IY 9.98 NextgenRadikale Überarbeitung für einen Erfolgsrenner

Michael Good

 · 27.03.2026

Bereit für die Feuertaufe bei der ORC-WM 2026 in Italien. Die IY 9.98 Nextgen noch ohne Kiel in der Werft.
Foto: Italia Yachts
​Die IY 9.98 Fuoriserie aus der Werft Italia Yachts gehört seit Jahren zu den auffälligen Erfolgsmodellen auf den ORC-Regattabahnen. Der von Vermessungskünstler Matteo Polli gezeichnete Zehnmeter-Racer hat in der ORC-Klasse C bereits zwei Weltmeistertitel gewonnen. Jetzt möchten die Yachtbauer in Italien an die Erfolge anknüpfen und legt mit einer technisch deutlich weiterentwickelten Version unter der Bezeichnung IY 9.98 Nextgen (nächste Generation) nach.

​Die Werft spricht nicht von einem bloßen Update, sondern von einer konsequent neu gedachten Generation – wie der Name verspricht. Tatsächlich fällt der technische Aufwand hinter dem Projekt Nextgen beachtlich aus. Rumpf, Deck, Struktur, Anhänge und Rigg wurden grundlegend überarbeitet, mit dem klaren Ziel, das Boot unter den geltenden Vermessungsregeln noch deutlich leistungsfähiger zu machen.

Neue Konstruktion: Leichter aber auch steifer

​Unter anderem mit einer neuen Bauweise: Rumpf und Deck entstehen beim neuen Boot im Single-Shot-Infusionsverfahren mit Vinylesterharz. Dabei wird ein PET-Schaumkern verwendet sowie PVC-Schaum in hoch belasteten Bereichen. Nach Angaben der Werft steigt die Steifigkeit der Strukturen von Rumpf und Deck insgesamt um rund 35 Prozent, während das Gewicht deutlich sinkt. Für den Rumpf nennt Italia Yachts einen Rückgang von 840 auf 630 Kilogramm, beim Deck von 570 auf 380 Kilogramm.

​Auch bei der Bodengruppe und den versteifenden Strukturen wurde deutlich nachgeschärft. Die gesamte Konstruktion mit Stringern, Schotten, Spiderframe und strukturell integrierten Möbeln entsteht neu in Verbundbauweise, teils mit Kohlefaser-Verstärkungen. Zwei zusätzliche Längsstringer und zwei weitere Schotten sollen überdies die Lastaufnahme verbessern. Ziel ist eine kompaktere, leichtere und belastbarere Plattform für den Regattaeinsatz.

Neuer Riggplan: Mehr Segelfläche, mehr Power

​Passend dazu wächst auch der Segelplan. In der Version Nextgen erhält die IY 9.98 serienmäßig einen höheren Mast aus Kohlefaser. Der Bugspriet wird auf stattliche 1,50 Meter verlängert. Nach Werftangaben soll das zu einem deutlich aggressiveren Setup führen: mit rund sieben Prozent mehr Segelfläche am Wind und 20 Prozent mehr vor dem Wind im Vergleich zur Standardversion.

​Überarbeitet wurden auch der Kiel und das Ruderblatt. In der Version Nextgen bekommt die IY 9.98 einen neuen und vermessungsoptimierten T-Kiel mit verfeinertem Profil und rund 150 Kilogramm mehr Ballast in der Bleibombe. Alternativ soll es den Kiel jetzt auch in einer für das Ausgleichsystem IRC optimierten Version geben. Das Ruder wird übrigens komplett aus Kohlefaser gebaut. Gemäß den Berechnungen von Konstrukteur Matteo Polli in Zusammenarbeit mit den Entwicklern der Italia Yachts Squadra Corse sollen die Änderungen und Neuerungen für die Version Nextgen einen Leistungsvorteil von 17 Prozent auf den ORC-Polardaten bringen.

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Unter Deck: Immer noch wohnlich

​Auch beim Innenausbau bleibt die IY 9.98 Nextgen kompromisslos auf Regattabetrieb getrimmt. Der Ausbau ist nun komplett in Komposit ausgeführt, mit superleichten Komponenten nach dem Vorbild moderner High-Performance-Boote. Trotz ultimativen Leichtbaus soll es unter Deck aber immer noch wohnlich bleiben. Im Vorschiff, seitlich auf den Salonkojen und in der Achterkabine können sechs Personen bequem übernachten. Für Tourentauglichkeit sorgt auch ein kleines Pantry-Modul sowie eine Nasszelle achtern.

​Ob die neue IY 9.98 Nextgen die hohen Erwartungen in Bezug auf die Leistungssteigerung erfüllen kann, wird das neue Boot spätestens bei den ORC-Weltmeisterschaften Anfang Mai 2026 vor Sorrento in der Bucht von Neapel unter Beweis stellen müssen.

Technische Daten IY 9.98 Nextgen

  • Konstrukteur: Matteo Polli / IY Design Team
  • Rumpflänge: 10,30 m
  • Breite: 3,54 m
  • Tiefgang: 1,90 m
  • Tiefgang optional: 2,10 m
  • Gewicht: 4,0 t ca.
  • Großsegel: 41,0 m2
  • Genua (105%): 33,0 m2
  • Gennaker: 125,0 m2

Michael Good

Michael Good

Redakteur Test & Technik

Michael Good ist Testredakteur bei der YACHT und kümmert sich in der Funktion in erster Linie um neue Boote, deren Vorstellung sowie um die Produktion von Testberichten. Michael Good lebt und arbeitet in der Schweiz am unteren Bodensee. Er segelt seit Kindertagen und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch seit vielen Jahren als aktiver Regattasegler unterwegs, derzeit vor allem in den Klassen Finn Dinghi und Melges 24. Zudem ist er Miteigner von einem 45er Nationalen Kreuzer mit Baujahr 1917. Michael Good arbeitet seit Januar 2005 für die YACHT-Redaktion und hat in der Zeit gegen 500 Yachten, Katamarane und Jollen getestet.

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