Uske Berndt
· 27.02.2026
Vieles an diesem Branchentreffen blieb beim Bewährten, etwa der Konferenzsaal im Hotel Hafen Hamburg, der Moderator Michael Antwerpes und die herzliche Begrüßung durch den Chefredakteur des Superyachtmagazins Boote Exclusiv, Martin Hager. Doch einiges war neu, etwa das Format, mit dem sich die Sponsoren vorstellten. Statt einer Begrüßungsrunde zu Anfang, brachten die Unternehmen (Pantaenius, Pianohaus Möller, Oldenburger, Panoblu, Nomen und HB Technics) kurze Videos mit, die sie zwischen die Vorträge streuten.
Neu war auch die Panel-Diskussion, geleitet von Dr. Tim Schommer und Dr. Volker Lücke (Kanzlei Clyde & Co), mit Dr. Heiko Herold (Experte für Sicherheitspolitik), Dr. Justus Reinke (Lürssen), Dr. Kolja auf der Heide (Yachtwerft Meyer) und Benjamin Bäker (Oldenburger). Zu den Sprechern zählten Tanno Weeda (De Voogt), Michael Jost (eD-Tec) Hermen de Jong (Royal Huisman), Dr. Julia Riedmeier, (Code\Luxe), Sascha Meinhardt (Quantum) und Thedodoros Fotiadis (Astra Nord).
Das war eine Überraschung. Das Pianohaus Möller hatte einen Flügel auf die Bühne gestellt, der “Säbeltanz” wurde allerdings “remote”, also am Hauptsitz in Rostock, gespielt. Die Musik kam über den Bildschirm in den Saal, in erster Linie aber über das Piano vor Ort, das in Echtzeit mitspielte. Inhaber Peter Möller: “Auf Yachten spielt das Klavier an Bord wie ein Radio oder gibt eben ein Remote-Konzert.” Ein spezielles Verankerungssystem fixiert das Instrument sicher an Bord.
Gleich im Anschluss übernahm Tanno Weeda das Mikrofon, der Designchef von De Voogt Naval Architects sprach über die diversen Schritte bis hin zur Yacht, vom weißen Blatt Papier zum fertigen Konzept. Dabei pickte sich der Niederländer illustre Beispiele heraus, etwa die Nemo Lounges an Bord der Feadship-Projekte “Breath” und “Savannah”. Hier sitzen die Gäste tief unten im Schiffsbauch und blicken durch große Fensterflächen auf die Unterwasserwelt.
“Die Welt wird elektrisch”, lautete das Motto des ehemaligen Chefstrategen von Volkswagen. Michael Jost betont die Vorbildfunktion, die Superyachten in Bezug auf saubere Antriebe haben. Um das Thema voran zuschieben gründete er eD-Tec, mit dem Ziel einfache und robuste Motoren nebst leistungsstarken Batterien weiterzuentwickeln sowie effiziente Bootsrümpfe mit Foils. Für zusätzlich benötigte Treibstoffe setzt er auf synthetische Alkohole und redet den anwesenden Werftvertretern ins Gewissen: “Macht eure Yachten fit für Methanol!”
Hermen de Jong, Innovationsmanager bei Royal Huisman, blickt auf zwei im Bau befindliche Yachten, eine 85-Meter-Slup und ein 81-Meter-Schooner. Dann greift er sich die 60 Meter lange Segelyacht “Sarissa” (2023) als Beispiel für eine umweltfreundliche Konstruktion heraus. Der diesel-elektrische Antrieb ermöglicht einen lautlosen Hotelbetrieb über acht Stunden. Werden die beiden drehbaren Propeller nicht gebraucht, ziehen sie sich auf Knopfdruck in den Rumpf zurück. Auch “Aera” mit starrem Flügelsegel zeigt, wie “die Zukunft aussehen kann”, so de Jong, “Wir bringen gerne etwas Aufregung in den Markt.”
Im Anschluss referierte Dr. Julia Riedmeier über Luxustrends und was sie für die Yachtindustrie bedeuten. “Luxus ist motivierend und kann einen Brücke zum idealen Selbst schaffen”, sagt die Dozentin und Gründerin des Beratungs- und Trendstudios Code\Luxe. Die Münchnerin nahm die Zuhörer der German Superyacht Conference mit auf eine Reise rund um den Begriff sowie zu bekannten Beispielen für Luxus made in Germany, wie Autos, Koffer oder eben Schiffe. Yachten sieht sie an der Spitze der Luxus-Pyramide, allerdings werden diese noch von Residences übertroffen. Luxus sei heute alltäglicher als früher, die immer jünger werdenden Kunden erwarten, dass ihre Lieblingsmarke für sie zugänglicher wird.
Das Novum des Tages war das Panel unter der Leitung der Anwälte Dr. Tim Schommer und Dr. Volker Lücke. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage diskutierten der Experte für Sicherheitspolitik Dr. Heiko Herold, Dr. Justus Reinke (CEO Lürsen), Dr. Kolja auf der Heide (Geschäftsführer Meyer Werft) sowie Benjamin Bäker (CEO von Oldenburger Interior): Wo geht der Yachtbau in Deutschland hin, wie nutzen Sie KI, wie sicher sind die Lieferketten im Zusammenhang mit China? Auf die Frage, was sich die Geschäftsführer von der Politik wünschen, erklären Sie: “mehr Entscheidungsfreudigkeit, Deregulierung und eine Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen”. Oder wie Dr. Justus Reinke es ausdrückt: “Gas geben, klarer Kurs!”
Sascha Meinhardt, Verkaufsmanager bei Quantum, blickt auf 40 Jahre Erfahrung mit Stabilisatoren zurück. 80 Prozent der Superyachten made in Germany über 60 Meter haben “seine” Produkte an Bord. Meinhardt erklärt die Ursachen von und Hilfsmittel gegen Seekrankheit, zudem beschreibt er wie Kreisel- und Finnen-Systeme gegen das Rollen und Stampfen einer Yacht anarbeiten. Die neue F 45, zum Beispiel, sei um 60 Prozent effektiver als die “alten” Modelle, dazu “deutlich leiser und effizienter”.
Den Abschluss der German Superyacht Conference bildete Theodoros Fotiadis, Yachtdesigner mit Sitz in Berlin und seit Kurzem Werftgründer von Astra Nord in Stralsund. Er sagt, dass Deutschland immer noch für technische Präzision stehe und er die Marktlücke im Bereich 65 bis 70 Meter füllen und allgemein “das Superyacht-Business” stärken möchte. Der Bau auf der Basis von vorbereiteten Plattformen garantiere Qualität, sei schneller und vorhersehbar und reduziere das technische Risiko. Auf die Frage, wie er beide Aufgaben, Designer und Werftchef, unter einen Hut bekommt, lacht er nur: “Ich mag Probleme.”
Gegen 18 Uhr endeten die unterhaltsamen und informativen Vorträge, und die Gäste verholten sich in die Bar zum Netzwerken. Save the Date: Die Superyacht Conference 2027 findet wieder am letzten Donnerstag im Februar statt.
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Redakteurin News & Panorama