Regatta-Yacht für die SchärenShogun 43 bekommt Carbon-Hubkiel

Hauke Schmidt

 · 26.04.2026

Lange Chines, invertierter Bug, harte Kanten: Die Optik der Shogun 43 ist martialisch
Foto: Shogun-Yachts
​Werftgründer Mats Bergryd wollte eine Performance-Yacht, die auch flache Schärenhäfen erreicht. Jetzt bekommt seine Shogun 43 ein Hubkiel-System aus Carbon – und öffnet damit völlig neue Reviere.

Themen in diesem Artikel

Mit dem Hubkiel erweitert die schwedische Werft Shogun Yachts das Einsatzspektrum der Shogun 43 deutlich und folgt dem Konzept, für das Werftinhaber Mats Bergryd einst Shogun Yachts gründete: Er wollte eine performanceorientierte Yacht, die zwischen anspruchsvollem Regattasegeln und dem Zugang zu flachen Häfen und Buchten wechseln kann. Bergryd selbst besaß eine ClubSwan 50, deren großer Tiefgang ihn beim Fahrtensegeln im Stockholmer Schärengarten störte – und ließ daraufhin die Shogun 50 mit Hubkiel bauen. Nun zieht die kleinere 43 nach. Die Shogun 43 wurde von der YACHT 2024 getestet und überzeugte mit beeindruckenden Segeleigenschaften bei nur 6,1 Tonnen Verdrängung.

Leichter als Stahl, steifer als Aluminium

Der Hubkiel wurde von der Bauwerft OQS und dem schwedischen Composite-Spezialisten Marström Composites entwickelt. Kielkasten und Kielflosse bestehen vollständig aus Carbon-Prepreg und werden im Autoklaven ausgehärtet – ein Verfahren, das maximale Gewichts- und Festigkeitseffizienz verspricht. Der Kiel bietet 1,2 Meter Hub und senkt den Minimal-Tiefgang von ursprünglich 2,4 oder 2,7 Metern (je nach Kielversion) auf 1,5 Meter. Anders als bei teleskopierbaren Kiel-Designs setzt Shogun auf einen durchgehenden Kielkasten, um das optimale Profil der Flosse zu erhalten. „Wir wollten sicherstellen, dass wir den optimalen Querschnitt der Flosse beibehalten können, ohne die Performance zu beeinträchtigen“, erklärt Konstrukteur Oscar Södergren.

Tiefgang ändern – per Knopfdruck

Die Betätigung des Hubkiels erfolgt über einen Hydraulikzylinder, der unter den Bodenbrettern im Salon untergebracht ist. Das System basiert auf den Erfahrungen mit der Shogun 50, deren Tiefgang sich per Knopfdruck von 3,5 Metern auf 2 Meter verringern lässt. Dank vollständiger Carbon-Sandwich-Bauweise mit Divinycell-Schaumkern verdrängt die 43er mit nur 6,1 Tonnen und besitzt einen Ballastanteil von 42 Prozent. Im YACHT-Test 2024 erreichte das Boot mühelos über zehn Knoten Speed und kreuzte mit acht Knoten auf. Der neue Hubkiel soll diese Eigenschaften nicht beeinträchtigen, sondern lediglich die Vielseitigkeit der Yacht erweitern.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Produktion bei OQS in Finnland

Seit September 2025 werden die Shogun-Yachten nicht mehr bei der für Linjett-Yachten bekannten Rosättra Båtvarv in Schweden gebaut, sondern von Ocean Quality Systems (OQS) in Jakobstad, Finnland, gefertigt. Der auf Carbon-Bauweise spezialisierte Bootsbauer produziert in direkter Nachbarschaft zu Nautor Swan und Baltic Yachts und bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Carbon-Composite-Fertigung, im Vakuum-Infusionsverfahren und im hochwertigen Innenausbau ein. Das Hubkiel-System ist ab sofort als Option für die Shogun 43 verfügbar. Preisangaben für die Option liegen noch nicht vor. Die Shogun 43 selbst kostet in der Grundausstattung ab circa 1,14 Millionen Euro (ohne Segel). Weitere Informationen unter shogunyachts.com.


TECHNISCHE DATEN:

  • Rumpflänge: 13,10 m
  • Breite: 3,70 m
  • Tiefgang Standard: 2,40 m oder 2,70 m (je nach Kielversion)
  • Tiefgang mit Hubkiel: 1,5 m bis 2,70 m
  • Verdrängung: 6,1 t
  • Ballast/-anteil: 2,7 t/42 %
  • Segelfläche: 119 m² (Groß + Genua)
  • Bauweise: Carbon-Prepreg-Sandwich, Divinycell-Kern, Vakuum-Infusion

Hauke Schmidt

Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

Meistgelesen in der Rubrik Yachten