KleinkreuzerGünstiger Einstieg – vier Mini-Tourer im Vergleich

Michael Rinck

 · 28.08.2022

Kleinkreuzer: günstiger Einstieg – vier Mini-Tourer im VergleichFoto: YACHT/Jozef Kubica

Simples Aufriggen und Segelspaß wie auf einer Jolle, dafür Basis-Wohnkomfort und Kentersicherheit: Die Kleinkreuzer-Klasse um sechs Meter ist extrem vielseitig. Der Vergleich

In diesem Testbericht:

Das Segment um 19 Fuß Rumpflänge bietet eine spannende Mischung aus Jolle und Kleinkreuzer. Die Boote lassen sich einfach trailern, so ist eine flexible Revierwahl möglich, und auch preislich ist der Straßentransport spannend, da die Kosten für das Winterlager und den Liegeplatz wegfallen können, wenn ein eigener Stellplatz vorhanden ist. Die Schiffe sind sehr schnell segelklar und ohne Motor sowie auch einhand einfach manövrierbar. Zudem kommen sie dank variabler Tiefgänge bis an den Strand. Die Kabine bietet zwar kaum Komfort, reicht aber, um sich auszustrecken und auch zu übernachten. Die Boote bieten also rudimentären Wohnkomfort, lassen unter Segeln jedoch deutlich größere Yachten hinter sich, spätestens wenn sie ins Gleiten kommen, und bieten einfachen Segelspaß. Je nach Nutzung lassen sie sich am treffendsten als Daysailer, Wanderjollen, Kleinkreuzer oder Mikrokreuzer charakterisieren.

Die Bootsgröße ist nicht neu, bringt aber viele, aktuell nützliche Vorteile mit: Es lassen sich Binnen- und Küstenreviere vor der Haustür, aber auch weiter weg erkunden. Das ist praktisch in Zeiten mit Liegeplatzknappheit. Soll doch ein fester Liegeplatz her, findet sich dieser einfacher und günstiger mit kleinem Boot. Auf einigen Binnenrevieren sind diese auch in der Größe beschränkt. Wird das Schiff eher für den Feierabendschlag genutzt, ist der Daysailer schneller klar.

Als Hilfsantrieb reicht ein kleiner E-Außenborder, aber es geht ebenso ganz ohne, da sich die Boote wie in Jollenmanier selbst unter Segeln auf engem Raum bewegen lassen. Nicht zuletzt macht auch der verglichen mit großen Fahrtenyachten geringere Kaufpreis die Kleinkreuzer extrem attraktiv. Getestet wurden nicht allein neue Typen, sondern Segelboote, die aktuell am Markt neu erhältlich sind, auch wenn die Designs schon älter sind.


Vorstellung der vier Kleinkreuzer

Beneteau First 18: Racer aus Slowenien

Nach Boltenhagen in die Yachtwelt Weiße Wiek kamen vier Schiffe zum Vergleichstest: Die Beneteau First 18 wurde seit 2010 von Seascape in Slowenien gebaut und wird seit der Übernahme durch die französische Großserienwerft als First 18 SE weiter unverändert angeboten. Das ist auch gut, denn mit der Einheitsklasse wird aktiv Regatta gesegelt. Der Kleinkreuzert ist sehr einfach und schnörkellos gehalten, hat ein hohes Speedpotenzial besonders auf Raumwindgängen mit Gennaker. Aber nicht nur Regattasegler werden mit der kleinen First ihren Spaß haben, denn auch für die nachmittägliche Ausfahrt oder sogar einen mehrtägigen Törn bietet sich das Schiff an. Gennakermanöver fallen dank der Bergetrompete leicht. In Norddeutschland wird das Boot von Oleu Watersports in Heiligenhafen vertrieben – daher kam auch unser Testboot. Daneben ist Enjoy Yachting in Seelze nahe Hannover gleichfalls Beneteau-Händler.


Lis 6.0: Evergreen aus Deutschland

Die Lis hat einen geschlossenen Spiegel. Gesessen wird auf Duchten, die von einem Süll eingefasst sind. Dieses wiederum ist zu schmal zum Sitzen
Foto: YACHT: Jozef Kubica

Die Lis 6.0 wird bei Gade Bootsbau seit 2016 gebaut, sie wurde anlässlich des 50- jährigen Firmenjubiläums als Weiterentwicklung der Lis-Jolle entworfen. Die Lis gibt es in drei Varianten: als Jolle mit nur kleinem Stauraum im Vorschiff und als Lis-Jollenkreuzer mit Schlupfkajüte. Bei der Lis-Family wurde der Rumpf etwas verbreitert und erhöht, um den Innenraum zu vergrößern. Die Boote wurden in fünf Jahrzehnten sehr erfolgreich verkauft, etwa 1.600 Stück wurden gebaut. Die Lis 6.0 ist aus dem bewährten Entwurf weiterentwickelt worden. Der Rumpf ist einen Meter länger geworden, und auch Cockpit und Aufbau wurden neu gestaltet. Diese Variante wurde bisher noch nicht von der YACHT getestet. Mit 420 Kilogramm ist die Lis 6.0 das leichteste und preislich attraktivste Schiff im Testfeld.


Sailart 19: Daysailer aus deutsch-polnischer Coop

Die Sailart bietet zwei Sitzpositionen: unten auf der Ducht und oben auf dem nach achtern verlängerten Laufdeck. Das Gurtband im Rücken gibt Halt
Foto: Jozef Kubica

Die Sailart 19 gibt es seit 2016, sie ist als Ergänzung aus der Sailart 20 entstanden und soll ein Publikum ansprechen, das weniger Touren segelt, dafür kürzere Tagesausfahrten unternimmt. Die Werft in Erftstadt lässt die Rümpfe in Polen fertigen und ist bekannt für ihre hohen Qualitätsstandards sowie gelungene Detaillösungen. Die 19er ist im Testfeld das Boot mit dem größten Innenraum, aber auch das breiteste und schwerste Schiff im Vergleich.


Die XP 19: Einhandtauglich, aus Slowenien

Ähnliches Layout wie auf der First: Auf der XP 19 wird auf dem nach hinten verlängerten Laufdeck gesessen. Die Plicht bietet viel Platz

Die XP 19 ist der jüngste Entwurf (2020). Sie ist das Projekt von Andreas Budde, einem begeisterten Mikrotonnersegler, und für Ausfahrten einhand optimiert. Deswegen ist der Gennaker eigentlich nicht vorgesehen. Durch fast neutrale, wenig gepfeilte Salinge soll das Großsegelprofil auch auf Raumwindgängen erhalten bleiben und weniger von Wanten und Salingen beeinträchtigt werden. Dafür braucht die XP ein Achterstag. Gebaut wird sie in Slowenien.


Kennzahlen und Messwerte

Deutliche Unterschiede zeigen sich im Gewicht: Die Sailart 19 ist das schwerste, aber auch wohnlichste Boot
Foto: YACHT

Die Kleinkreuzer einzeln unter Segeln

An drei Tagen boten sich hervorragende Testbedingungen. Von der Yachtwelt Weiße Wiek ausgehend, führten die Testschläge hinaus auf die Wohlenberger Wiek am Eingang der Wismarbucht. Mit reichlich Wind von zwölf, in Böen bis 23 Knoten am ersten Testtag mussten die Kandidatinnen ihre Seetüchtigkeit unter Beweis stellen. Zugute kam ihnen dabei, dass sich im Testrevier bei südwestlichen Winden keine große Welle aufbaut. Dennoch war der Tag fordernd für Boote und Crews.

Lis 6.0: Schwächen auf dem Amwindkurs

Besonders die Lis 6.0 hatte zunächst zu kämpfen. Das Genuafall konnte anfangs nicht richtig durchgesetzt werden. Da sich die Bedienung am Vorstag befindet, ist es schwierig, das Problem auf See mit schlagendem Vorsegel zu lösen. Im eingerollten Zustand ist die Trimmeinrichtung durch das aufgewickelte Segel verdeckt. Nach einem kurzen Boxenstopp im Hafen ließ sich das Ärgernis zumindest teilweise beheben. Insgesamt hatte das Vorstag immer noch viel Durchhang, zudem war das Vorsegel sehr bauchig profiliert. Dadurch entstand sehr viel Druck, der paradoxerweise durch das erste Reff im Groß sogar zunahm. Die provisorisch eingeschorene Reffleine erzeugte einen extremen Bauch im Segel, sodass der Druck nach dem Ausreffen mit vollem Groß sogar geringer wurde. Ohne Achterstag ließ sich das Vorstag aber nur unzureichend spannen. Das sollte eigentlich durch die gepfeilten Salinge möglich sein, jedoch gaben die mit vier Millimeter recht dünnen Wanten auch etwas nach, so stand das Rigg recht wabbelig.

Die Lis 6.0 hat Amwind-Probleme wegen fehlender TrimmeinrichtungenFoto: YACHT/Jozef Kubica
Die Lis 6.0 hat Amwind-Probleme wegen fehlender Trimmeinrichtungen

Mit einem dritten Mann im Cockpit ließ sich die Lis 6.0 dann beherrschen, ganz hoch an den Wind kam man aber nicht. In knackigen Böen musste die Großschot großzügig gefiert werden, um die Kontrolle zu behalten. Der Niederholer am Ruderblatt hatte so viel Reck, dass das Blatt bei Fahrt etwas nach achtern klappte. So stieg bei zunehmendem Speed auch der Ruderdruck enorm. Das hatte zur Folge, dass der Kleinkreuzer in starken Böen Probleme hatte, durch den Wind zu gehen. Dazu war es nötig, etwas abzufallen und mehr Fahrt aufzunehmen. Umso erstaunlicher, dass das nur 420 Kilogramm wiegende Boot auf raumem Kurs in einer Bö plötzlich 9,8 Knoten Speed über Grund loggte. Das Kielwasser riss sauber ab, und auf beiden Seiten des Bugs spritzte Gischt nach oben. Die leichte Bauweise zeigte sich aber auch beim Abstützen mit den Füßen an der gegenüberliegenden Ducht im Cockpit: Das Material flexte leicht.


Beneteau First 18: reichlich Segelspaß

Die Lis 6.0 war nicht das einzige Boot, das an diesem Tag ins Gleiten kam. Ausnahmslos alle Testboote sind dazu in der Lage, und das sogar ohne Gennaker. Nur die First 18 war mit einem Raumwindsegel ausgestattet. Als Option ist das auf allen Schiffen möglich. Auf der First fühlten sich die Böen nicht nach Überlebenskampf an; einhand war sie deutlich überpowert, blieb aber beherrschbar, zu zweit, mit etwas mehr Gewicht auf der Kante, machte es dann richtig Spaß. Das Fathead-Großsegel hat den Vorteil, dass es sehr flach geschnitten ist – das ist möglich, da es auch im oberen Drittel noch effizient umströmt wird. Es sorgt für reichlich Vortrieb ohne hohen Druck. In starken Böen reicht es, die Großschot leicht zu fieren, dann drückt das Profil im oberen Bereich nach Luv und erzeugt so ein aufrichtendes Moment. So bleibt das Boot selbst bei hohen Windgeschwindigkeiten auf Amwind-Kursen schnell und einfach bedienbar mit nur zwei Personen. Die Doppelruderanlage liefert gute Rückmeldung und steuert sich feinfühlig.

Die First 18 hat zwar viel Segelfläche, das Suarehead-Groß erzeugt aber nicht zu viel DruckFoto: YACHT/Jozef Kubica
Die First 18 hat zwar viel Segelfläche, das Suarehead-Groß erzeugt aber nicht zu viel Druck

Das bleibt auch so, wenn der Gennaker hochgeht. Das bunte Segel steckt in der Bergetrompete auf dem Vorschiff, der Segelhals ist an der Nock des ausfahrbaren Gennakerbaumes angeschlagen. Es muss also nur der Baum ausgefahren werden, eine Tackleine gibt es nicht. Das Gennakerfall ist endlos und wird beim Bergen des Raumwindsegels zur Bergeleine, mit der das Tuch wieder in die Trompete gezogen wird. Die Bedienung ist dadurch sehr einfach. Am Abend des ersten Testtages hatte der Wind schon leicht abgenommen, die Böen reichten nicht mehr an die 20-Knoten-Marke, mit Gennaker loggte die First 18 aber mehrfach zwölf Knoten Speed über Grund. Solange das Raumwindsegel gesetzt war, blieb das Boot in Gleitfahrt.


XP 19: agil mit reichlich Segelfläche

Ebenfalls über zehn Knoten schnell wurde die XP 19, allerdings ohne Gennaker. In den teils kräftigen Böen glitt das Schiff gut an und loggte um die acht Knoten. Mit Hilfe der Heckwelle des Fotobootes in Verbindung mit einer Bö von gut 20 Knoten zeigte die Logge kurzzeitig 11,2 Knoten, doch dann brach das Ruderblatt auf Höhe der Wasserlinie ab. Die Bruchkante begann genau an der Bohrung an der Vorderkante des Blattes, wo die Niederholerleine ansetzt – eventuell schwächt das Loch an dieser Stelle die Struktur. Per Elektroaußenborder war die XP 19 glücklicherweise auch ohne Ruder manövrierfähig und konnte selbstständig in den Hafen fahren. Ein Ersatzruderblatt von der nächsten Baunummer konnte schon am nächsten Tag angebaut werden.

Die XP 19 segelt agil und hat reichlich SegelflächeFoto: YACHT/Jozef Kubica
Die XP 19 segelt agil und hat reichlich Segelfläche

Bei den windreichen Bedingungen des ersten Testtages war die XP 19 zu zweit gut segelbar, am Wind fehlte aber Gewicht in Luv, aktiver Trimm an der Großschot war unerlässlich. Allein ließ sich das Boot nur mit Großsegel und eingerolltem Vorsegel beherrschen. Die hohe Segeltragezahl der XP 19 zeigt es: viel Segelfläche fürs Bootsgewicht. Allerdings ist im Standard ein kleineres Großsegel für Starkwind enthalten. Auffällig war, dass die Holepunkte für die Genua außen am Aufbau positioniert sind, damit sind im Vergleich zur First und zur Sailart weniger enge Schotwinkel möglich. Vollständig dichtgeholt, stieß die Genua an die Oberwanten.


Sailart 19: ein kleiner Performance-Cruiser

Die Sailart 19 segelte auch bei windigen Bedingungen einhand am souveränsten. Das liegt sicher an der hohen Formstabilität durch die Breite sowie den hohen Ballastanteil. Außerdem machte die Selbstwendefock die Manöver sehr einfach. Breite, Gewicht und kleineres Vorsegel sind sicher ein Vorteil bei mehr Wind, bedeuteten aber dennoch keinen Nachteil für die Geschwindigkeit.

Die Sailart 19 ist auch bei viel Wind einhandtauglichFoto: YACHT/Jozef Kubica
Die Sailart 19 ist auch bei viel Wind einhandtauglich

Das Boot glitt auch ohne Gennaker gut an und vermittelte Segelspaß und Sicherheit gleichermaßen. Die Steuerung ist direkt, und das Cockpit bietet gute Sitzpositionen. Bei Wind sitzt es sich oben auf der Kante am besten. Die Reling besteht hier statt Draht aus Gurtbändern. Diese wirken zuerst sehr lose, vereinfachen aber das Ausreiten enorm und tragen zu einer sehr angenehmen Sitzposition bei, gleichzeitig kommt das Körpergewicht so optimal nach Luv.


Direkter Vergleich der Kleinkreuzer unter Segeln

An den folgenden Tagen konnte auch die Performance bei Mittel- und Leichtwind verglichen werden. Bei sehr leichtwindigen Bedingungen segeln sich alle Schiffe in der Testgruppe wie Jollen. Bei zehn bis zwölf Knoten Wind mit leichten Böen loggten alle Kandidatinnen bei etwa 60 Grad zum wahren Wind zwischen 4,5 und knapp sechs Knoten Speed über Grund. Am schnellsten war die First, dicht gefolgt von Sailart und XP, die Lis konnte erstaunlich gut mithalten. Das liegt sicher am geringen Gesamtgewicht, der Vorteil relativiert sich aber durch die kleinste Segelfläche im Vergleich.

Die First 18 (2. v. r.) wird serienmäßig mit Gennaker geliefertFoto: YACHT/Jozef Kubica
Die First 18 (2. v. r.) wird serienmäßig mit Gennaker geliefert

Bei leichtem Wind unter zehn Knoten rückte die Sailart leistungsmäßig an die First 18 heran, was mit der schmaleren Wasserlinie erklärbar ist. Die Sailart spielt ihr gesamtes aufrichtendes Moment erst bei Lage voll aus, wenn der Chine im Wasser ist. Die First wiederum braucht am Wind etwas Lage, dann ist weniger Lateralfläche benetzt und das Boot segelt schneller. Die Lis 6.0 konnte bei ganz leichtem Wind nicht mehr mithalten. Bei sehr leichter Brise half ihr der Gewichtsvorteil nicht, hier hat die Güte der Segel und deren Fläche mehr Einfluss.


Variabler Tiefgang, mit den Kleinkreuzern an den Strand

Um den großen Vorzug des Hubkiels neben dem einfachen Trailern in der Praxis zu testen, fuhren wir mit der Testgruppe an den Strand. Bis auf die Sailart mit 60 Zentimeter Tiefgang bei aufgeholtem Kiel kamen alle bis ans Ufer. Die First war als Regattaboot am wenigsten auf ein solches Manöver vorbereitet. So fehlen an den Ruderblättern Gummibänder, um diese stufenlos aufholen und arretieren zu können. Vorgesehen ist nur ganz im Wasser oder raus. Ohne Ruder und mit aufgeholtem Kiel beginnt das Schiff aber sehr schnell zu treiben, dazu reicht schon eine ganz leichte Brise im Rigg und am Rumpf. Es erfordert also etwas Fingerspitzengefühl und einen Sprung ins brusthohe Wasser, um an den Strand zu gelangen, ohne mit den Blättern auf Grund zu laufen. Da sie in einer Kassette geführt werden, können sie beim Auflaufen nicht nach achtern klappen, und eine Beschädigung ist somit wahrscheinlich.

Das Beachen gelingt auf den vier Kleinkreuzern unterschiedlich gutFoto: YACHT/Jozef Kubica
Das Beachen gelingt auf den vier Kleinkreuzern unterschiedlich gut

Nicht so bei Lis, XP und Sailart, da legen sich die einmal entsicherten Blätter im Zweifel bei Grundberührung einfach nach hinten. Bei der XP 19 ist aber zu beachten, dass der Kiel nicht klappt und somit frühzeitig aufgeholt werden muss, um Schäden zu vermeiden.


Wohnen auf den Kleinkreuzern

First 18: ausreichende Liegefläche

Ist ein schöner Platz am Strand oder im flachen Wasser davor gefunden, stellt sich sogleich die Frage nach der Bewohnbarkeit der Kleinkreuzer. Die First 18 bietet als das sportlichste Boot auch den geringsten Wohnkomfort. Immerhin gibt es eine 2,00 mal 1,60 Meter messende Liegefläche im Bug; Polster sind als Option erhältlich (667 Euro). Aber schon am Niedergang zeigt sich, es ist nicht einfach, in die Kabine zu kommen, der Einstieg ist sehr eng, die Winde für den Kiel ist im Weg. Unter Deck gibt es keine Aufbaufenster, es wirkt höhlenartig.

Lis 6.0: King-Size-Koje

Das sieht auf der Lis 6.0 schon viel besser aus. Der Schritt unter Deck ist auch etwas beengt durch den Niedergang, dann bietet sich aber eine recht wohnliche kleine Kabine. Durch eine kräftige Struktur in der Decke wird der Stauchdruck des Mastes ohne Stütze in den Rumpf geleitet. Das sorgt für mehr Platz. Die Koje ist mit 2,37 mal 1,80 Meter schon King Size; diese Ausmaße erreicht sie nur, wenn der Tisch und ein zusätzliches Polster den Fußraum zwischen den Duchten zur Liegefläche addieren. Für Wohnlichkeit sorgt eine textile Bespannung der Bordwände sowie eine spezielle Beschichtung der Kajütdecke, sie soll das Raumklima regulieren und Kondenswasserbildung vermeiden.

Sailart 19: ausgewachsener Kleinkreuzer

Wie auf einem ausgewachsenen Kleinkreuzer fühlt es sich unter Deck der Sailart 19 an. Hier zeigt sich, dass die Werft ein richtiges Raumkonzept erarbeitet hat. Deutlich wird das an guten Sitzmöglichkeiten, einer praktischen Staulösung, gemütlicher Beleuchtung und Holzelementen, die für schiffige Atmosphäre sorgen. Die Koje im Bug misst 1,98 Meter in der Länge und Breite, am Fußende sind es 44 Zentimeter. Dazu kommen noch die Bänke, die zweimal 2,24 mal 0,67 Meter groß sind.

XP 19: großes Cockpit, für eine Kuchenbude geeignet

Die XP 19 wiederum bietet unter Deck nicht so viel Komfort wie die Sailart. Auch hier sind Polster optional erhältlich. Platz zum Ausstrecken gibt es für zwei Personen auch, der ist aber durch den Hubkiel etwas unterteilt. So muss mit Kopf und Oberkörper schon auf der Sitzbank gelegen werden, die Koje im Vorschiff ist nur etwa 1,60 Meter lang. Fenster im Aufbau bieten bis auf die First alle drei Testkandidatinnen. Bei der XP ist noch das sehr geräumige Cockpit (1,30 mal 2,55 Meter) zu erwähnen. Das kann mit Hilfe einer Plane schnell zum zusätzlichen Wohnraum werden.


Die Bauweise

In der Bauweise gibt es einige Unterschiede zwischen den Testbooten. Bei First 18 und Sailart 19 sind Deck und Rumpf aus einem Sandwichlaminat aus Glasfaser und Polyesterharz mit Schaumkern gefertigt. Bei der First wurde für die ersten Lagen Vinylesterharz verwendet. Auf der XP 19 ist das Deck ebenfalls ein Sandwich mit Schaumkern, der Rumpf hingegen ist ein Volllaminat. Sailart und XP haben zusätzlich zum Sandwichdeck noch eine Innenschale. Sie sorgt für ein sauberes Finish, und die zusätzliche Isolierung verhindert Kondenswasser im Innenraum.

Bei der Lis 6.0 sind Deck und Rumpf aus einem Volllaminat hergestellt. Das Finish unter Deck sieht teilweise etwas grob aus, die mineralische Beschichtung gegen Kondenswasserbildung ist rau. Verschraubungen von Beschlägen an Deck sind innen sichtbar. Peter Gade, Werftchef von Gade Kunststofftechnik erklärt, dass 200 Stunden ausreichen müssen, um eine Baunummer fertigzustellen. Sonst ist das Boot durch die höheren Lohnkosten in Deutschland nicht mehr rentabel.

Bei der XP 19 gehen im Vergleich schon sehr viele Arbeitsstunden allein in die Deck-Rumpf-Verbindung. Diese ist im oberen Teil der Bordwand mit einem zusätzlichen Einsatz anlaminiert. Viele Stunden verschlingen das Spachteln und Schleifen. 600 sind es insgesamt.


Die Preise im Überblick

Trotz dieser Unterschiede liegen die Schiffe preislich eng beieinander. Der Standardpreis der Lis ist niedriger, dafür ist bei der XP im Standard schon mehr enthalten. Mit der Ausstattung im Test war die XP 19 mit 28.000 Euro am günstigsten, dicht gefolgt von der Lis mit 29.000 Euro. Die XP 19 kam ohne Polster, dann sind die Boote preislich gleichauf. Die Beneteau First 18 kostet in der Ausstattungsvariante etwa 35.000 Euro. Dafür sind ein vollständiges Gennaker-Setup und hochwertiger Segelsatz enthalten. Die Sailart 19 hätte 41.000 Euro gekostet. Dabei ist ein angepasster Torqeedo mit Steuerung an der Pinne und Akku in der Backskiste sowie Elektroinstallation unter Deck. Der segelfertige Preis enthält auch die Trailer.

Aber welches Boot ist das richtige? Wer schnell unterwegs sein möchte und Lust auf Regatten hat, der ist mit der First 18 am besten beraten. Die Sailart 19 bietet den besten Kompromiss aus Wohnkomfort und Segelleistung. Mit einem speziellen Trailer kann sie auch normal geslippt werden. Lis 6.0 und XP 19 sind preislich am attraktivsten, die XP 19 hat mit der besten Mischung aus Preis und Leistung einen Vorsprung. Und einmal in Gleitfahrt, sind alle Kandidatinnen schneller als so manche 35-Fuß-Yacht.


Preise und Daten im Detail

First 18

Foto: YACHT

Konstrukteur Manuard YD/EP Studio

Technische Daten

  • CE-Entwurfskategorie C
  • Rumpflänge 5,55 m
  • Wasserlinienlänge 5,45 m
  • Breite 2,38 m
  • Tiefgang 0,18–1,50 m
  • Masthöhe über WL 8,52 m
  • Theor. Rumpfgeschw. 6,0 kn
  • Gewicht 500 kg
  • Ballast/-anteil 125 kg/25 %
  • Großsegel 15,60 m2
  • Rollgenua (106 %) 9,00 m2
  • Gennaker (Option) 35,00 m2

Rumpf- u. Decks­bauweise Beides Polyester-Sandwich mit Waben-Kernmaterial

Ausstattung und Preise

  • Grundpreis ab Werft 31.059 €
  • Preis segelfertig 40.063 €

Werft Beneteau/Seascape

Vertrieb Oleu Watersports, Jachthafen-Promenade, 23774 Heiligenhafen


Lis 6.0

| YACHT
| YACHT

Konstrukteur Dieter Gade

Technische Daten

  • CE-Entwurfskategorie C
  • Rumpflänge 6,00 m
  • Wasserlinienlänge 5,60 m
  • Breite 2,08 m
  • Tiefgang 0,25–1,25 m
  • Masthöhe über WL 8,20 m
  • Theor. Rumpfgeschw. 5,6 kn
  • Gewicht 420 kg
  • Ballast/-anteil 80 kg/19 %
  • Großsegel 11,00 m2
  • Rollgenua (106 %) 7,00 m2
  • Spinnaker (Option) 15,00 m2

Rumpf- u. Decks­bauweise Beides Polyester-Volllaminat in Handauflage

Ausstattung und Preise

  • Grundpreis ab Werft 20.490 €
  • Preis segelfertig 29.935 €

Werft und Vertrieb Peter Gade Kunststofftechnik, Eilendorfer Straße 153, 52078 Aachen


Sailart 19

| YACHT
| YACHT

Konstrukteur Sailart

Technische Daten

  • CE-Entwurfskategorie C
  • Rumpflänge 5,70 m
  • Wasserlinienlänge 5,40 m
  • Breite 2,50 m
  • Tiefgang/alternativ 0,60–1,30 m
  • Masthöhe über WL 9,10 m
  • Theor. Rumpfgeschw. 5,5 kn
  • Gewicht 790 kg
  • Ballast/-anteil 180 kg/23 %
  • Großsegel 14,00 m2
  • Selbstwendefock 6,00 m2
  • Gennaker (Option) 25,00 m2

Rumpf- u. Decks­bauweise Beides Polyester-Sandwich mit Divinycell-Kern

Ausstattung und Preise

  • Grundpreis ab Werft 35.600 €
  • Preis segelfertig 46.814 €

Werft und Vertrieb Sailart, Siemensstraße 8a, 50374 Erftstadt


XP 19

| YACHT
| YACHT

Konstrukteur Andreas Budde

Technische Daten

  • CE-Entwurfskategorie C
  • Rumpflänge 6,00 m
  • Wasserlinienlänge 5,18 m
  • Breite 2,44 m
  • Tiefgang/alternativ 0,35–1,25 m
  • Masthöhe über WL 8,60 m
  • Theor. Rumpfgeschw. 5,52 kn
  • Gewicht 700 kg
  • Ballast/-anteil 90 kg/3 %
  • Großsegel 11,50 m2
  • Rollgenua (106 %) 8,00 m2
  • Gennaker (Option) 26,00 m2

Rumpf- u. Decks­bauweise Rumpf: Polyester-Volllaminat, Deck: Sandwich mit Schaumkern

Ausstattung und Preise

  • Grundpreis ab Werft 28.000 €
  • Preis segelfertig 34.150 €

Werft und Vertrieb Germanboats, Kloppstockstraße 8, 33613 Bielefeld


Marktübersicht Kleinkreuzer

In ähnlichen Abmessungen gibt es noch weitere Boote. Vom Retroklassiker bis zum Trimaran ist alles dabei. Eine Auswahl

Fricke & Dannhus haben mit der HD 20 Kaja einen eleganten Retroklassiker aus formverleimtem Mahagoni oder GFK mit kleiner Kajüte im Angebot. Länge 5,85 m; Breite 1,90 m; Gewicht 610 kg; ab 53.880 Euro
Foto: YACHT: M.-S. Kreplin

Das Video zum Test

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