellt. Die Länge erreicht der Stahlbau jedoch erst durch die Montage seines Bugspriets.

Ist der dran, rangiert das Schiff in der Liste der größten Segelyachten (s. auch Boote Exklusiv, Ausgabe 05/21) auf Platz zwei hinter der polarisierenden "A" des russischen Oligarchen Andrey Melnichenko. Worüber man trefflich debattieren kann: "A", gebaut 2017 auf der deutschen Werft Nobiskrug, firmiert als Motoryacht mit Segel-Hilfsantrieb, damit könnte Bezos' Y721 (der Name wurde noch nicht öffentlich bekannt) das Ranking anführen.

Der Neubau machte weltweite Schlagzeilen, weil das Schiff zu hoch für die Passage der Koningshaven-Brücke in Rotterdam ist, die auf dem Weg von der Werft zum freien Wasser im Weg liegt. Zwar kann der Mitteltrakt der Brücke um 40 Meter hochgefahren werden, aber dies ist zu wenig für das Schiff mit gestellten Masten, und ein anderer Ort für das Stellen des Riggs ist laut Werft nicht möglich. Den Plänen nach soll das denkmalgeschützte Brücken-Bauwerk nun demontiert und wieder zusammengesetzt werden, Bezos und Oceanco zahlen das. Dagegen regt sich Protest in der Bevölkerung, Ergebnis noch unklar, aber vorstellbar. Die 1927 eröffnete Eisenbahn-Brücke steht unter Schutz; sie gilt als das erste Bauwerk Rotterdams, das nach den Bombardierungen durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg wieder errichtet wurde.

Y721 kostet den Schätzungen aus verschiedenen Quellen nach zwischen 250 und 400 Millionen Dollar. Ein Szene-Insider: "Das ist extrem von der Einrichtung abhängig, wenn da ein van Gogh an der Wand hängt beispielsweise und der wird mit eingerechnet, schießt der Preis schnell in die Höhe." Öffentlich unbekannt ist auch noch die Takelung. Viele der aktuellen privaten Großsegler sind mit einem sogenannten Dyna-Rigg unterwegs, freistehenden Masten mit geschwungenen Rahen. Die Entwicklung stammt ursprünglich von Wilhelm Prölss aus den 1960er Jahren. Der Franke wollte damit Frachtschiffe antreiben.

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