Der spektakuläre Einrumpfer soll den von Coville aufgestellten Jules-Verne-Rekord um die Welt pulverisieren und zugleich dem neuen Gitana 18-Trimaran Paroli bieten.
Das Projekt tritt aktuell in eine neue Phase ein, die sich auf die Installation technologischer Systeme, deren Validierung und die funktionale Integration konzentriert. Gleichzeitig steht die Performance-Optimierung des foilenden Racers im Fokus. Von Beginn an habe das Hypersail-Projektteam auf einen Open-Innovation-Ansatz gesetzt und multidisziplinäre Expertise kombiniert, heißt es aus Maranello. Ferrari und seine technischen Partner seien während des gesamten Prozesses eingebunden gewesen. Mit dem Abschluss dieser ersten Phase endet die Beteiligung von Giovanni Soldini am Projekt. Der erfahrene Segler habe von Anfang an einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung und zum Bau des Boots sowie zur Teambildung geleistet. Dabei habe er nautische, konstruktive und Design-Expertise in einem komplexen Programm zusammengeführt.
„Ferrari Hypersail ist ein Projekt, das in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen unterschiedliche Expertise erfordert", erklärt John Elkann, Chairman von Ferrari. Er danke Giovanni für die Expertise und das Engagement, mit dem dieser die erste Projektphase geleitet habe. Soldini selbst beschreibt das Ferrari-Hypersail-Projekt als Ergebnis einer gemeinsamen Reise, die Tag für Tag durch Dialog und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen aufgebaut worden sei. „Es war ein großes Privileg für mich, Teil dieses Abenteuers zu sein", sagt Giovanni Soldini.
Enrico Voltolini, der bisher an der Seite von Giovanni Soldini arbeitete, übernimmt nun die Rolle des Projektleiters. Der Konstrukteur und Segler bringt Erfahrung aus dem America's Cup und SailGP mit. Sein Hintergrund kombiniere ingenieurtechnische Expertise mit praktischer Erfahrung auf dem Wasser, was den Validierungsanforderungen des Boots entspreche. In dieser Phase ziehe das Projekt weiterhin die Expertise von Schlüsselfiguren wie Glenn Ashby und Guillaume Verdier heran, die von Beginn an in die Bootsentwicklung eingebunden gewesen seien. „Ich freue mich, dass Enrico Voltolini die Verantwortung für diese neue Entwicklungsphase bei Ferrari Hypersail übernimmt, mit der vollen Unterstützung von Ferrari und aufbauend auf Giovannis Erfahrung und Rat", sagt John Elkann.
Ferrari Hypersail setze seine Reise als Plattform für Forschung, Entwicklung und Innovation im Offshore-Segeln fort. Das Projekt verfolge den Anspruch, neue Grenzen der Performance und Technologie in einer der extremsten und anspruchsvollsten Umgebungen zu erkunden. Die nun beginnende Phase konzentriert sich auf die technologische Validierung und funktionale Integration der Systeme. Der Wechsel in der Projektleitung markiert den Übergang von der Konstruktions- zur Testphase, in der die praktische Erprobung des 100-Fuß-Foilers im Vordergrund steht.
Der Leistungsbooster für das 30 Meter lange Hypersail-Projekt sind Foils in vierfacher Ausführung: Elevator am Einzelruder, schwenkbare T-Foils an den geschwungenen Armen und eine horizontale Tragfläche am Ende der Kielbombe. Die wiederum gehört zu einem Canting-Kiel, den es bei voll-foilenden Seglern der Größe noch nicht gab. Diesen gewagten wie extremen Mix aus Auftriebshilfen erdachte Guillaume Verdier. Wer sonst? Wie kein Zweiter befeuerte der französische Konstrukteur die Renaissance des Hydrofoiling, das dem Segelsport seit den 1930er-Jahren Flügel verleiht.
Mit der Flut an dynamischen Anhängen betritt Verdier wieder einmal Neuland. T-Foils mit Festkiel kombinierte „Flying Nikka“ auf 60 Fuß Länge, auf einen fixen Kiel mit Dali-Foils vertraut die skimmende Baltic 111 „Raven“. Im America’s Cup verzichten die AC75-Boliden bei ihren Küstenrennen gänzlich auf Kiele. Ein weiterer Wink, dass es Ferrari und Soldini auf die Offshore-Bühne zieht, ist das Ausleger-Rigg. Ein Novum für Foiler und bekannt von den 60 Fuß langen Imocas. Die setzen auf Foils in Form von Dalis Moustache und Neigekiele, die im Flug- bzw. Skimming-Modus auf Nullposition stehen.
Ferraris 100-Fußer kommt wohl dem Konzept recht nah, das sich Guillaume Verdier auch für die Vendée Globe wünschen würde. Die Imocas müssten an den Rudern „nur“ um Foils, sogenannte Elevators, ergänzt werden, um konstant und für längere Zeiträume abzuheben. Anders als bei den Boliden von Boris Herrmann und Co. soll bei Giovanni Soldini – der 59-jährige Italiener knackte zahlreiche Offshore-Rekorde– kein Verbrennungsmotor an Bord kommen. Die Energie, etwa für die Hydraulik der Foil-Arme, soll während der Fahrt erzeugt werden, wobei die ersten Visualisierungen Turbinen zur Stromerzeugung vermissen lassen. Mit dem Kiel wäre jedenfalls eine stets im Nass verbleibende Ernte-Option für ein Hydrogeneratorsystem vorhanden.
Technologietransfer aus der Welt der Ferrari-Sportwagen soll es beim Flugsteuerungssystem geben, das es Seglern erst ermöglicht stabil und ohne Rodeo-Einlagen über Ozeane zu fliegen, die ständig in Bewegung sind. Zentral sind Sensoren, die etwa das vorausliegende Wellenbild scannen und automatische Ausgleichsbewegungen der Trimmklappen an den Foils veranlassen. Bereits neun nautische Patenten wurden angemeldet, weitere sechs befinden sich in der Ausarbeitung. Die Scuderia führte aerodynamische und strukturelle Berechnungen durch, um Leistung und Sicherheit des Einrumpf-Foilers zu gewährleisten.
Hypersail soll über lange Zeiträume ohne Zwischenaufenthalte und, wie Ferrari es nennt, ohne Boxenstopps oder externe Unterstützung jeglicher Art über die Weltmeere fliegen. Wohl haben es die ikonische Automarke und der Hochsee-Heroe auf das Aufstellen von Offshore-Rekorden abgesehen, mit Crew und nicht als Teil einer Flotte. Sind beide Foil-Arme halb abgeklappt – das kann über Wenden und Halsen hinaus zudem bei Starkwind Stabilität geben – kommt der Carbon-Bolide auf eine maximale Breite von 20 Metern. Der Stapellauf und erste Erprobungen zur See sind für 2026 angesetzt.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv