Mit der LA 28 hatte im Herbst 2015 ein echter Hingucker auf dem deutschen Bootsmarkt für Furore gesorgt. Form und Material sicherten der Neuerscheinung auf der Messe Hanseboot einen selten abreißenden Interessentenstrom. Nicht nur, dass es kaum noch Neubauten in Holz zu sehen gibt, auch das besondere Design mit dem stark gerundeten Seitendeck, dazu das Kohlefaserrigg und Membransegel stellen eine Mischung aus Klassik und Moderne dar, deren Faszination sich wohl kaum ein Segler entziehen kann.
Initiator der LA 28 ist Lothar Fichtner aus Waren an der Müritz. Der Unternehmer im Industrieanlagenbau, ehemaliger Fahrten- und gelegentlicher Regattasegler, wünschte sich einen Daysailer, mit dem er auf dem Mittelmeer vor Mallorca, wo er das Winterhalbjahr verbringt, segeln könnte. Einhandtauglich sollte er sein und über ausreichend Ballast verfügen.
Zu diesem Zweck hatte er sich bereits eine Shark 24 restaurieren lassen, ein Projekt, aus dem eine kleine Werft in Waren hervorging, zusammen mit dem Bootsbaumeister Andreas Zehle, der zuvor bei der Bootswerft Christen, bekannt durch ihre schnellen 20er-Regatta-Jollis, hobelte und lackierte. Doch er hatte seine Stelle verloren und fand mit Fichtner nun einen neuen Arbeitgeber. Der Zusammenschluss der beiden schlägt sich auch im Firmennamen nieder, LA-Yacht steht für Lothar und Andi.
Ursprünglich hatte Fichtner einen ganz anderen Plan, zu seinem Boot für Mallorca zu kommen: Er kaufte den Kern eines modernen 20er-Jollenkreuzers. Dieser wurde verlängert und diente als Form für einen 20er, mit dem Fichtner auf der Müritz segeln will, dem ersten echten Neubau der Werft. „Zunächst war nur das Ziel, die Leute in Arbeit zu halten“, so Fichtner, der später auch zwei Gesellen übernahm, „solche Künstler in Holzarbeiten kann man doch nicht einfach gehen lassen.“ Die 20er-Form sollte dann weiter modifiziert sowie hochbordiger werden und das geplante Boot einen Kiel erhalten, den der Far East 26, den Fichtner in China geordert hatte.
Da ihm jedoch Bedenken kamen, ob das alles so richtig zusammenpassen würde, zog er mit Martin Menzner von Berckemeyer Yacht Design aus Laboe einen ausgewiesenen Fachmann zu Rate. Was offenbar keine schlechte Entscheidung war: Denn Menzner musste Fichtners Elan einen Dämpfer erteilen – der 20er habe nicht ausreichend Volumen für einen solchen Kiel.
Da der aufwändige Anhang mit Carbonschaft und Bleibombe aber nun einmal da war, erteilte Fichtner Menzner den Auftrag, eben ein Boot zu konstruieren, das diesen Kiel tragen könne. Zudem sollte es ein echter Hingucker sein, denn die junge Werft benötigte Aufmerksamkeit. Menzner ließ sich bei seinem Entwurf von den Formen moderner Mehrrumpfer inspirieren, mit ihren Wavepiercer-Bügen und abgerundeten Decks, die den Windwiderstand verringern. „Ich bin überzeugt, dass diese Stilelemente immer mehr Einzug in den normalen Yachtbau finden werden“, so Menzner.
Das hervorstechendste Merkmal, der gerundete Übergang vom Rumpf zum Deck, ist ein Augen- und Handschmeichler. Wohl kaum ein Messebesucher konnte es sich verkneifen, mit der Hand die wohlgeformte Wölbung nachzufahren. Das Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen, wurde damit erreicht.
Die Rundung birgt jedoch viel mehr Interessantes, was sich erst im Innenraum erschließt. Die Höhe des Freibordes lässt sich mit der Rundung sehr gut kaschieren. Das Deck kann so höher liegen, das Ergebnis ist ein sehr unauffälliger, flacher Aufbau und dennoch für einen Daysailer dieser Größe enorm viel Höhe im Innenraum. Dasselbe Ergebnis hätte mit einem schrägen Übergang von Rumpf und Deck erzielt werden können, ähnlich wie bei der Bente 24, „doch wir wollten zeigen, was die Bootsbauer können und außerdem ein schönes Boot, deshalb die Formverleimung“, so Menzner.
Dabei werden mehrere Schichten Mahagonifurnier übereinandergeklebt, was mit harten Knicken nicht möglich ist. Das Furnier würde brechen – ein weiterer Grund also für die Rundungen. Zugleich machte dieses Stilelement eine unkonventionelle Herstellungsmethode nötig. Es werden nicht Rumpf und Deck gebaut und dann verbunden, sondern eine komplette linke und rechte Seite in der Mitte zusammengeklebt.
Dank des relativ hoch liegenden Decks kann auf den Hundekojen im Salon selbst unter dem Seitendeck mit einer lichten Höhe von 73 Zentimetern noch bequem gesessen werden. Was umso wichtiger ist, als die LA 28 ansonsten kaum Komfort bietet; sie ist eben ein Daysailer, allerdings mit vier vollwertigen Schlafplätzen und einem Mini-Salon. Die „Stehhöhe“ dort beträgt jedoch gerade mal 1,35 Meter, mehr ist aber gar nicht gewollt.
Auf dem Zeichenbrett gibt es noch eine Variante mit einem etwa 50 Zentimeter nach achtern verlängerten Aufbau. Dann lässt sich ein kleines WC-Abteil unterbringen. Ein Kocher findet bereits in der Grundversion auf den Ablagen neben dem Kielkasten Platz.
Dieser Kasten, für ein Kielboot eher untypisch, ist nötig, um den Kiel zum Trailern einfahren zu können. Der Kopf der Kielfinne sitzt in diesem Kasten wie ein Fuß im Schuh. Wird das Boot mit gelösten Sicherungsbolzen per Kran auf den Trailer gesetzt, schiebt sich die Finne durch den Kasten nach oben. Ähnlich soll in einer späteren Variante ein Hubkiel funktionieren, bei dem sich per Talje der Tiefgang von 1,75 auf 1,1 Meter verringern lässt. Ganz einziehen lässt er sich jedoch bei beiden Versionen wegen der fehlenden Höhe im Innenraum nicht.
Der 600 Kilogramm schwere Kiel macht fast die Hälfte des Bootsgewichtes aus, entsprechend viel Segelfläche kann der Kleinkreuzer tragen. Trotzdem ist er so steif, dass auch ungeübte Segler mit ihm zurechtkommen dürften. Wegen der angestrebten Einhandtauglichkeit ist die Fock selbstwendend ausgeführt, der Steuermann muss nur das Groß bedienen. Dabei segelt die LA 28 am Wind hoch, schafft Wendewinkel unter 45 Grad.
Gaspedal und zugleich Spaß-Katalysator ist jedoch der 65 Quadratmeter große Gennaker. Da das Boot insgesamt mit knapp über einer Tonne im Verhältnis zur Länge sehr leicht ist, springt es in Böen sofort an und setzt Druck in Speed um. Bei zunehmendem Wind kann die Gennakerschot auf eine der Winschen auf dem Aufbau gelegt werden, was nötig ist, da die Blase dann gehörig Zug entwickelt. Trotz leichten zwei bis drei Windstärken kletterte die Logge öfter bis an den zweistelligen Bereich.
Carbonrigg, Carbonkiel und -ruder, Bleibombe sowie sehr hochwertige Beschläge von Harken schlugen sich im Preis nieder. Das Gleiche gilt für die handwerklich aufwändige Herstellung und die teuren Materialien wie Mahagoni und Epoxid. Dafür gibt es aber einen bisher einmaligen Daysailer mit dem Charme eines Holzbootes, der auf jedem Revier für Aufmerksamkeit sorgen dürfte.
Ein Daysailer, der mit seinem Design und wegen seiner Holzbauweise für Aufsehen sorgt. Der hochwertig verarbeitete sportliche Kleinkreuzer ist dank ausgeprägtem Ballastanteil und leichter Bedienung auch von Segeleinsteigern beherrschbar.
Eigenständiges Design
Leicht durch Formverleimung
Abrutschgefahr an der Decksrundung
Sehr gute Segelwerte
Einhandtauglich
Durchdachte Beschlagsanordnung
Erstklassige Bootsbauarbeit
Vier vollwertige Kojen
Enger Salon durch Kielkasten
Hochwertige Beschläge
Daysailer-gerechter Minimalismus
Mahagoni formverleimt, zwei Rumpfschalen, mittig verklebt. Schotten und Einbauten aus Sperrholz.
Lothar Fichtner ist Mitte Juli 2026 gestorben. Der 1953 in Wernigerode geborene Maschinenbauingenieur war erfolgreicher Unternehmer und leidenschaftlicher Segler. Nach einer Karriere im Armaturenbau, in der er vom Vertrieb bis zum Geschäftsführer und Gesellschafter aufstieg und Unternehmen weiterentwickelte, widmete er sich nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben verstärkt dem Segelsport. Die Leidenschaft dafür begleitete ihn allerdings schon seit jungen Jahren. Mit einem selbst aufgebauten Piraten begann das Familiensegeln, später war Fichtner unter anderem als Regattasegler in der Shark-24-Klasse aktiv und nahm an Welt- und Europameisterschaften teil.
Die Müritz wurde dabei über Jahrzehnte zu einem Mittelpunkt seines seglerischen Lebens. Seit 1978 verbrachte er dort mit seiner Familie viel Zeit auf dem Wasser, später engagierte er sich auch mit seinen Hanse-Yachten im Regattasport. Schließlich verband Fichtner seine technische und unternehmerische Erfahrung mit seiner Leidenschaft für den Bootsbau und gründete in Waren eine eigene Werft. Dort entstand unter anderem die LA 28 „La Luna“, mit der er noch im vergangenen Jahr an der Copa del Rey auf Mallorca teilnahm. Einen der Entwürfe aus Fichtners Werft hatte YACHT 2015 getestet. Diesen bislang nicht online veröffentlichten Test machen wir aus Anlass seines Todes nun zugänglich.
Yacht- und Bootsbau behandelt Holz und andere Bootsbauwerkstoffe, die Herstellung von Spanten, Beplankungsarten und den Decksbau.
Yachtdesign richtet den Blick auf die ästhetische und konstruktive Idee hinter besonderen Segelyachten. Der Band porträtiert prägende europäische Yachtkonstrukteure und ihre Entwürfe mit Bildern, Texten und Interviews. Für Leser ergänzt er die technische Perspektive um die Frage, wie klare Linien, Materialwahl und Proportionen den Charakter eines Bootes formen.
Ist ein aufwendig gebauter Daysailer aus Holz und Carbon faszinierende Bootsbaukunst oder ein Luxus, bei dem Aufwand und Nutzen nicht mehr zusammenpassen? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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