Neue Class 30Das neue Hochsee-Format: klein, sportlich, bezahlbar

Michael Good

 · 22.05.2022

Neue Class 30: Das neue Hochsee-Format: klein, sportlich, bezahlbarFoto: Class 30

Die Class 30 soll die Lücke zwischen den Klassen Mini 6.50 und Class 40 schließen. Das VPLP-Design wird als Sprungbrett für angehende Hochsee-Profis gesehen

Die Initiative für eine neue Offshore-Regattaklasse kommt aus dem Hause der UNCL (Union Nationale pour la Course au Large), der nationalen Vereinigung der Hochsee-Segler in Frankreich. Um das Vorhaben international breit abzustützen, hat die Organisation dem Schulterschluss mit den Verbandskollegen vom RORC (Royal Ocean Racing Club) in England und dem Storm Trysail Club in Amerika gesucht und gefunden. Alle drei Institutionen haben letztlich gleichermaßen am Aufbau der Class 30, der neuen One-Design-Regattaklasse, mitgewirkt.

Für die Entwicklung hat das Triumvirat einen Konstruktionswettbewerb ausgeschrieben. 27 Projekte aus neun Nationen wurden daraufhin eingereicht, geprüft und einem umfangreichen Selektionsmodus unterzogen. Den Zuschlag hat letztlich das Projekt aus dem Büro von VPLP in Frankreich erhalten. Gebaut werden sollen die kleinen Hochsee-Renner unter der Bauaufsicht der Komposit-Spezialisten von Multiplast in Vannes.

Das Konzept der Class 30 basiert auf einer relativ einfachen GFK-Konstruktion mit Festkiel, doppelten Ruderblättern, Aluminium-Rigg und einem ausziehbaren Bugspriet für den Gennaker. Wie die UNCL dieser Tage bekannt gegeben hat, wird die Class 30 in zwei Ausführungen erhältlich sein: als Clubversion mit einer simplen Ausstattung und reduzierter Bordtechnik und als eine insgesamt deutlich besser bestückte Ausführung unter dem Namen Class 30 One Design. Die Konstruktion hat zudem soeben die vorläufige Einstufung in die CE-Entwurfskategorie A4 erhalten, also Hochseetauglichkeit mit einer Mannschaft von vier Personen. Das gilt offenbar für beide Versionen, Club und One Design. Damit dürften die Boote vom Typ Class 30 zum Beispiel auch an den großen Hochsee-Klassikern teilnehmen, wie zum Beispiel am Rolex Fastnet Race.

Neue Class 30. Moderner Rumpf mit Semi-Scowbug, tiefen Rumpfanhängen und doppelten Ruderblättern
Foto: VPLP

Auch hat die UNCL ganz aktuell bereits die Preise definiert. 94.500 Euro netto soll die Class 30 in der Version Club kosten, 132.500 Euro werden für die Version One Design verlangt. Die Preise verstehen sich netto zuzüglich Mehrwertsteuer. Damit kann das Projekt für den ursprünglich von den Initiatoren definierten Grundpreis offenbar nicht realisiert werden. Als Grundlage für den Konstruktionswettbewerb wurde 2021 ein Maximalpreis von 80.000 Euro netto festgelegt. Das war noch vor den kriegerischen Ereignissen in der Ukraine und den zunehmenden Schwierigkeiten bezüglich der Lieferketten. Mittlerweile hat sich viel geändert.

Die neue Class 30 soll jetzt die Lücke zwischen den Hochsee-Regattaklassen Mini 6.50 und Class 40 schließen. Die Initiative zum Aufbau einer internationalen Einheitsklasse hat zum Ziel, dem ambitionierten Seglernachwuchs eine günstige und dennoch attraktive Plattform zum Einstieg in den Hochsee-Regattasport zu bieten. Nach den Vorstellungen der internationalen Projekt-Initiatoren soll daraus ein Pool von jungen, engagierten und bestens ausgebildeten Hochsee-Spezialisten hervorgehen, ein Sammelbecken für Neo-Profis auf dem Weg zum Beispiel in die Regattaserien der Class 40 oder Imoca Open 60.

Derzeit werden offenbar die Formensätze gebaut, worin die Rümpfe und die Decks der Boote vom Typ Class 30 laminiert werden. Der ambitionierte Zeitplan sieht vor, die ersten Schiffe schon Ende 2022 auszuliefern. Danach soll jede Woche ein neues Boot fertig werden. Nach neuestem Stand der Dinge liegen aktuell offenbar bereits 25 Bestellungen vor. Und es gibt auch schon konkrete Pläne für ein erstes, umfangreiches Regattaprogramm 2023. Bei nicht weniger als 16 Regattaevents soll die Class 30 eine Einheitsklasse am Start sein, darunter auch beim Fastnet Race sowie bei verschiedenen Einhand- und Zweihandregatten. Außerdem soll mit den Booten vom Typ Class 30 die Idee der ehemaligen "Tour de France a Voile" wiederbelebt werden. Das Etappenrennen rund um Frankreich soll 2024 erstmals wieder stattfinden.

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