Open 60Kevin allein im neuen Boot: "PRB" schwimmt

Andreas Fritsch

 · 12.05.2022

Open 60: Kevin allein im neuen Boot: "PRB" schwimmtFoto: PRB/polaRYSE

Das brandneue Boot von Kevin Escoffiers "PRB"-Team wurde vorgestellt. Das Verdier-Design hat in einem Detail Ähnlichkeiten mit Boris Herrmanns "Seaexplorer"

Bei der letzten Vendée Globe sank sein Boot im Southern Ocean innerhalb weniger Minuten, nachdem es in der Mitte durchgebrochen war, doch jetzt hat er wieder einen segelnden Untersatz: Der Franzose Kevin Escoffier launchte am Wochenende seinen neuen Open 60 "PRB", mit dem er die Vendèe Globe 2024 gewinnen will.

Das Boot ist das erste einer Reihe von Neubauten, zwölf werden es wohl für den Start der nächsten Vendée – wobei allerdings nur wenige echte Neuentwicklungen sind. Eine ganze Reihe sind Replikas von bereits gebauten Schiffen, die natürlich modifiziert werden, komplette neue Entwicklungen werden aber wohl nur fünf sein, darunter Boris Herrmanns neue "Seaexplorer".

  Kevin Escoffier blickt auf sein neues Boot kurz vor dem LaunchFoto: PRB/polaRYSE
Kevin Escoffier blickt auf sein neues Boot kurz vor dem Launch

Escoffiers "PRB" liegt irgendwo dazwischen, denn sein Team kaufte den Rumpf des Bootes eines US-Teams, das beim Global Race starten wollte, aber aufgrund von Finanzschwierigkeiten das Projekt abbrechen musste. Das Verdier-Design stammt aus 2020. Rund 1,5 Millionen Euro konnte das Team so sparen und vor allem viel Zeit, ansonsten wäre Escoffiers Open 60 sicherlich nicht vor 2023 fertig gewesen.

Für ihn ist das Boot trotzdem eine Neuentwicklung, wie er in einem Interview mit der IMOCA-Klasse verriet: "Wir haben einen komplett neuen Bug entwickelt, die vorderen 4,5 Meter des Schiffes sind komplett anders, und Guillaume Verdier hat dafür allein 23 verschiedene Formen entwickelt, bis wir uns für diese entschieden haben. Außerdem haben wir das Cockpit stark geändert, um es an das Einhandsegeln anzupassen." Da das ursprüngliche Boot für das Ocean Race mit Crew entwickelt war, gab es da viel zu tun. "Und wir haben die Foils selbst entwickelt, es wird ein Allrounder, und ich bin sehr zufrieden damit."

  Das Boot aufgeriggt am Liegeplatz nach einem langen TagFoto: PRB/Marin LE ROUX /polaRYSE
Das Boot aufgeriggt am Liegeplatz nach einem langen Tag

Tatsächlich hatte Guillaume Verdier genau diese Allround-Philosophie vor der Entwicklung seiner ersten Entwürfe für das Global Race angekündigt. Da das Rennen viel mehr Amwind- und Leichtwind-Anteile als die Vendée Globe hat, war sein Design genau daran angepasst. Die nachträgliche Veränderung des Bugs von "PRB" ist ganz offensichtlich an die Entwicklung von Armel Tripons Ex-"L'Occitane" (jetzt Louis Burtons "Burreau Vallée 2") und Boris Herrmanns "Seaexplorer" angepasst: Die gesamte Bugsektion hat viel Sprung, das Boot soll leicht über die Wellen gehen, nicht zu sehr hindurch. Ansonsten fällt das Boot in hohem Seegang einfach zu häufig von den Foils und bremst brutal ein. Boris Herrmann hatte das im Interview mit der YACHT als eins der größten Probleme der letzten Foiler-Generation bezeichnet. Diesem Weg scheint Escoffier ebenfalls zu folgen, wenn auch sehr viel gemäßigter als Herrmann.

Die Zuverlässigkeit des neuen Bootes steht nach seinem spektakulären Verlust der alten "PRB" verständlicherweise im Fokus. Das extrem leicht gebaute Boot war damals einfach auf Höhe der Wanten durchgebrochen, wurde wie ein Klappmesser zusammengefaltet und war in wenigen Minuten gesunken. Jean Le Cam hatte Escoffier dann später aus der Rettungsinsel abgeborgen.

Es ist keine Frage, dass Escoffier einer der besten Entwickler für so ein Projekt ist. Der studierte Ingenieur war viele Jahre der technische Kopf von Ultim-Teams wie Banque Populaire, entwickelte drei solcher Boote maßgeblich mit. Der Bretone gilt als absoluter Top-Techniker, der zusammen mit François Gabart und Charlie Dalin wohl in dieser Hinsicht zu den besten und klügsten Köpfen der Imoca-Szene gehört.

Der neue IMOCA für PRB - Kevin Escoffier
Foto: PRB/polaRYSE

Trotzdem ist er sich sicher, dass auch das neue Boot seine Probleme haben wird: "Ich habe drei Ultims und drei Imocas gebaut, und egal, was du tust, um ein zuverlässiges Boot zu haben, du wirst technische Probleme bekommen. Die Frage ist nur, wie du damit umgehst und ob du danach die richtigen Entscheidungen triffst. Wir haben alles dafür getan, dass wir die künftig allein in den Griff bekommen, zur Not auch auf dem Boot, und wir auch an Bord alles jederzeit überprüfen können, um Schäden vorher zu sehen."

Die neue "PRB" schwimmt nun und soll mit etwas Glück schon beim Vendée-Arctique-Rennen im Juni starten, auf jeden Fall aber bei der Route du Rhum im November. Dann trifft sie auch auf den ersten echten Neubau der Klasse: Boris Herrmanns "Seaexplorer". So bleiben Escoffier rund zweieinhalb Jahre, um das neue Boot für die Vendée Globe zu optimieren. Damit ist der Grundstein für ein erfolgreiches Rennen wohl gelegt. Schließlich will er nach Michel Desjoyeaux und Vicent Riou der dritte Skipper sein, der für das PRB-Team, das seit 30 Jahren ununterbrochen bei der Vendée startet, einen Sieg holt.

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