J-Boat-NeuauflageDrei Jahre nach Produktionsende: zweites Leben für die J 109

Jochen Rieker

 · 15.02.2017

J-Boat-Neuauflage: Drei Jahre nach Produktionsende: zweites Leben für die J 109Foto: YACHT/H.-G. Kiesel
Die J/109 wird von J-Boats neu aufgelegt
Sie zählte nach Stückzahlen wie nach Regatta-Silber zu den erfolgreichsten Cruiser/Racern weltweit. Jetzt legt J Boats die J 109 noch einmal neu auf

Ende Januar kursierte die Idee auf der boot Düsseldorf noch in vertraulicher Runde. Key Yachting, der rührige J-Boats-Händler in England, hatte sich vehement dafür ausgesprochen, die J 109 zu reaktivieren. Auf den britischen Inseln gibt es große und aktiv gesegelte One-Design-Flotten – und von langjährigen Eignern unverändert Nachfrage nach dem erstmals 2002 vorgestellten 35-Fuß-Cruiser/Racer.

  Relativ schmales Heck, breite Laufdecks, moderates Freibord – die J 109 wirkt zeitlosFoto: YACHT/H.-G.Kiesel Relativ schmales Heck, breite Laufdecks, moderates Freibord – die J 109 wirkt zeitlos

Dem Drängen gab J Composites jetzt nach. Die Werft in Les Sables d’Olonne, europäischer Partner der erfolgreichen US-Marke und Wegbereiter des Modells, nimmt die J 109 erneut ins Programm auf – drei Jahre, nachdem die letzte Yacht das Gelände verlassen hatte. Damit avanciert sie zu den Evergreens am Markt mit immerhin 15 Jahren Produktionszeit – gerade im Regattabereich ist das bei Booten dieser Größe höchst ungewöhnlich.

Doch der Schritt ist durchaus logisch. Als Nachfolger hat J Boats zwei Modelle entwickelt – die sehr reduziert ausgebaute, besonders leistungsfähige J 111 und die voriges Jahr präsentierte J 112 E. Bis sich auch nur um eines der beiden Boote ähnlich starke Felder bilden, wie sie die J 109 derzeit bietet, werden noch Jahre vergehen. Daher tendieren einige Eigner dazu, lieber das bewährte Boot neu zu kaufen.

  Blick unter Deck. Klassische Kajütaufteilung – und ein Hauptschott aus GFK-Sandwich Foto: YACHT/H.-G. Kiesel Blick unter Deck. Klassische Kajütaufteilung – und ein Hauptschott aus GFK-Sandwich 

Von den Linien her ist die J 109 ohnehin zeitlos. Ihr gemäßigter Freibord, der leichte Decksprung und das verjüngte Heck entsprechen zwar nicht mehr der aktuellen Mode, wirken aber heute noch sehr harmonisch.

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Technisch zählte sie ohnehin zu den Besten am Markt: Der Sandwich-Rumpf wird im Scrimp-Verfahren unter Vakuum laminiert; die Werft gibt zehn Jahre Garantie gegen Osmose. Der Bleikiel mit Niro-Finne ist in Machart, Güte und Shape beispiellos. Rodrigging und hydraulischer Achterspanner zählen zum Standard, ebenso perfekt dimensionierte Winschen und Fallenstopper. Alles Merkmale, die anderswo entweder gar nicht oder nur gegen Aufpreis erhältlich sind.

J Composites hat für die "Reinkarnation" ein durchaus attraktives Komplettangebot geschnürt. Mit modernster B&G-Navigationselektronik inklusive Zeus-Plotter und einem Satz Regattasegel von North Sails aus feinstem 3Di-Race-Material kostet das neu aufgelegte Boot 249.000 Euro ab Werft. Der Einstieg in die Klasse lässt sich mit einer J 109 aus zweiter Hand allerdings auch schon für die Hälfte oder weniger realisieren.

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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