Mit der 44 Meter langen „Magic“ lieferte Vitters ein hochbordiges Meisterwerk, das mit Ruhe und viel Raum überzeugt. Das sportliche Reichel/Pugh-Design entstand nach den präzisen Vorstellungen eines erfahrenen Seglers und sucht für 45 Millionen Euro einen neuen Eigner.
”Magic“ ist die Antwort auf eine biografische Entwicklung, die viele Eigner kennen. „Unsere Familie wuchs und wir mussten mehr Generationen an Bord unterbringen“, verrät der belgische Besitzer offen während unserer Tour durch das Interieur.
Die 44-Meter-Slup entstand daraufhin bei Vitters als komfortable Familienyacht mit dem Fokus auf Sicherheit, Raumgefühl und Gelassenheit, ohne jedoch die sportliche Seite des Segelns zu opfern. Auf Performance am Wind wollte der Eigner um keinen Preis verzichten. Mit seiner 32,60 Meter langen und ebenfalls bei Vitters gebauten „Anomaly“ (Ex-„Ribelle“) war er die letzten Jahre überglücklich und mit ihr auch regelmäßig bei Superyacht-Regatten am Start.
Ursprünglich blickte er auf Perini Navis 42 Meter lange E-volution-Serie, kam nach den wirtschaftlichen Turbulenzen der Werft jedoch davon ab und wechselte zu Gesprächen mit Royal Huisman und Vitters. Dass Vitters unerwartet einen gerade frei gewordenen Bauslot anbieten konnte, war Schicksal und der Startschuss für „Magic“. Vitters launcht 44 Meter.
Das Konzept begann mit dem Design des Exterieurs – genau wie es sich der Kunde gewünscht hatte. Nicht das Interieur sollte – wie so häufig im Yachtbau – die Form diktieren, sondern die effizienten Rumpflinien gaben die Struktur vor. Das Konstruktionsbüro Reichel/Pugh schuf den kraftvollen Rumpf mit hohem Freibord, sanft ansteigenden Chines in Richtung Heck und definierte erst dann den eleganten Aufbau. Wer genau hinsieht, erkennt im Deckshausprofil gestalterische Parallelen zu Bentley-Modellen. Auch der graue Metallic-Lack und der orangefarbene Wasserpass im Stil eines Rennautos verdeutlichen die Leidenschaft des Eigners für Sportwagen und schnelle Yachten.
Die Optik der 251 Tonnen verdrängenden Alu-Slup dominiert ein leistungsstarkes Rigg. Southern Spars laminierte Mast und Baum aus Carbon, EC6-Kabel kommen als Wanten und Stage zum Einsatz. Die 3Di-Laminate von North Sails sorgen mit 1.098 Quadratmetern am Wind und 1.684 Quadratmetern auf raumen Kursen für Spaß beim Steuern. Leistungsstarke hydraulische Harken-Winschen nehmen Schoten und Fallen auf. Kapitän Barnie Smith ist glücklich über das dank Furling-Baum unkomplizierte Setzen und Reffen der Segel. Das Großsegel rauscht in wenigen Minuten und natürlich per Knopfdruck bis zum Masttopp in 62 Metern Höhe. Reckmann-Furler kümmern sich um die Vorsegel, wahlweise Stagsegel, Genua oder Code Zero.
Sind die Segel oben, beschleunigt „Magic“ nach Angaben des erfahrenen Skippers auf 10 Knoten SOG bei 8 Knoten TWS und Halbwindkurs. Brist es auf, schafft der Vitters-Neubau 15 Knoten bei gleich starkem wahren Wind. Die Steuerstände im nach achtern offenen Cockpit wurden konsequent auf eine einfache Bedienung aller Bordsysteme ausgelegt. So lassen sich alle Segel per Fingertipp oder separate Fernbedienung setzen oder trimmen – ein Set-up, das es dem Eigner erlaubt, seine „Magic“ auch alleine zu segeln.
Die Werftingenieure integrierten dazu Lösungen, die Performance-Technik mit Familientauglichkeit in Einklang bringen. So verschwinden die „Submarine“-Anker unsichtbar in zwei Unterwasser-Abteilen im Rumpf und halten das Vorschiff frei von Ketten, Ankerwinden und Klüsen. Das beeindruckt nicht nur ästhetisch, sondern mindert auch die Stolperfallen für Gäste jedes Alters. „Die Lasten auf Schoten und Fallen sind auf Yachten dieser Größe gewaltig, weswegen der Auftraggeber großen Wert darauf legte, keine ‚Kill Zones‘ genannten Gefahrenzonen auf dem Schiff zu haben“, erzählt Barnie Smith.
Weht kein Wind, schiebt ein 435 Kilowatt starker MAN-Diesel „Magic“ voran, ohne akustisch aufzufallen. „Wir investierten viel Zeit und Geld in eine bestmögliche Dämmung“, verrät der Eigner.
Ich mag es nicht, wenn ich von störenden Geräuschen belästigt werde.“
Passend dazu arbeitet im Maschinenraum ein Peak-Shaving-Batteriesystem mit 700 Volt, das Lastspitzen glättet, den Dieselverbrauch reduziert und die Familienyacht bis zu acht Stunden lang flüsterleise mit Energie versorgt. Perfekt für ruhige Nächte in der Ankerbucht.
Den gewünschten Komfort realisierten die Designer vor allen Dingen durch das beeindruckende Innenraumvolumen von 308 Gross Tons. Ursprünglich war eine Liftkiel-Lösung angedacht, doch zugunsten großzügigerer Wohnflächen und eines majestätisch anmutenden Deckssalons entschied sich der Eigner schließlich für einen Festkiel mit 4,50 Metern Tiefgang. Der Salon selbst ist auch dank des deutschen Yachtglas-Unternehmens Tilse ein Statement. Hohe, freie Decken, ein spektakuläres, gläsernes Oberlicht-Band entlang des gesamten Aufbaus und umlaufende Fenster ermöglichen beste Aussichten aufs Meer und ins Rigg.
Der mit großem Speiseplatz backbords und gegenüberliegender Sofa-Gruppe bestückte, lichtgeflutete Salon geht nahtlos in das dahintergesetzte Gästecockpit über und macht aus beiden Bereichen einen einzigen, überdimensionalen Raum. Die Positionierung der Esstische vis-à-vis, einer innen und einer außen, ist kein Zufall, sondern eine bewusste Komposition von Balance, Ordnung und Symmetrie.
Unter Deck setzt sich die Idee von Ruhe und Entspannung fort. Das britische Studio Design Unlimited und der in Belgien ansässige Pieter Laureys schufen ein Interieur, das mehr modernes Stadthaus als klassische Yacht ist: warmes Holz, Naturböden, lederbezogene Wand- und Deckenpaneele plus grauer Lack, der optisch den Bogen zur Außenlackierung schlägt. Bronzeakzente und Bottocino-Marmor sorgen in den En-Suite-Bädern der Kabinen für ein elegantes Ambiente, ohne wuchtig zu wirken.
Der ausgewählte Stein ist dichter und leichter als traditionelle Marmorsorten und passt damit perfekt in das Konzept eines Performance-Cruisers, der mit einer Verdrängung von 251 Tonnen, wohlgemerkt, nicht zu den Fliegengewichten in diesem Größensegment gehört. Nur zum Vergleich: Die gleich lange und von Baltic laminierte „Path“, ebenfalls ein familienorientierter Performance-Cruiser, geht mit 171 und damit 70 Tonnen weniger auf Weltreise.
Die vier Gästekabinen finden sich direkt vor und achtern des Salons und sind klar strukturiert. Eine davon wurde als Kinderzimmer mit Stockbetten konzipiert – ein liebevolles Detail für die Enkel, deretwegen diese Yacht überhaupt entstand. Der Traumplatz auf dem Unterdeck ist die über die gesamte Breite reichende Eignersuite im Heck.
Beim Betreten des Raumes führen zwei kleine Treppen um ein zentrales Insel-Armoire herum. Die Decke greift mit einer skulpturalen Wellenform die technischen Anforderungen des Deckssalons darüber auf und verwandelt sie in ein Designelement. Hinter dem Bett versteckt sich auf der Steuerbordseite ein behagliches Büro, gegenüber brachte die Werft das Badezimmer unter, in dem der warme Ton des Bottocino-Marmors mit fein gerippten Holzfronten und Bronze-Armaturen harmoniert.
Bemerkenswert ist, dass die Crew von „Magic“ materiell auf Augenhöhe mit den Gästen lebt. Die Räume im Vorschiff sind mit den gleichen Hölzern, Farben und Textilien ausgestattet wie die Gästebereiche – das passt zur Überzeugung des Eigners, dass die Crew Teil der Bordfamilie ist. Mit Platz für zehn Gäste und sieben Crewmitglieder, einer großen Tendergarage und einem Heck, das sich zu einer weitläufigen Beach-Plattform öffnet, ist „Magic“ eher schwimmendes Zuhause als Statusobjekt.
Dass ihr Eigner am Ende doch nicht die Zeit an Bord verbringen wird, die er sich zu Beginn des Projekts erträumte, gehört zu den bittersüßen Wendungen dieser Geschichte. Während der vierjährigen Bauzeit wuchs seine Familie schneller, als es der Generalplan vorsah. Als die 44-Meter-Vitters schließlich vom Stapel lief, war der Blick bereits auf eine größere Motoryacht gerichtet, die nun das neue Familienflaggschiff ist. „Magic“ selbst steht für 45 Millionen Euro bei Burgess zum Verkauf. Sie ist neu, startklar und wartet nur auf einen Eigner, der mit ihr voller Elan um die Welt segelt.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv