Luxusliner12 Knoten nur mit Wind für „Orient Express Corinthian“

Lars Bolle

 · 19.03.2026

Ein ungewohntes, wuchtiges Erscheinungsbild.
Foto: Chantiers de l’Atlantique/Facebook

​Die „Orient Express Corinthian“ hat nach den ersten Probefahrten im Dezember 2025 eine weitere Testphase auf See absolviert. Im Mittelpunkt standen diesmal Versuche mit dem Segelbetrieb. Nach Angaben der Werft erreichte das 220 Meter lange Schiff bei 20 Knoten Wind eine Geschwindigkeit von 12 Knoten allein unter Segeln. Ein frei zugänglicher technischer Bericht liegt bislang jedoch nicht vor.

​Sea Trials in mehreren Etappen

Die ersten Sea Trials der „Orient Express Corinthian“ wurden im Dezember 2025 absolviert. Das geht aus den veröffentlichten Projektangaben des Auftraggebers Orient Express und der Werft Chantiers de l’Atlantique hervor.

Anfang März 2026 wurden dann weitere Ergebnisse aus der Erprobung bekannt. Die Werft Chantiers de l’Atlantique berichtet auf Instagram über erfolgreich abgeschlossene Tests des Segelantriebs.

12 Knoten nur unter Segeln

Der veröffentlichte Geschwindigkeitswert lautet: 12 Knoten Fahrt bei 20 Knoten Wind, ausschließlich unter Segeln. Die Werft wertet das als bemerkenswerten Nachweis für ein Schiff dieser Größe. Es gibt jedoch bisher keine veröffentlichten detaillierten Messprotokolle zu Kursen, Windwinkeln, Seegang, Testdauer oder Messmethodik.

Der Segelantrieb ist der eigentliche Prüfstein

Die „Orient Express Corinthian“ ist als großer Kreuzfahrtsegler mit drei Riggs und insgesamt 4.500 Quadratmetern Segelfläche ausgelegt.

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Das Projekt soll zeigen, dass Windantrieb auch bei einem Schiff dieser Größenordnung einen messbaren Beitrag zum Vortrieb leisten kann und damit auch zur Kraftstoffeinsparung sowie geringeren Emissionen. Deshalb betreffen die jüngsten Tests den Kern des gesamten Konzepts.

Drei Riggs, drehbar und kombiniert mit Maschinenantrieb

Die drei Masten sind inklusive ihrer Segel automatisiert steuerbar und um 360 Grad drehbar. Wie das Rigg, das sich auch legen lässt, funktioniert, lesen Sie in diesem Artikel. Der Windantrieb kann den Maschinenantrieb ergänzen oder unter günstigen Bedingungen allein übernehmen. Als zusätzlicher Antrieb ist ein System auf Basis von Flüssigerdgas vorgesehen.

Für den späteren Betrieb ist diese Kombination entscheidend. Sie soll Reichweite, Fahrplanstabilität und Energieeffizienz miteinander verbinden. Wie groß der tatsächliche Anteil des Windantriebs im Alltagsbetrieb sein wird, lässt sich auf Basis der bisher zugänglichen Informationen noch nicht seriös beziffern.

Zwischen Prestigeprojekt und technischem Nachweis

Die „Orient Express Corinthian“ wird als Luxus-Kreuzfahrtsegler mit 54 Suiten vermarktet. Die ersten Reisen sind nach den bisher veröffentlichten Planungen ab Mai 2026 vorgesehen. Mehr zum Schiff und Buchungsmöglichkeiten lesen Sie hier.

Für Segler und maritime Beobachter ist jedoch weniger das Hotelprodukt interessant als die Frage, wie belastbar das technische Konzept im realen Betrieb ist. Die jüngsten Testangaben liefern dafür ein erstes Signal.


Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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